Immer wieder muss ich bei Begehungen feststellen, dass die ausgehängten Fluchtpläne nicht den aktuellen Stand widerspiegeln. Manchmal sind es Veränderungen etwa durch Umbauten im Grundriss. Doch auch Änderungen in den Nutzungen oder der brandschutztechnischen Ausstattung lassen so einen Plan schnell alt aussehen. Oder der Standort ist falsch eingetragen. Und wieder muss eine Änderung der Pläne und deren Austausch angeordnet werden.
Wann brauchen Sie überhaupt solche Pläne? Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.3 fordert unter dem Punkt 10 die Erstellung eines Flucht- und Rettungsplanes. Neben den normierten Vorgaben werden auch Angaben zur Anordnung gemacht. Es ist eine interessante Frage, wie viele der in Deutschland aufgehängten Pläne in betrieblichen, behördlichen und allgemein zugänglichen Gebäudestrukturen nach Aktualität, Übersichtlichkeit, Lesbarkeit und Berücksichtigung von geltenden Sicherheitsfarben sowie Rettungs- und Brandschutzzeichen wohl wirklich noch diesen umfassenden Anforderungen entsprechen. Aus der Beratungserfahrung würde ich auf einen Wert zwischen 50 und 65 Prozent tippen.
Und hier kommt eine Überlegung ins Spiel, die in Zeiten von Digitalisierung und dem Einsatz von BIM (Building Information Modeling) bis zur Verwendung von künstlicher Intelligenz eigentlich überall präsent sein müsste: Ein digitales Display an der Wand, auf dem die oben angesprochenen Anforderungen durch technische Verknüpfungen automatisch und stets aktuell angezeigt werden.
Die meisten Anbieter verstehen derzeit unter Digitalisierung der Flucht- und Rettungspläne Software-Applikationen, die die DIN ISO 23601 umfänglich umsetzen können. Meine Vorstellung geht noch ein Stück weiter: Auf Basis der Software-Applikationen werden Flucht- und Rettungspläne erstellt, deren weitergehende Aktualisierung im täglichen Betrieb (nichts ist beständiger als der Wandel) durch automatische Abfrageroutinen bei Veränderungen in den einzelnen Verantwortungsbereichen (Architektur, Brandschutz, Arbeitsschutz, Personal usw.) erfolgt. Eine Änderung hätte dann eben nicht mehr die händische Anpassung, den manuellen Druck und einen Austausch eines Planes vor Ort zur Folge. Eine Utopie? Vielleicht heute noch.
Auch die sonstigen Bedenken gegen den Einsatz eines Displays im Gegensatz zu einem Papierplan hinter Glas können ausgeräumt werden: Die ständige Verfügbarkeit wird durch Festlegungen zur unterbrechungsfreien Stromversorgung ebenso gesichert wie Datenmeldungen bei Störungen und Ausfällen. Man kann zusätzlich über Energieeffizienz nachdenken, indem man diese Displays mit der Anwesenheit von Personen koppelt. Und bei nach Bauordnung notwendigen Fluren und Treppenhäuser wäre der Einsatz schwer entflammbarer Materialen durchaus eine sinnvolle Alternative.
Warum es solche Entwicklungen bisher nicht gibt? Neben den Kosten spielen sicherlich die Bedenken gegen den Einsatz digitaler Technik gepaart mit dem Einsatz in brandschutzsensiblen Bereichen die größte Rolle. Diese Grenzen sind jedoch überwindbar. Zugegeben – bei standardisierten Produkten mag der Preis verglichen mit den Kosten für analoge Aktualisierungen (Fertigung, Druck und Tausch der Pläne) vermutlich relativ hoch erscheinen. Doch hat man gegebenenfalls die Möglichkeit, die Datengrundlagen (Übersichten, Informationen usw.) auch für andere Darstellungen im eigenen Haus zu verwenden.
Eins weiß ich aber: Dies wird auf der nächsten Security Essen ein Thema sein, das ich im Detail bei den Herstellern bezüglich Umsetzbarkeit ansprechen werde. Vielleicht gibt es ja bereits einfache Lösungen zur Integration, die ich und wir bisher nur noch nicht kennen.

