Vor der letzten Security Essen im Jahr 2018 hatten wir Redaktionskolleginnen und -kollegen des Sicherheits-Berater nach ihren Erwartungen an die Messe befragt. Herausgekommen waren damals unter anderem wertvolle Tipps aus Beratermund – die Redaktion rekrutiert sich ja vorzugsweise aus Spezialisten der von zur Mühlen’sche Sicherheitsberatung. Auch dieses Mal möchten wir nachfolgend ein paar Statements abdrucken zur Erwartungshaltung der Kollegen aus der Sicherheitsberatung bzw. Redaktion. Dabei bietet sich zudem eine gute Gelegenheit, Ihnen auch unsere neuen Redaktionsmitglieder vorzustellen.
Angebot an unsere Leser
Früher als Leitmesse zu den Sicherheitsthemen etabliert scheint diese Leistungsschau heute eher zu einem regionalen Netzwerktreffen aller in der Branche Tätigen zu sein. Natürlich werde ich bei allen Ausstellern nach interessanten Lösungen suchen. Und wenn neben Vertriebsambitionen die Fachkompetenz gegeben ist, gerne in Fachgespräche und Diskussionen gehen, um darüber Hersteller, Errichter und Planer dazu zu bringen, kunden- und bedarfsgerechte Lösungen unter den aktuellen technischen Entwicklungen (z. B. Digitalisierung, IP-Technologien, Brandschutz, Vertraulichkeit und Wirtschaftlichkeit) anzustoßen. Dass dies funktioniert, zeigen mir Beispiele vergangener Messen.
Neben der eigenen Weiterbildung und dem Netzwerken möchte ich im Jubiläumsjahr unseres Beratungs- und Planungsunternehmens VZM GmbH interessierten Besuchern, ausgehend gerne von unserem Messestand 8C19 in Halle 8, in den fachlichen Bereichen der baulichen und technischen Sicherheit Lösungen verschiedener Anbieter zeigen und sie dabei, auf Grund jahrelanger Erfahrungen, auf die Besonderheiten, Schwierigkeiten, aber auch diversen Vor- und Nachteile bei Umsetzung und Betrieb hinweisen.
Und ich werde meinem Hobby nachgehen: Mal schauen, wie sich die Sicherheits- und Gebäudetechnik rund um das Thema Türen aktuell entwickelt. Einiges Interessantes gibt es, das weiß ich aus diversen Vorgesprächen zur Messe!
: : : Rochus Zalud : : :
Tiefergehende fachliche Fragestellungen
Als Berater mit Schwerpunkten wie Leitstellen, Informationssicherheit und Zutrittskontrollsystemen wird mein Besuchsschwerpunkt hauptsächlich bei letzterem Thema sein. Wurde vor ca. 10 Jahren auf der Security NFC (Near Field Communication) als das neue Must-have in der Zutrittskontrolle angepriesen, wurde nach einer gewissen Ernüchterung, unter anderem da Apple die NFC-Technologie sehr lange verweigerte, auf Bluetooth als Standard zur Nahfeldkommunikation bei Mobile Access gesetzt. Zutrittskontrolltechnologien mit BLE (Bluetooth Low Energy) wurden auf der Security 2014 und 2016 präsentiert. Mobile Access wird inzwischen von nahezu allen Herstellern unterstützt, inzwischen auch gerne in Verbindung mit Software-as-a-Service, also der Zutrittskontrollanwendung in der Cloud.
Elektronische Zutrittskontrollanlagen mit ihren erforderlichen Anforderungen, wie sie auch normativ in der DIN EN 60839-11 beschrieben sind, können alle entsprechenden Hersteller präsentieren. Meine Erwartungshaltung betrifft tiefergehende fachliche Fragestellungen hinsichtlich State-of-the-Art-Verschlüsselung über alle Übertragungsstationen und zu allen Endpunkten, offener, nicht-proprietärer Standards zum Datenaustausch mit Drittanwendungen, Normungsentwicklungen zur Zutrittskontrolle wie Webservices, OSDP OSS-SO und deren Interaktion miteinander.
Darüber hinaus bin ich interessiert an weiteren Entwicklungen im Bereich der RFID-Chiptechnologien auch hinsichtlich Lösungen, um eine smarte Migration von alt nach neu zu gewährleisten und natürlich einer sicheren Erzeugung und Verwaltung der Anlagenschlüssel. Hinzu kommt dann das Thema der Informationssicherheit, also einer sicheren Installation und Konfiguration der Zutrittskontrollanlage in seiner Gesamtheit inkl. Konzepten für IT-Betriebsprozesse à la ITIL, Fernwartung, konkreter Ausführung von Cloud-Lösungen im Hinblick auf Informationssicherheit und Datenschutz auch für Kritische Infrastrukturen.
