Über 100 Teilnehmer
Am 23. und 24. April trafen mehr als einhundert Notfall- und Krisenmanager aus D-A-CH zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch bzw. dem jährlichen Netzwerktreffen für Krisen- und Notfallmanager der SIMEDIA Akademie in Bremen ein.
Krisenrückblick
Axel Bédé führte als Moderator durch den ersten Tag und gab einen obligatorischen Krisenrückblick auf die vorangegangenen zwölf Monate. Er nannte zum Beispiel den Ukrainekrieg, den Nahostkonflikt, die sich immer deutlicher zeigenden Auswirkungen des Klimawandels, Krisenlagen im Bereich Kritische Infrastruktur und Cybersicherheit sowie die Risiken der Künstlichen Intelligenz (KI).
LÜKEX
Sebastian Brück, Referatsleiter des Nationalen IT-Lagezentrums, Informationsdauerdienst des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnologie, kurz BSI, stellte die „LÜKEX 23“ vor, eine großangelegte bundesweite länder- und ressortübergreifende Krisenmanagementübungsreihe, die seit 2004 regelmäßig stattfindet. Dabei werden gezielt außergewöhnliche Krisensituationen geübt und vorhandene Strukturen, Verfahren und Vernetzung erprobt.
Künstliche Intelligenz
Jan Seitz von der Technischen Hochschule Wildau referierte mit seinem Kollegen Alexander Schewerda vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz über die Potenziale, die Künstliche Intelligenz für das Krisenmanagement bereithält. Die beiden Wissenschaftler vermittelten einen Überblick über aktuelle Forschungsansätze und die Grundprinzipien des Einsatzes von KI im Krisenmanagement.
Frachterkollision
Dr. Robby Renner, Leiter des Havariekommandos in Cuxhaven, berichtete über den strukturellen Aufbau, die Aufgaben und die Arbeit der Seenotrettungsorganisation für Nord- und Ostsee. Er veranschaulichte dies am Beispiel des Notfallmanagements im Fall der Kollision der zwei Frachter VERITY und POLESIE im Oktober 2023 vor der Küste Helgolands.
Organisierte Kriminalität
Den zweiten Veranstaltungstag moderierte Ronald Hauber, Geschäftsführer der ISCM GmbH. Marc Brandner, Partner beim Beratungsunternehmen SmartRiskSolutions, hielt einen Vortrag zum Krisenmanagement bei Bedrohungslagen durch organisierte Kriminalität im Unternehmensumfeld Mexikos, wenn keine wirklichen Krisenmanagementstrukturen vorhanden sind. Ein konkretes Beispiel zeigte, wie gut organisierte Kleinkriminelle über Jahre hinweg bei einem Tochterunternehmen eines deutschen Konzerns durch Betrug, Diebstähle, Urkundenfälschung und konkrete Bedrohung von Personen große Mengen finanzieller Mittel erbeutet haben.
Starkregenereignis
Benno Fritzen, der ehemalige Leiter der Berufsfeuerwehr Münster, berichtete über das Krisenmanagement bei einem Starkregenereignis vom Juli 2014 in Münster. Innerhalb von nur sieben Stunden fielen dort 292 Liter Regen pro Quadratmeter und führten zu verheerenden Überschwemmungen in der Stadt. Das Ereignis löste den bis dahin größten Einsatz von Feuerwehren und Hilfsorganisationen in Münster seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Zeitweise waren bis zu 24.000 Haushalte ohne Strom, für einen Zeitraum von fast 14 Tagen war zudem das Telekom-Festnetz und zeitweise auch das Sendesystem der Antenne Münster ausgefallen, Pumpwerke und die Zentralsteuerung des Abwassersystems fielen wegen der Überflutung längere Zeit aus und es drohte dekontaminiertes Sickerwasser in ein Naturschutzgebiet zu gelangen.

Bildquelle: hi/SIMEDIA Akademie
“Kontrollierte Offenheit”
Über das „Prinzip der kontrollierten Offenheit“ referierte Carsten Deuster, Managing Partner der DZ-CON GmbH. Er vermittelte die allgemeinen Mechanismen der Medienkommunikation, die Grundsätze der Krisenkommunikation und gab zudem noch einen Exkurs über die Rolle von Social Media und den professionellen Umgang damit im Zusammenhang von Krisenlagen. Das von ihm beschriebene Konzept einer kontrollierten Offenheit setzt auf, erstens, die Orientierung ausschließlich an Fakten (keine Interpretationen und Spekulationen), zweitens, Genauigkeit vor Geschwindigkeit, drittens, aktives Handeln („kommunikativ vor die Lage kommen“) und, viertens, festgelegte Strukturen und Prozesse.
Wintereinbruch

Bildquelle: hi/SIMEDIA Akademie
Über einen extremen Wintereinbruch am Flughafen München im November 2023 mit einer Schneefallhöhe von bis zu 52 Zentimetern berichtete Florian Loth, Leiter Business Continuity & Resilience der Flughafen München GmbH. Bei dem Vorfall galt es, ein havariertes Flugzeug zu bergen und Tausende Passagiere zu versorgen. Loth beschrieb den Ausfall der Verkehrsanbindung, die Gefahren des Einsturzes eines Flughafendaches und des Überlaufs der Enteisungsmittelrückhaltebeckens, den Brand eines Schaltschranks sowie eine temporäre IT-Störung, kurzum einen „multiplen Krisenmodus“. Von dem mehrtägigen Flughafenausfall waren 320.000 Passagiere betroffen.
IT-Ausfall
Jan Gebauer, Expert Advisor Group Crisis Management & International Coordination der Volkswagen Gruppe, berichtete über den Ausfall des IT-Netzwerks im VW-Werk Wolfsburg. Eine Überlastung von zentralen Netzwerk-Routing-Komponenten im Rechenzentrum führte 2023 zu einer Unterbrechung der Anbindung der weltweiten Standorte. Es folgte unter anderem ein Produktionsausfall in mehr als 40 Werken des global agierenden Automobilherstellers. Der Krisenmanager berichtete von der ersten Feststellung des Vorfalls über Störungen geschäftskritischer Anwendungen, über die technische Prüfung und Festlegung des Schweregrades, Alarmierungs- und Informationsabläufe, die Einberufung der Krisenstäbe, den Recoveryprozess bis hin zur Deeskalation, Dokumentation und Ursachenforschung nach fast 48,5 Stunden.

Bildquelle: hi/SIMEDIA Akademie
16. Netzwerktreffen
Das nächste, also 16. Netzwerktreffen für Krisen- und Notfallmanager der SIMEDIA Akademie findet statt am 5. und 6. Mai 2025 in Köln. www.simedia.de

