Die DIN (Deutsches Institut für Normung) EN (European Norm) 16798 Teil 1: „Eingangsparameter für das Innenraumklima zur Auslegung und Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden bezüglich Raumluftqualität, Temperatur, Licht und Akustik“, erschienen im Beuth Verlag als Weißdruck im April 2021, und der aktuell veröffentlichte Entwurf vom Juni 2021 des nationalen Anhangs zählen künftig zu den wichtigsten technischen Regelwerken in Sachen Raumklima für sämtliche Fachplaner, Anlagenbauer, Bauherren, Betreiber und Architekten.
Mit dem nun vorhandenen nationalen Anhang wurden Richtwerte (Defaultwerte) vorgegeben, die zur Sicherstellung eines gewünschten Raumklimas dienen. Die Norm ist sowohl für Nichtwohngebäude als auch für Wohngebäude anwendbar. Die in der Norm und vor allem im nationalen Anhang zum Teil neu definierten Festlegungen in Form von Standardwerten zur Temperatur, Raumluftqualität, Beleuchtung und Akustik, sollen unter verschiedenen Gesichtspunkten die Lasten, die durch Personen hervorgerufen werden, aber auch die der verbauten Materialien, abführen können und für ein behagliches Klima in den entsprechenden Räumlichkeiten, z. B. Büros, Besprechungsräumen, Restaurants, Schulen und Wohnräumen, sorgen.
Dazu wurden insgesamt vier Kategorien der Raumqualität IEQ (Indoor Environment Quality) vorgegeben, wobei die drei ersten Kategorien unter anderen Kürzeln aus der DIN EN 15251 bekannt sind. In der neuen Norm wurde die Kategorie IEQIV hinzugefügt, allerdings sollte diese geringste Qualitätsstufe nur für einen begrenzten Teil des Jahres gelten. Die Festlegung, unter welcher Kategorie die Planung und Auslegung der technischen Lüftungs- und Klimakomponenten zu erfolgen hat, sollte gemeinsam mit dem Nutzer, Bauherren, Architekten und Fachplaner abgestimmt und definiert werden. Dies gilt als wichtigste Voraussetzung für alle weiteren Planungsschritte und sollte sich an den Bedürfnissen und der Nutzung des Gebäudes orientieren. Die Kategorien sind in folgende Qualitäten aufgeteilt:
- Kategorie IEQI:hoch (≤6% Unzufriedene)
- Kategorie IEQII: mittel (≤10% Unzufriedene)
- Kategorie IEQIII: moderat (≤15% Unzufriedene)
- Kategorie IEQIV: niedrig (≤25% Unzufriedene)
Die Einschätzung der unterschiedlichen Qualitäten basiert auf dem Verhältnis des PMV-Index (Predicted Mean Voting), der den Grad der Behaglichkeit oder Unbehaglichkeit mehrerer Probanden ausdrückt, und dem PPD-Index (Predicted Percentage of Dissatisfied), der wiederum die erwartete durchschnittliche Unzufriedenheitsrate beschreibt. Dabei gibt es die geringste Anzahl von Unzufriedenen bei als behaglich empfundenen Umgebungsbedingungen im Raum – und je unbehaglicher es im Raum wird, desto höher ist die Anzahl der Unzufriedenen. Die wesentlichen in der Norm definierten Defaultwerte, beispielsweise für Raumtemperaturen, Raumluftfeuchten und Mindestaußenluftvolumenströme, stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit den Raumqualitäten und definieren am Ende die Qualität der Raumlufttechnischen (RLT)-Anlage. Je höher die geforderte Raumqualität, desto höher beispielsweise der Mindestaußenluftvolumenstrom.
Somit sind wir bei einem derzeit viel diskutiertem Thema aus hygienischer Sicht, dem Mindestaußenluftvolumenstrom. Je mehr „gelüftet“ wird, also je mehr Außenluftvolumen in den zu betrachteten Raum geführt wird, desto weniger Schadstoffe und andere Krankheitserreger befinden sich im Raum. Für die Festlegung der erforderlichen Größenordnung stellt nun die DIN EN 16798-Teil 1 inklusive des nationalen Anhangs die wirklich entscheidende Richtlinie dar. Laut derer stehen drei unterschiedliche Verfahren zur Auswahl, nach denen der erforderliche Außenluftvolumenstrom in Abhängigkeit zur erforderlichen Raumqualität berechnet bzw. ermittelt werden kann:
1. Berechnung nach Personenzahl, Fläche und Schadstoffarmut des Gebäudes
In der Norm und im nationalen Anhang sind die einzelnen Mindestaußenluftvolumenströme je Person und Raumqualität definiert. Dabei gilt beispielsweise für die Kategorie IEQII ein Volumenstrom von mindestens sieben Litern pro Sekunde und Person als aus-reichend. Hinzu kommen die Ausdünstungen aus den verbauten Materialien des Gebäudes – hier erhält man beispielsweise für die Kategorie IEQII unter der Annahme, dass es sich um ein schadstoffarmes Gebäude handelt, einen Wert von sieben Litern pro Se-kunde und Quadratmeter. Nach anschließender Multiplikation der beiden Werte mit der jeweiligen Personenanzahl und der Fläche, erhält man zwei Volumenströme, welche addiert werden müssen. Die Summe aus beiden stellt den Gesamtaußenluftvolumenstrom dar. Unterschieden wird noch zwischen den drei Schadstoffklassen:
- sehr schadstoffarm,
- schadstoffarm und
- nicht schadstoffarm.
2. Orientierung am CO2-Gehalt in der Raumluft
Alternativ zur Variante eins ist es auch möglich, sich am CO2-Gehalt (Kohlenstoff-Dioxid) der Raumluft zu orientieren. Ebenfalls in der Norm und im nationalen Anhang werden zu den unterschiedlichen Raumqualitäten IEQI bis IV entsprechende Maximalwerte an einer CO2-Konzentration im Raum aufgeführt. Dabei fällt auf, dass die Werte im nationalen Anhang und in der neuen Norm nicht die Gesamtkonzentration an CO2 im Raum ausmacht, sondern den Anstieg der CO2-Konzentration gegenüber der Außenluft. Somit erhöhen sich die zulässigen CO2-Konzentrationen gegenüber dem Vorgänger DIN EN 15251 erheblich. Diese normative Empfehlung geht allerdings nach Ansicht vieler Fachleute in die verkehrte Richtung.
3. Pauschalverfahren gem. DIN EN 13779
Hierbei handelt es sich laut Norm um die Berücksichtigung der Standardwerte der Mindestaußenluftvolumenströme für Personen oder Fläche, ebenfalls wieder in die vier Kategorien der Raumqualität unterteilt. Dieses Verfahren wurde allerdings nicht in den nationalen Anhang übernommen.
Empfehlung
Generell sollte jedoch unabhängig von den drei oben genannten Verfahren die Lüftung speziell bei nichtbesetzten Räumen weiterhin aufrechterhalten bleiben. Dabei sollte ein Mindestwert von 0,15 Litern pro Sekunde und Quadratmeter als Mindestaußenluftvolumen-strom realisiert werden, um dadurch die aus den Baustoffen abgegebenen Schadstoffe kontinuierlich zu reduzieren. Als Alternative für eine durchgehende Be- und Entlüftung der Räume, z. B. in den Abend- oder Nachtstunden, wird auch ein Betrieb der Anlage zwei Stunden vor der regulären Anschaltung mit einem halben Luftwechsel pro Stunde akzeptiert

