Bei der Umsetzung von Sicherheitskonzepten werden viele unterschiedliche technische Systeme eingesetzt, um den vielen individuellen Risiken entgegenzuwirken. Bei der Vielfalt von Systemen, wie Einbruchmeldeanlage, Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Brandmeldeanlage und weiteren, die im Rahmen einer ganzheitlichen Lösung eingesetzt werden, verliert man hier gerne einmal den Überblick. Deshalb ist es ratsam, ein System einzusetzen, das die Bedienung und Steuerung der Anlagen bündelt, aufbereitet und vereinheitlicht: das Gefahrenmanagementsystem (kurz: GMS, manchmal auch als Alarm- oder Sicherheitsmanagementsystem bezeichnet).
Dieses System kommuniziert mit den angeschlossenen Anlagen über Schnittstellen und tauscht Meldungen und Steuerbefehle aus. Hierdurch können Gefahrenmanagementsysteme automatisch auf Bedrohungen und Ereignisse reagieren, indem sie beispielsweise Alarmgeber auslösen, Sicherheitsmaßnahmen einleiten oder Notfallteams benachrichtigen.
Problem
Doch gerade beim Thema Schnittstellen zu Gefahrenmanagementsystemen können jedoch auch Herausforderungen auftreten. Eine besteht darin, dass die Integration von verschiedenen Sicherheitstechnologien und -maßnahmen in einem Gefahrenmanagementsystem oft eine komplexe Aufgabe ist. Es erfordert eine umfassende Planung und Koordination sowie spezielle Schnittstellen und Protokolle, die eine nahtlose Integration und Interaktion zwischen verschiedenen Technologien ermöglichen.
Und hier gibt es, insbesondere bei der Zusammenführung vieler unterschiedlicher Systemanbieter, viele Hürden, die bei der Implementierung auftreten können. Nur weil eine Subsystem-Zentrale eine Integration in ein IP-Netzwerk ermöglicht, heißt das noch lange nicht, dass hierüber auch mit anderen Systemen kommuniziert werden kann. Die von den Subsystemen angebotenen Schnittstellen sind hier sehr unterschiedlich und oft kommt man zu der Erkenntnis, dass die gewünschte Funktionalität nur über sogenannte „potentialfreie Kontakte“ (der Begriff hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag) oder schlimmer noch über den Austausch der gesamten Zentrale abgebildet werden kann.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass Gefahrenmanagementsysteme ihrerseits oft mit anderen Systemen wie Gebäudeautomationssystemen oder IT-Netzwerken verknüpft werden müssen.
Maßnahmen
- Denken Sie das Gefahrenmanagementsystem bereits bei der Implementierung von Sicherheitssystemen mit und beziehen Sie die möglichen Optionen für Schnittstellen eines Sicherheitssystems in die Vergabeentscheidung mit ein.
- Wählen Sie ein Gefahrenmanagementsystem, das bereits eine Vielzahl an Schnittstellenausführungen beherrscht.
- Definieren Sie klare Anforderungen:
Beginnen Sie damit, Leistungsmerkmale für die Schnittstellen zwischen dem Gefahrenmanagementsystem und den Subsystemen zu definieren. Diese sollten die Funktion, die Art der Daten sowie ggf. Bestandssysteme beschreiben und im besten Fall die Möglichkeiten der Schnittstellenausbildung beinhalten. - Informieren Sie sich im Vorfeld von Ausschreibungen von Gefahrenmanagementsystemen über die Machbarkeit und Umsetzung der Schnittstellen bei den zu implementierenden Bestandsystemen. Diese Informationen helfen den Bietern bei der Angebotserstellung und schaffen eine gemeinsame Informationsbasis. Zudem wird die Wahrscheinlichkeit und Anzahl von verwertbaren Angeboten erhöht.
- Scheuen Sie nicht davor zurück, in die Anbindung von Subsystemen zu investieren. Der Mehrwert eines vollumfänglichen und voll integrierten Gefahrenmanagementsystems sollte nicht unterschätzt werden.
- Um Kosten und ggf. komplexe Schnittstellen zu sparen, können auch Signale von Subsystemen über bereits bestehende Schnittstellen geführt werden, z. B. über eine installierte Gebäudeleittechnik.
Insgesamt sind Schnittstellen zu Gefahrenmanagementsystemen ein wichtiger Aspekt bei der Integration von verschiedenen Sicherheitstechnologien und -maßnahmen in einem umfassenden Sicherheitskonzept. Die Verwendung von gut integrierten Gefahrenmanagementsystemen kann dazu beitragen, die Sicherheit zu verbessern und die Reaktionszeit auf Bedrohungen zu verkürzen.
Der Verband für Sicherheitstechnik e. V. bietet übrigens auf www.vfs-hh.de (Kurzlink https://bit.ly/3xX9xyo) ein 24-seitiges „Handbuch Gefahrenmanagement-Systeme (GMS)“ zum kostenlosen Download an.

