sicherheits-berater
Close

Login

Wenn Sie sich hier zum ersten Mal seit dem 09.02.2024 anmelden wollen, nutzen Sie bitte die "Passwort vergessen"-Funktion.

Noch kein Abonnent? Hier geht es zu unseren Angeboten.
Close

Passwort vergessen

Close

Gastregistrierung

Mit Ihrer Registrierung erhalten Sie für 4 Wochen kostenlos und unverbindlich Zugriff auf unsere Inhalte.

Interpretationswürdiges AMOK-Konzept an Schulen

Ausgabe 7/2023
  |  
  |  
Ausgabe 7/2023
  |  

Neulich schickte uns die Firma KEVOX eine Pressemitteilung, mit der sie auf einen auf ihrer Webseite veröffentlichten Blog aufmerk-sam machte. Darin ging es um „Sinn und Unsinn vom Amokkonzept in Schulen“ (blog.kevox.de, Kurzlink https://bit.ly/3T5lL1G). Bei der Lektüre stolperten wir sogleich unter der Überschrift „Sinn und Unsinn – ein Fazit“ über die folgende Aussage:

„Festzuhalten ist, dass ein Amokkonzept für Schulen de jure nicht dazu gedacht ist, die Schüler zu schützen. Vielmehr ist die gesetzliche Grundlage nur der Schutz der Mitarbeiter (Lehrkräfte) aus dem Arbeitsschutz heraus vorrangiges Ziel eines solchen Konzeptes.“ (Fettdruck aus dem Original übernommen)

Zu dieser Art der Bewertung eines Amokschutzkonzeptes: Die in dem genannten Beitrag getroffenen Aussagen sind konzeptionell betrachtet sehr gefährlich. Hier wird eindeutig unterstellt, dass ein solches Konzept nur zur Beruhigung des Betreibers, Unternehmers bzw. der Schulleitung erstellt wird und man seinen Dokumentationspflichten (Arbeitsschutz) nachkommen soll. Man sieht eigentlich keinen Sinn für das Betreiben des Aufwandes, weil sich ein solches Ereignis ohnehin nicht verhindern lässt.
Eigentlich wäre hier eine Abmahnung aus fachlicher Sicht gerechtfertigt, da

  • der Zweck und die Notwendigkeit für eine solche Konzeptarbeit missverstanden wird. In einer Gefährdungsbeurteilung können standortbezogen Risiken ermittelt und aus diesen konkreten Schutzziele und im Weiteren detaillierte Maßnahmen entwickelt werden.
  • es nicht verstanden wird, dass die Maßnahmen nicht einer bestimmten Personengruppe gelten, sondern ganzheitlich den Fokus haben, dass bei Auftreten eines solchen Ereignisses entsprechende bauliche, technische und organisatorische Schutzmaßnahmen und Prozesse greifen. Aus eigener Erfahrung kann der Autor davon berichten, dass durch das vorliegende Amokkonzept an einer brandenburgischen Grundschule frühzeitig ein beginnender Amoklauf erkannt und beendet werden konnte.
  • Man darf nicht vergessen: Ein Amoklauf ist in der Wahrnehmung der Täter der letzte Ausweg aus einer misslichen Situation. Davor zeigen sie eine Reihe an Verhaltensweisen, mit denen sie auf ihre Absicht aufmerksam machen. Dieser Weg kann am Ende zu Gewalt führen, auch weil andere Handlungsalternativen nicht mehr gegeben sind.

Deshalb ist nach meiner Ansicht ein Amok- bzw. Evakuierungskonzept immer sinnvoll, wenn folgende Punkte (neben der vorgelagerten Risikobetrachtung) betrachtet werden:

  • Wie soll der Alarm ausgelöst werden (eingesetzte Technik und Medien, Standorte, Ausleuchtung usw.)?
  • Anpassung an die örtliche Situation, um bei Alarmauslösung Falsch- und Fehlalarme möglichst zu vermeiden
  • Alarmaufschaltung, Alarmkette, Verfügbarkeit, Empfang usw. müssen im Detail geklärt und beschrieben sein.
  • Beschreibung der Sofortmaßnahmen (Was ist konkret zu tun?)
  • Verhaltensanweisungen festlegen und überprüfen (Durchsagen, Codierung Meldungen, Warntexte, usw.)
  • Entsprechende Lautstärke („stille Alarmierung“) sowie Sprachverständlichkeit sicherstellen
  • Sicherstellung der externen Kommunikation bereits während der Anfahrt der Polizei bzw. Spezialkräfte
  • Festlegung der Treffpunkte
  • regelmäßige Ein- und Unterweisungen
  • Festlegung der Führungsverantwortungen bei Polizei, Schule, Unternehmen, Behörde
  • Festlegen von möglichen Maßnahmen zur Deeskalation und deren Training
  • regelmäßige Schulungen im Ablauf zur Bewältigung einer Krisensituation
  • Umgang mit Social Media und Medien
  • Trainings-/Schulungsprogramm
  • Verantwortung für den Betrieb/Aufrechterhaltung des Amok- und Evakuierungskonzepts

Fazit

Daraus wird ersichtlich, dass es nicht ausschließlich darum geht zu definieren, was zu tun ist, wenn eine bewaffnete Person im Gebäude ist bzw. wenn Schüsse zu hören sind, sondern das regelmäßige Einübungen dieses Wissen ergänzt.

Und hier die abschließende Empfehlung: Suchen Sie sich Fachleute, deren vorrangiges Ziel ist, Sie schutzzielorientiert und ganzheitlich zu beraten und mit Ihnen gemeinsam ein zukunftssicheres Konzept zu erarbeiten, das durchaus im Laufe der Zeit risikoorientiert anzupassen ist.

Aus der Redaktion

Meist gelesen

Anzeige
SIMEDIA Themenbereich Rechenzentren

Schwerpunkte

Login

Noch kein Abonnent? Hier geht es zu unseren Angeboten.