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Ein Desaster: Wo war der BND?

Ausgabe 17/2021
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Ausgabe 17/2021
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Das Afghanistan-Desaster verschlägt einem die Sprache, vor allem folgende Akteure bzw. Aktionen:

  1. Ein Außenminister, der möglicherweise als schlechtester Außenminister Deutschlands in die Geschichte eingehen wird. Nicht nur wegen Afghanistan.
  2. Eine Verteidigungsministerin, die wegen Rechts-Außen-Verdächtigungen die Elitetruppe KSK mit wenigen Unterschriften unter flüchtig zusammengestellten Befehlen und Erlassen kampfunfähig gemacht hat, sodass Fallschirmjäger zur Evakuierung von Botschaftspersonal nach Kabul geschickt wurden, die für solche Einsätze weder ausgebildet noch ausgerüstet sind.
  3. Eine deutsche Botschaft, die erst in den letzten Monaten ihre politische Zurückhaltung aufgegeben hat und, wie man so schön sagt, Tacheles in ihren Informationen an das AA geredet hat. Bis Mai/Juni waren die Berichte so weichgespült, wie der Außenminister sie haben wollte, um Aktionismus und politische Gelassenheit ausstrahlen zu können. Nur keine Alarmmeldungen!
  4. Ein Innenminister, der noch vor wenigen Wochen bedauerte, dass die afghanischen Behörden ausreisewilligen Ortskräften keine Pässe ausstellte und die dafür auch noch durch dieses Land reisen sollten, um dann doch keine Papiere zu bekommen. Man werde aber das Problem bis Ende August (!) gelöst haben.
  5. Die gute Nachricht: 640 Afghanen passen in eine US-Transportmaschine, die für maximal 134 Personen zugelassen war. Sie leben! Die schlechte Nachricht: Sie hockten dicht gedrängt und hatten keinen Fensterplatz.
  6. Eine Bundeswehrmaschine vom Typ A400M war zur Evakuierung gelandet. Sie ist für 114 Personen ausgelegt, ist aber in einem Evakuierungsfall für 150 gut. So viele Anschnallgurte können ausgelegt werden! Über 500 hätten Platz, wenn sich die BW nicht an die Vorschriften hielte. Eine solche Maschine kam am 16.8. mit sieben (!) Personen zurück. Begründung: Es war angeblich keine Zeit zum schnellen Boarden, weil die Ausreisewilligen gar nicht bis zum Flughafen kommen würden. Denn der größte Teil der Ortskräfte, die auf der Evakuierungsliste stehen, war nach Kabul zurückgeschickt worden. Dort sei es sicherer für sie! Es hielten sich aber einige hundert Ausreisewillige auf, die sicher einen guten Grund hatten, vor den Taliban zu fliehen. Die Anwesenden hatten aber keine Ausreisepapiere. Ohne Dokumente in Qualität des Nachweises für das Asylverfahren muss der Bürokrat Frauen, Kinder und Ortspersonal natürlich den Taliban überlassen. Ordnung muss sein. Lieber Exekution als ohne Identifikation.
  7. Das Schlimmste:
    a. Eine Bundesregierung, die völlig perplex ist, dass der Vorstoß der Taliban so schnell und so erfolgreich abgelaufen ist und mit dem Vormarsch auch sofort der Aufbau einer Zivilverwaltung erfolgte.
    b. Eine Bundesregierung, die nicht gemerkt hat, dass die Taliban den westlichen Nachrichtendiensten im Verschleiern ihrer militärischen und organisatorischen Kompetenz haushoch überlegen waren.
    c. Eine Bundesregierung, die nicht wahrnahm oder nicht wahrnehmen wollte, dass zahlreiche gut ausgebildete Zivilbeamte zu den Taliban übergelaufen sind und mit dem Tag des Einmarschs in den eroberten Provinzstädten und nun auch in Kabul eine scharia basierte Zivilverwaltung effizient in Kraft setzen konnten.
    d. Eine Bundesregierung, die Jahr für Jahr einen milliardenschweren Dienstleister (BND) alimentiert, der weniger weiß als die SPIEGEL-Redaktion. Zum einen, weil er durch unzureichende Kompetenzen nichts wissen darf, zum anderen, weil er vielleicht auch nichts kann.
    e. Eine Bundesregierung, die eine elementare Grundregel des Krisenmanagements missachtet hat. Krisenmanagement muss auch Worst-Case-Betrachtungen und entsprechende Pläne haben.
    f. Eine Staatengemeinschaft, die sich durchweg (wir sind nicht die einzigen Dummen) den Glauben einredete, nicht nur das Richtige zu tun, sondern die Wahrheit nicht zu erwägen oder gar zu verbalisieren, um die Unterstützung ihrer Parlamente nicht zu verlieren.