: : : Lutz Rossa : : :
Messe als Fernrohr in die Zukunft?
Der persönliche Austausch kam in den letzten Jahren bekannterweise an vielen Stellen zu kurz. Schön wird es deshalb sicher sein, den Kontakt zu pflegen, Meinungen und Aussagen aufzunehmen und zu diskutieren.
Seit Anfang des Jahres schwebt, neben Corona, ein weiteres Schreckgespenst auch über der Sicherheitsbranche. Der Ukrainekrieg sorgt nicht nur für Verunsicherung, sondern tangiert uns im täglichen und auch im Geschäftsleben doch an vielen Stellen spürbar. Noch können wir bei VZM keine nennenswerten Einschränkungen ausmachen. Auch wenn das eine oder andere Projekt wegen Ukraine von den Auftraggebern eingestellt oder in die Warteschleife gegeben wurde, die Auftragslage kann es gut kompensieren. Aber wird das so bleiben? Wie sehen es die anderen Unternehmen, die Produkte und Leistungen für Sicherheitsanwendungen entwickeln, auf den Markt bringen und implementieren? Wie sehen es die möglichen Auftraggeber? Hier erhoffe ich Meinungsbilder und Einschätzungen für die kommende Zeit, die meine persönliche Einstellung entweder stützt oder vielleicht auch korrigiert. Und wenn Sie nach meiner derzeitigen Meinung fragen: Noch bin ich vorsichtig optimistisch, dass wir alle mit einem blauen Auge davonkommen. Aber wie fragil die Zusammenhänge und Abhängigkeiten sind, bekommen wir ja jeden Tag mehr als deutlich vor Augen.
Und eine andere, viel konkretere Erwartung geht in Richtung meines Lieblingsthemas, den Leitstellen- und Zentralensystemen. Hier freue ich mich auf Anwendungen und Produkte, egal ob neu oder schon bekannt. Auf Funktionen für eine Unterstützung eines Leitstellenbetriebs kommt es an. Zauberworte würde ich mit Automation und Workflows sehen und, was immer noch viel zu kurz kommt: Software- und Anwenderergonomie im Gefahrenmanagement. Hier freue ich mich über jeden verbesserten und gelungenen Ansatz.
: : : Peter Loibl : : :
Mit den Augen des Ausstellers und RZ-Fachmanns
Meine Erwartungshaltung hat sich im Gegensatz zur Vorveranstaltung erheblich verändert, mittlerweile verantworte ich als Prokurist der VZM GmbH intern wie extern das strategische Geschäftsfeld Rechenzentren und Data Center. Und so habe ich die Aufgabe, unsere Konzepte und Lösungen am Messestand unseres Unternehmens (Halle 8, Stand C19) als Ansprechpartner zu präsentieren.
Doch was haben Rechenzentren eigentlich mit der SECURITY zu tun? Ganz einfach: Hochverfügbarkeit für Rechenzentren bedeutet neben „Strom und Klima“ eben auch durchdachte Lösungen der baulichen, technischen und organisatorischen Sicherheit. Diese Technologien müssen nicht nur fach- und vielfach auch normengerecht konzipiert, geplant und installiert werden, sie müssen auch sehr konsequent und granular auf die komplexen Prozesse des IT-Betriebes hin ausgerichtet sein. Rechenzentren sind keine statischen Gebilde, die aufgebaut, eingeschaltet und als Black Box betrieben werden. Eher sind ein ständiger Wandel der IT-Ausstattung sowie das Betreuen und Instandhalten der technischen Anlagen an der Tagesordnung.
Ein Sicherheitskonzept muss diese Belange stets berücksichtigen und so umgesetzt sein, dass es bei den Betroffenen ein hohes Maß an Akzeptanz erzeugt. Wäre dies nicht der Fall, bestünde die Gefahr, dass Maßnahmen unterlaufen werden. Dies wäre für einen sensiblen IT-Betrieb nicht akzeptabel. Insofern ist es meine Mission, praxistaugliche und pragmatische Wege aufzuzeigen, wie ein angemessenes, verhältnismäßiges Maß an Sicherheit aussehen kann. Und im Security Experts Forum in Halle 6 darf ich am Dienstag, den 20.9., um 13:00 Uhr in einem Vortrag erläutern, was den Prozess der Sicherheit ausmacht.
