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Sicherheitsforschung

Beispiele für Risikominimierung durch Wissenschaft

Ausgabe 21/2022
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Ausgabe 21/2022
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Sicherheitsforschung dient der Sicherheit in der Zukunft. In diesem Sinne seien heute weitere Beispiele genannt, die diesem Ziel dienen wollen:

  1. Morde per Computer aufklären
    In einem Videobeitrag von mdr WISSEN gibt der Rechtsmediziner Prof. Dr. Michael Thali einen kurzen Ausblick auf den Forschungs- bzw. Leistungsstand der kriminalistischen Forensik. Es sei schon heute so, dass die Polizei an einem Tatort die gesamte Szenerie eines Tötungsdeliktes (oder Unfalles) in 3D scanne. Zudem würde das Körperinnere und die Körperoberfläche dreidimensional dokumentiert. Dadurch könne man die Geschehensabläufe virtuell nachspielen und sich mit 3D-Brille in die Szenerie hineinbeamen. Auch in der Toxikologie habe es in den letzten fünf bis zehn Jahren enorme Entwicklungen gegeben. Thali geht davon aus, dass die meisten Mordfälle wahrscheinlich bald aufgelöst werden können. www.mdr.de, Kurzlink https://bit.ly/3Tcs6XE
  2. Radikalisierung erforschen
    Das „Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung“ (MOTRA) widmet sich laut eigener Aussage der phänomenübergreifenden Erforschung von Radikalisierung. Dieser Forschungsverbund der zivilen Sicherheitsforschung ist vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesministerium des Innern und für Heimat gefördert. Zu den Verbundpartnern gehören z. B. die Forschungsstelle Terrorismus/Extremismus des Bundeskriminalamts (Projektkoordinator) sowie zahlreiche renommierte Universitäten und wissenschaftliche Forschungsinstitute.
    Aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert MOTRA in seinem kürzlich erschienen MOTRA-Monitor 2021. Darin attestieren uns die Autoren in einer Zusammenfassung, dass wir „in höchst seltsamen Zeiten“ leben, „weil sie vom Üblichen, dem bisherig Erlebten und Bekannten so markant abweichen … “ (Stichwort „Zeitenwende“). Die Rede ist auch von einem „ubiquitär-globalen Krisenmodus“. Als zentralen Treiber des jüngst in Deutschland beobachteten Radikalisierungsgeschehens sehen die Autoren die Coronapandemie und die sich um sie entfaltende politische Debatte im Jahr 2021.
    Die einzelnen Befunde bzw. der 466-seitige MOTRA-Monitor 2021 sind kostenlos erhältlich. Die ersten konkreten Zahlen sind darin ab Seite 23 zu finden: So soll es in der erwachsenen Gesamtbevölkerung ein „Potenzial von 8,5 Prozent Personen geben, deren Einstellungsmuster demokratiedistante Züge ( … ) aufweisen.“
    www.motra.info/motra-monitor-2021/
  3. W-LAN-Nutzung im Katastrophenfall
    Die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) berichtet über ein Forschungsprojekt, bei dem es im Rahmen eines Testlaufs gelungen sein soll, eine neuartige Netzwerkarchitektur, ein sogenanntes Wireless Mesh Network (WMN), zu entwickeln.
    Dabei handelt es sich um ein WLAN aus verschiedenen Knotenpunkten, in das sich Einsatzkräfte und Hilfebedürftige mit ihren Smartphones einwählen können. Bei der Entwicklung des WMN habe die Forschungsgruppe eng mit dem Technischen Hilfswerk (THW) sowie dem Unternehmen NetModule GmbH aus Eschborn zusammengearbeitet. Praktisch soll das wie folgt ausgesehen haben: Das THW verteilt kleine, portable WMN-Router auf dem betroffenen Gelände. Sobald die Router eingeschaltet werden, verbinden sie sich als Knotenpunkte automatisch miteinander und bilden ein stabiles und intelligentes Netz.