Es ist nicht schwierig, ein wenig Quellenforschung zu betreiben, um den Fehleinschätzungen der Bundesregierung und vor allem des AA auf die Spur zu kommen:

  1. In Afghanistan gab es durch die Ortskräfte anfangs vergleichsweise gute Quellen. Im Laufe der Jahre ging die Qualität zurück, weil die Taliban-Bewegung einen Nachrichtendienst betrieb, der gezielte Fehlinformationen einfließen ließ. Das gelang vor allem durch verwandtschaftliche Beziehungen in den Stämmen und quer durch die Stämme.
  2. Anfangs glaubten die westlichen Verbündeten auch, was ihnen die afghanische Armee, die Polizei sowie der afghanische Geheimdienst erzählte. Die Offiziere und Spezialisten waren ja schließlich teilweise auf Militärschulen der NATO-Länder oder entsprechende Instrukteure ausgebildet und für Kampfeinsätze ausgebildet worden. Schon vor etwa fünf oder sechs Jahren hatte der Autor ein längeres Gespräch mit einem Brigadegeneral mit Afghanistanerfahrung: „Die können doch nicht auf ihre Verwandten schießen! Wir können auch gut Ausgebildete nur für nachrangige Unterstützung einsetzen.“ Etwas spöttisch fügte er hinzu: “Zur Bewachung unserer Autos.“ Viele der gut Ausgebildeten sind übergelaufen. Jährlich etwa 30 Prozent! Sie trainieren sodann die Taliban an erbeuteten amerikanischen Ausrüstungen. Das heißt, dass die Bundeswehr hochrangige Leute mit Durchblick hatte, die wussten, dass die afghanische Armee den Taliban nichts entgegenzusetzen hatte.
  3. Warum steht keine derartig klare Aussage in einem Papier, das aus dem Verteidigungsministerium (BMV) oder dem AA zur Kanzlerin gegangen ist? Antwort: Durch alle Instanzen des Berichtsweges wurden nach politischer Opportunität die Aussagen weichgespült. Nur so kann die politisch verantwortliche Instanz sagen, dass sie darüber gar nicht informiert worden war. Und das betrifft alle Minister. Es war der Bundeswehr bekannt, dass die Angaben zur afghanischen Truppenstärke falsch waren – nämlich zu hoch. Dadurch konnten die Kommandeure die Zuschüsse der NATO-Länder auf Schweizer und andere Konten umleiten.
  4. Der BND ist ein Nachrichtendienst mit riesigem Behördenapparat an zwei Standorten (Berlin und immer noch Pullach) und extrem schmaler operativer Basis. Er bekommt zum einen seine Informationen vor allem von befreundeten Diensten, die aktive Aufklärung betreiben. Das meiste, worauf „Erkenntnisse“ des BND basieren, ergibt sich aus Auswertung offener Quellen (bösartig formuliert: das Lesen der Tageszeitungen des Ziellandes) sowie durch Befragung Reisender und anderer Kontaktpersonen.
  5. Die Befragung Reisender kommt zu skurrilen systemimmanenten Fehleinschätzungen (vgl. Grafik unten): In der Reisevorbereitung nimmt man Kontakt zu verschiedenen Informationsquellen auf. Ich nenne nur eine einfache Version dieses Prozesses und ohne Einschaltung von spezialisierten Beratern für Reisesicherheit. Die auf Reise-Sicherheitsberatung spezialisierten Unternehmen, mit Fachleuten auch vor Ort, werden, wie man hört, von BND-lern oft eifersüchtig beäugt. Sie dürfen mehr und wissen mehr.

Natürlich gehört auch dazu, dass die Mitarbeiter der zu besuchenden Niederlassung kontaktiert werden, sofern solche Leute vorhanden sind. Die vereinfachte Grafik zeigt einen Teil der Kontaktsystematik auf.

Bei Rückkehr vor dem Abflug nach Hause werden oft die gleichen Personen noch einmal angesprochen. Denn die wollen wissen, ob alles geklappt hat, ob ihre Einschätzung richtig war und welchen Problemen man begegnet ist.

Alle Ansprechpartner schreiben Berichte. Die Empfängerinstanzen, z. B. BKA oder BND und andere, gleichen diese Berichte mit anderen Informationen ab. Starke Abweichungen werden vorsichtshalber oft leider nicht gleich weitergegeben. Man will sich zuvor vergewissern. In einer sich zuspitzenden Situation kann das tödlich sein. Das ist die erste Phase des Weichspülens. So hat der Empfänger der nächsten Informationsinstanz einen in Teilen anderen Bericht. Sie lassen auch politisch für die Reisewarnung und sonstigen Empfehlungen inopportune Feststellungen weg. Vor der Weitergabe an andere Regierungsstellen wird dann noch einmal geschaut, ob etwas so weitergegeben werden sollte oder nicht. Wie beim Spiel „Stille Post“ kommt am Ende manchmal eine völlig andere Situationsbeurteilung heraus und was das Perfide ist: Quelle ist ein einzelner Reisender. Seine Erkenntnisse finden sich manchmal in sechs wesentlich verschiedenen Passagen in den weitergereichten und immer wieder opportun redigierten Berichten. Kein Wunder, wenn es Überraschungen gibt und manchmal Katastrophen.