: : : Jörg Schulz : : :
Fokus auf die Sicherheit von Operational Technology
Vor allem erwarte ich von der Security nach der unangenehmen Covid-Pause, wieder live mit Menschen zu reden, statt Mails zu schicken oder in die Teams-Kamera zu blicken. Oft ist das wesentliche Ergebnis einer Messe, einen Menschen bei einem Aussteller kennengelernt zu haben, den man auch lange danach noch anrufen kann, einfach weil die „Wellenlänge stimmt“.
Warum besuche ich die Security Essen 2022? Um den Stand der Digitalisierung zu betrachten. Ich werde nach allem schauen, was nach „Operational Technology“ (OT) aussieht. Jedes Gerät, das der Sicherheit dienen soll oder für die Sicherheit relevant sein könnte und das über einen IP-Netzwerkanschluss verfügt, verdient einen kritischen Blick. Genauso wichtig wie Funktionalität des Geräts werden Fragen zur IT-Betriebsführung dieses Geräts: Wie kann man eine sichere Konfiguration herstellen? Welche Aussagen macht der Anbieter zur Unterstützung der Software und der Produktlinie insgesamt? Lassen sich bei Bedarf Patches einspielen und wie erfährt der Kunde davon, dass das nötig ist? Wie werden relevante Daten gesichert und wie kann man die Sicherung wieder einspielen?
Diese und weitere Fragen ergeben sich, weil Geräte, die früher einfach Gebäude- oder Sicherheitstechnik waren, nun auch unter dem Blick der IT-Betriebsführung betrachtet werden müssen.
: : : Werner Metterhausen : : :
Auf der Suche nach BIM-Neuheiten
Die Anwendung der BIM-Methode (Building Information Modeling) stellt eine Digitalisierung und wesentliche Verbesserung dar, die nicht allein die technischen Sicherheitsplanung, sondern gewerkeübergreifend viele weitere Planungsaspekte erheblich optimiert: Erhöhung der Planungsqualität, Erhöhung der Ausführungsqualität, Kostensicherheit, Terminsicherheit und Betriebssicherheit. Vgl. hierzu auch meinen Beitrag weiter hinten. Wir bieten derzeit wohl als einziges Unternehmen unseres Tätigkeitsspektrums BIM in der Sicherheits- und Türenplanung sowie im Bereich der Qualitätssicherung an. Somit erwarte ich von einem Besuch der Messe in Essen natürlich, dass neue innovative BIM-Anwendungsfälle präsentiert werden, die wir uns anschauen können. Dies erhoffe ich mir durch Ingenieur-/Planungsbüros, aber auch von Software-Herstellern und Errichtern. Mal schauen, mit welchen Neuheiten man konfrontiert wird. Dormakaba ist hier in der Vergangenheit sehr innovativ gewesen. Ich bin gespannt, ob ich diesmal wieder mit einer Neuheit überrascht werde.
: : : Marc Reuter : : :
Sicherheit als Planungsgrundlage
„Form folgt Funktion“ ist ein Designleitsatz aus der Architektur. Das Gebäude muss die Bedürfnisse des Benutzers erfüllen und den Benutzer vor Sicherheitsrisiken und kriminellen Handlungen schützen. Als Architekten kümmern wir uns oft um den ästhetischen und funktionalen Aspekt für die architektonischen Elemente. Das Interesse besteht oft nur an bestimmten Dimensionen oder verwendeten Materialien. Selbstverständlich muss man aber auch auf das Sicherheitsniveau achten. Meine Vorstellung von der Security in Essen formuliere ich als meinen Anspruch, dort die Verbindung zwischen Planung und Sicherheit sozusagen fühlen und körperlich spüren zu können. Ich möchte alle potenziellen Risiken von Feuer oder Diebstahl für die Gebäude sehen und wissen, wie man damit technisch umgeht. Ich erwarte von der Security, dass ich einige architektonische Elemente, z. B. Türen, tatsächlich auch als Sicherheitselemente wahrnehmen kann und mich in die technischen Details vertiefen kann.
: : : Shaden Abu Amrieh : : :
Von der letzten Uni-Vorlesung zur ersten Security Messe
Im Verlauf des Architekturstudiums habe ich viele Modelle gebaut, was zum einen dem besseren Verständnis des Rezipienten diente, der sonst nur auf einen zweidimensional dargestellten Plan angewiesen gewesen wäre. Zum anderen half das Modell auch mir, die Umsetzbarkeit realistischer überprüfen zu können. Mir hat es für den weiteren Verlauf und zukünftige Planungen immer sehr geholfen, die entworfenen Sachen als Greifbares zu betrachten. Meine Erwartungen an die Security Essen 2022 sind im Prinzip vergleichbar mit denen an ein 3D-Modell. Ich begegne ihr mit großer Neugier und dem Ziel, dort so viel wie möglich aufzunehmen.
