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Personenschutz

Angriff auf offener Bühne – Konsequenzen für das eigene Tun

Ausgabe 24/2019
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Ausgabe 24/2019
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Nach dem tödlichen Angriff auf Herrn Fritz von Weizsäcker bei einem Vortrag in der Berliner Schlosspark-Klinik am 19.11.2019 waren nicht viele der Ansicht, dass zum wiederholten Mal Rache an einem Arzt der Auslöser für diese Tat war. Bereits 2001 wurde in einem Fachbeitrag berichtet, dass hinter Taxifahrern, Verkäufern an Nachtschaltern und Polizisten Ärzte an vierter Stelle stehen, wenn es um die Wahrscheinlichkeit von Tötungsdelikten geht.

Interessant dabei war die Auswertung der bundesweit bekannten Fälle hinsichtlich der Tatwerkzeuge: Sie reichte von der Lebensmittelvergiftung über Geiselnahmen, Hieb- und Stichwaffen bis zu Schusswaffen und dem Einsatz von Sprengstoff. Ziel der damaligen Auswertung war die Untersuchung der Fälle im Hinblick auf medizinische, epidemiologische und kriminologische Aspekte sowie die Darstellung eventueller Vermeidungsstrategien oder Vorsichtsmaßnahmen.

Der Angriff auf die Person Weizsäcker zeigte allerdings, dass diese Tat nichts mit seiner beruflichen Tätigkeit zu tun hatte. Der Täter hat sich bewusst das Tatwerkzeug gekauft, ist bewusst zu einem Vortrag des späteren Opfers gefahren und hat aus Rache auf die Familie Weizsäcker nach dem Ende des Vortrages die Tat ausgeübt. Eine solch fremde Motivkonstellation außerhalb des beruflichen Umfeldes kann somit jedem passieren.

Jedoch gab es in der Vergangenheit häufig Vorfälle, die die angespannte Situation an zum Beispiel Krankenhäusern und in Arztpraxen aufzeigen. Nachfolgend (und dies nicht nur auf den Bereich der Ärzte bezogen) einige Empfehlungen, wie man im Alltag mit Bedrohungen innerhalb seiner Berufsausübung umgehen sollte:

Maßnahmen

  1. Die meisten solcher Angriffe finden nicht im Privaten, sondern in der Öffentlichkeit statt. Der Täter weiß, dass seine Opfer dann verletzlich sind und er damit auch die Öffentlichkeit als Zuschauer bzw. im Nachgang die Medien als Multiplikatoren hat. Leider ist es eine statistische Gewissheit, dass die meisten der Täter psychische Probleme haben. Nur werden sie weder im familiären noch im beruflichen Umfeld als Gefährder wahrgenommen. Hier muss ein Umdenken in der Wahrnehmung von allen Beteiligten stattfinden. Der Opferschutz muss vor der Täterfürsorge stehen!
  2. Auch sollte man sich bewusst machen, dass bei Anschlägen oder Angriffen der Eigenschutz vor der Unterstützung des Betroffenen steht. Zivilcourage ist sehr gut, allerdings sollten nach Abwägung der Situation vor allem Polizei und Rettungskräfte informiert werden. Diese sind auf den Umgang in solchen Situationen geschult und wissen damit umzugehen.
  3. Man wird in der Regel unvorbereitet getroffen. Das Risiko ist also, z. B. bei Vorträgen und Präsentationen in einem öffentlichen beziehungsweise größeren Rahmen immer gegeben. Deshalb sollte man sich mit solchen Situationen präventiv vertraut machen:

    a. Mit Gewalt rechnen und potenzielle Gefahrensituationen frühzeitig erkennen lernen.
    b. Bedrohungen und Aggressionen mit dem Gegenüber thematisieren; den Versuch des „Mitnehmens“ und „Verstehen“ abbilden.
    c. Nach Möglichkeit Vertraute im Umfeld (bei Seminaren z. B. Moderator, andere Referenten mit einbeziehen) einbinden, sich ggf. nach Fluchtwegen umschauen.
    d. Nicht jeder ist ein Meister von Kommunikationstechniken; man kann solches aber im Rahmen von Weiterbildungen lernen.
  4. Die kriminalpolizeilichen Auswertungen solcher Angriffe zeigen, dass die Aggressivität der Taten zunimmt und auch die Tatwerkzeuge immer extremer werden. Dies bedeutet (nicht nur bei sensiblen Hochsicherheitsveranstaltungen) sich Gedanken darüber zu machen, wie Besucher und Betriebsfremde kontrolliert werden. So kann es durchaus sinnvoll sein, Personen und Gepäck an Gelände- bzw. Gebäudeeingängen auf Waffen zu kontrollieren, unabhängig davon, ob es sich dabei um ein Krankenhaus, ein Konferenzzentrum oder ein Betriebsgelände handelt. Neben der tatsächlichen Überprüfung wirken solche Maßnahmen auch präventiv!
  5. Bisher zögern immer noch Betreiber von kunden- bzw. besucherorientierten Umgebungen, Maßnahmen der Zutrittskontrolle umzusetzen. Aber auch hier gibt es heute einfache Lösungen, wie man die Berechtigungsvergabe umsetzen kann, um so entsprechend des Bedrohungspotentials bereichs- und zeitbezogen Nutzungsbereiche offen, bedingt offen oder geschlossen zu halten.
  6. Auch sollte man sich zukünftig über Rückzugsräume Gedanken machen, die Opfern und Beteiligten zum Beispiel bei Amoktaten ein geschütztes Umfeld bieten.

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