Bei den folgenden Betrachtungen geht es weniger um die höflichen Umgangsformen der Monteure oder Ingenieure bei ihrer täglichen Arbeit auf einer Baustelle – wie sie dem einen oder anderen vielleicht aus der NDR2-Hörfunk-Comedyserie „Stenkefeld“ mit der Episode „Sprachkurs für Großbaustellen“ bekannt sind -, sondern vielmehr um die technische Realisierung einer Echtzeitkommunikation unter-einander an verschiedenen Stellen im Gebäude:

Stellen Sie sich vor, dass sich ein Team von mehreren Personen an drei unterschiedlichen Standorten in einem Neubau eines Rechenzentrums befindet und diese miteinander in Echtzeit kommunizieren müssen. Dabei handelt es sich um ein Szenario, das bei den heute immer mehr in den Vordergrund tretenden Integrationstests durchaus vorkommt. Nehmen wir als einfaches Beispiel ein Testszenario, bei dem überprüft werden soll, ob eine bestimmte Wärmelast im Serverraum durch die Klimatechnik abgeführt wird, und zwar von der redundanten Kältemaschine bei Ausfall einer primären Kältemaschine. Für eine durchdachte Testbeobachtung und Verfolgung sind dazu mindestens drei Standorte im Gebäude zu besetzen:

  • Die eine Fraktion befindet sich im Erdgeschoss des mehrgeschossigen RZ-Gebäudes, in der sich der Serverraum befindet und kon-trolliert über die gesamte Testdauer, ob alle Lastbänke (z. B. Heizlüfter in den Warmgängen) richtig aufgestellt und in Funktion sind.
  • Ein anderer Teil des Testteams befindet sich auf dem Dach des Gebäudes, wo sich die Kältemaschinen befinden, und beobachtet das Anlagenverhalten vor Ort.
  • Ein weiteres Team schaut sich im Untergeschoss des Gebäudes in einem MSR-Raum das Anlagenverhalten inklusive der Betriebs- werte auf einem GLT- (Gebäudeleittechnik) Rechner an.

Gerade bei solchen Redundanztests ist ein Informationsaustausch in Echtzeit gefragt, weil neben der Umschaltung der Kältemaschinen auch die Temperaturverläufe im Kaltwassersystem, aber auch in den Serverräumen, mitkontrolliert werden müssen. Vor allem aber müssen auch die entsprechenden Stör- und Alarmmeldungen auf der Gebäudeleittechnik zur Realität passen. Da kann man nicht den Lehrling als Boten durch das Haus schicken, um den Informationsaustausch zu gewährleisten, sondern benötigt eine verbindungssichere Kommunikation, beispielsweise über Mobiltelefon oder Funkgeräte. Früher gab es noch Festnetz im Gebäude, über das eine solche Kommunikation sicher und stabil zu gewährleisten wäre, die aber heute mehr und mehr in den Hintergrund tritt und somit nicht anzutreffen ist.

Das Problem einer stabilen Kommunikation über mobile Geräte liegt in der Baukonstruktion vieler Neubauten, die neben dem Beton vor allem aber durch den eingebrachten Stahl als Bewährung im Beton die Funkwellen nicht ungehindert passieren lassen, sondern behindern. Das kann zum einen bedeuten, dass überhaupt kein Netz im Keller vorhanden ist, oder dass die Sprachverständlichkeit auf der Empfängerseite stark eingeschränkt ist. Auch der hohe Wasseranteil der noch nicht vollständig getrockneten Betonwände und -decken im Neubau wirkt sich negativ auf die Funkwellenausbreitung aus.

Manche Monteure auf der Baustelle entwickeln dazu gute Ideen, indem sie mobile Hotspots mit ihren Handys aufbauen, um so die Möglichkeit sicherzustellen, mit der Außenwelt zu kommunizieren.

Diese Idee lässt sich sicher auch ein wenig professioneller umsetzen, indem man in einer relativ frühen Bauphase, zumindest vor den Inbetriebnahmen der Hauptgewerke, ein stabiles WLAN im Gebäude über alle Geschosse aufbaut. Eine professionelle Wireless-LAN-Infrastruktur mit einer der Gebäudestruktur angepassten Anzahl von WLAN-Access-Points bildet nur eine Möglichkeit eines stabilen WLAN ab.

Die Kommunikation mit dann nur noch einem Medium, nämlich dem Handy, ist dann zumindest realisierbar. Denn je nach Mobilfunkstandard, ob GSM, LTE oder UMTS in Verbindung mit der WLAN-Ausleuchtung im Gebäude, stehen verschiedene Frequenzen zur Verfügung, die je nach Standort auch unterschiedlich funktionieren. Kommunikationslücken verursachen Qualitätsverluste, egal, wer mit wem zu welchem Zeitpunkt miteinander auf der Baustelle kommunizieren muss. Ein stabiles Netz, zum Beispiel über WLAN, kann die Arbeit erleichtern und trägt somit zu einer Qualitätssteigerung bei.

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