In einigen Tagen beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Was als Fortsetzung des Sommermärchens aus 2006 angedacht war, entwickelt sich mittlerweile zu einer Mammutaufgabe für die Sicherheitsbehörden, aber auch für viele Unternehmen, unabhängig davon, ob primär als Dienstleister oder sekundär als Betroffener durch Ausfälle oder Einschränkungen durch Schadensereignisse unterschiedlicher Art.
Zum einen geht man von einer hohen Anschlagsgefahr in Deutschland aus. Terroristische Gruppen seien bereits in der Planung solcher Ereignisse, die ohne oder mit geringer Vorwarnung umsetzbar sind. Ende März 2024 gab Kanada eine Reisewarnung für Deutschland aus. In der Folge äußerten sich das Vereinigte Königreich und das US-Außenministerium. Touristen mit dem Ziel Deutschland sollten hohe Vorsicht walten lassen, besonders vor touristischen Orten, Verkehrsknotenpunkten, Hotels, Restaurants, Clubs, Gotteshäusern, Parks sowie Sport- und Kulturveranstaltungen.
Zum anderen ist es erstaunlich, wie hoch die Bereitschaft zur Gewalt und die Respektlosigkeit gegenüber Personen unterschiedlicher Aufgabenstellung sind. 155 verletzte Polizisten bei einem Regionalliga-Spiel in Berlin am 4.5.2024 trotz einer Absicherung des Fußballspiels durch 1.000 Polizeibeamte zeigen, dass selbst bei langfristiger Sicherheitsplanung und konkreten baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen die Bereitschaft zur Schaffung instabiler Zustände sehr hoch ist. Zusätzlich wird die Gefahr von Leib und Leben in Kauf genommen. Durch die Digitalisierung wächst zusätzlich auch bei den Sportveranstaltungen die Gefahr von Cyberangriffen.
Mit dem International Police Cooperation Center (IPCC) in Neuss haben die Sicherheitsbehörden eigens für die EM eine Basis (Lagezentrum) geschaffen. Das Durchspielen unterschiedlichster Bedrohungsszenarien im Frühjahr zeigte den Beteiligten, wo noch Lücken in den Prozessen sind.
Was aber leider vergessen wird: Auch außerhalb der Behörden sind Gefährdungen gegeben: Die EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) hat, trotz Zusage von 20 Prozent mehr Sicherheitspersonal in Verkehrsmittel und auf Bahnhöfen, angekündigt, ggf. durch einen indirekten Streik der Mitarbeiter (Abarbeitung Überstunden der Zugbegleiter) den Transport von Fußballfans bzw. randalieren-den Personen zu blockieren. Statistiken zeigen, dass insbesondere be- oder angetrunkene Fahrgäste schnell und ungezügelt dabei sind, sozusagen zu entgleisen. Stehen ihnen Frauen gegenüber, fallen die Hemmungen noch eher. Kommt überdies eine Gruppendynamik hinzu, werden Ticketkontrollen, Kontrollgänge durch den Zug oder der Platz am Serviceschalter für das Personal zur unkontrollierbaren Herausforderung.
Neben dem Transport auf der Schiene darf nicht vergessen werden, dass durch die Lenkung der Personenströme in den Städten oder durch Ereignisse wie Anschläge oder die Sperrung von kleinen oder größeren Flächen für Fahrzeuge und Personen auch Unternehmen durch die instabile Lage indirekt be- und getroffen werden können. Hier empfehlen wir jedem Sicherheitsverantwortlichen, insbesondere in den 10 Veranstaltungsorten, aber auch in Bereichen mit Angeboten zu Public Viewing, die Notfallpläne auf mögliche Szenarien anzupassen. Hoffen wir alle gemeinsam, dass die Notfallpläne bei Behörden, bei Dienstleistern und Unternehmen am Ende in der Schublade bleiben und wir ein schönes Sporterlebnis erleben!