    www.frankfurt-university.de, Kurzlink https://bit.ly/3xiPRoJ
(SB 21/22)
Bildquelle: Pressefoto der Frankfurt University of Applied Sciences
  1. Akzeptanzprobleme von „IT-Sicherheitsforschern“ (Hackern)
    Eine Autorin namens „Anna“ beklagt in einem auf netpolitik.org erschienenen Beitrag die unbefriedigende Situation, in der sich hackende Kollegen, „Sicherheitsforscher“, befinden. So böten ihnen die aktuellen Gesetze in Deutschland kaum Schutz bei ihrer Arbeit. Als Beispiel verweist sie auf den Vorfall mit IT-Sicherheitsforscherin Lilith Wittmann: Diese hatte die CDU im vergangenen Jahr auf Datenschutzlücken in deren Wahlkampfapp hingewiesen – und habe eine Anzeige kassiert.
    Anna zitiert die IT-Sicherheitsforscherin Manuela Wagner, die das Problem beschrieben hat: „Die Tathandlungen zum Auffinden von Sicherheitslücken sind in der Regel identisch, egal ob es kriminelle Hacker*innen oder Sicherheitsforschende sind. Aber Letztere haben eine ganz andere Motivation.“ Diese abweichenden Motivationen unterschieden jedoch bisher nicht danach, ob jemand aus kriminellen oder ethischen Motiven nach Sicherheitslücken suche. Alternativ besteht laut Anna jedoch die Möglichkeit, Sicherheitslücken an das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) zu melden.
    Netzpolitik.org, Kurzlink https://bit.ly/3qBf5Lk
  2. Forschung für bessere FFP2-Masken
    Die Hochschule Landshut will im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts gemeinsam mit der ringbach GmbH eine neuartige Fertigungsanlage für FFP2- und FFP3-Masken entwickeln. Sie wollen es damit lokalen Herstellern ermöglichen, wirtschaftlicher und unabhängiger zu produzieren. Dabei wollen die Partner auch das Filtermaterial selbst optimieren, indem die Durchmesser der sogenannten Filamente (Textilfasern) verringern werden. Denn je feiner diese Stränge gefertigt würden, desto besser sei die Filterwirkung. Damit ließe sich zusätzlich der Tragekomfort verbessern und das Atmen erleichtern.
    Einfallsreich.haw-landshut.de, Kurzlink https://bit.ly/3S3Ou5f
  3. Unfallforscher gegen Fahrautomation
    Siegfried Brockmann ist Leiter der Unfallforschung beim GDV Unfallforschung der Versicherer (UDV). In seinem Verkehrssicherheits-Blog äußerst er vernichtende Kritik an einer Fahrzeugautomation und der Herausnahme des Menschen aus der konkreten Fahrzeugsteuerung bei sogenannten Level-3-Fahrzeugen. Dazu gibt er einen interessanten Hinweis: Konventionell fahrende Menschen verursachen statistisch gesehen (nur) alle 216 Jahre einen Unfall mit Personenschaden. Man könne also nur Maschinen die Fahraufgabe überlassen, wenn sie besser seien als der Mensch.
    Automatische Fahrsysteme stellen aus Sicht der UDV ein „grundsächliches Risiko“ dar. Brockmann beschreibt in seinem Block die Szenarien im Fahrzeug während der Fahrt. So vergingen z. B. nach der Übergabeforderung des Systems an den Menschen bis zu 15 Sekunden, bis der Mensch das selbstfahrende System tatsächlich übernehmen könne. Sein Fazit:
    „Entweder, es fährt die Maschine oder es fährt der Mensch, unterstützt von guten Assistenzsystemen. Level, die dem Menschen Überwachungsaufgaben zuweisen, ihn aber ansonsten beschäftigungslos lassen, darf es, auch evolutionär, gar nicht geben, weil er das einfach nicht leisten kann.“
    www.udv.de, Kurzlink https://bit.ly/3RYuTTP

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