: : : Jens Solino : : :
Mein erster Messebesuch
Seit ich bei VZM als Werkstudent arbeite, lerne ich regelmäßig neue Aspekte der Sicherheitstechnik kennen und eigne mir Wissen über entsprechende Technologien an. Dieses Wissen hoffe ich auf der Messe vertiefen zu können, indem man verschiedene aktuelle Produkte sieht, erklärt bekommt, einmal in die Hand nehmen darf oder vorgeführt bekommt. Idealerweise erhoffe ich mir einen Bogen von den Produkten zu den Aufgabenstellungen, denen man im Geschäftsbetrieb begegnet, ziehen zu können, um einen guten Überblick zu bekommen. Nicht jedes Produkt, das auf einer Messe vorgestellt wird, setzt sich später auch im Markt durch. Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, vertraue ich auf das Know-how meiner Kollegen.
: : : Reinhard Sabow : : :
Die Luft der Branche atmen
Als Erstbesucher der Security Essen – DER Leitmesse der Sicherheitsbranche – erwarte ich einen generellen, punktuell aber auch konkreten Einblick zu erhalten, welche der Themen auf dem Gebiet der Unternehmenssicherheit aktuell eine relevante und welche eine eher untergeordnete Rolle spielen. Welche grundsätzlichen Abgrenzungen werden gezogen, was gilt als Nische, welche Besonderheiten und vor allem welche Standards haben sich etabliert? Wer bietet welche Produkte und Dienstleistungen an, und welche Trends und Innovationen bestimmen den Markt? Im Hinblick auf mein Tagesgeschäft ist allem voran jedoch die Vernetzung mit Ansprechpartnern und Spezialisten von Unternehmen, Behörden sowie sonstigen Organisationen von besonderer Bedeutung. Nicht zuletzt dient mein Messebesuch zudem dazu, Weiterbildungbedarfe zu identifizieren, Ideen aufzugreifen und ein Gefühl zu entwickeln, welches die kommenden Trends der Branche sein werden. All diese Punkte auf einen Nenner gebracht: Ich möchte die „Luft der Branche atmen“ und dabei meinen Horizont im Bereich der Unternehmenssicherheit stetig erweitern.
: : : Denis Niederle : : :
Ich erwarte ein gut vorbereitetes Publikum
Meine Erwartungen sind zum einen emotional und zum anderen kritisch-sachlich – eben weil ich auch ein emotionales Verhältnis zur Messe in Essen habe: 1974 begann die Geschichte dieser Veranstaltung. Sie hieß damals fälschlich SAFETY statt SECURITY. Ich hatte mich mit dem zutreffenderen Namen nicht durchgesetzt, da er in der Budgetplanung und den Markterkundungen schon verwendet worden war. Ich konzipierte damals ein Papier für die Akquisition der Aussteller mit dem Schwerpunkt von Ansätzen zu Systemlösungen. Das wurde von einigen auch erfolgreich aufgegriffen.
Die SECURITY 2022 wird sich von der damaligen Messe stark unterscheiden. Das Anbieten von Systemlösungen ist seit Jahren selbstverständlich und ebenso die Besuchererwartung, Antworten auf komplexe Frage- und Problemstellungen zu erhalten. Corona und eine etwas unglückliche Kommunikationspolitik haben die Ausstellerzahl gewaltig schrumpfen lassen. Daran hängt meine Erwartung. Die Messe wird für die Besucher übersichtlicher sein und die Anwesenheit der Besucher wird sich wohl auf einen Tag beschränken. Sie werden sich gut vorbereiten und mit komplexen Fragestellungen die Aussteller an den Ständen besuchen. Sie werden sich Fragelisten machen und diese vergleichend abarbeiten. Das heißt, dass sie mehreren Anbietern Fragen stellen und sich bestimmte Lösungen erklären lassen. Sie werden sich mit Kollegen dann abstimmen und Lücken oder erst jetzt festzustellende Klärungsbedarfe bei kurzen Wiederholungsbesuchen oder auch später von zu Hause aus nachrecherchieren.
Ich erwarte also sehr intensive Gespräche auf hohem Niveau. Dafür kann es gut sein, dass die Messe kleiner geworden sein wird. Hoffentlich machen die Aussteller keine Fehler in der Standbesetzung und sind mit qualifizierten Beratern und Planern anwesend. Alles andere wäre suizidär.
Leider gibt es keine Eröffnungsveranstaltung am Vorabend mit Verleihung des SECURITY Award. Der anschließende Empfang mit Imbiss war immer eine erste und sehr fruchtbare Kennenlernbörse und ein Wiedersehen. Die Awards waren oft Gesprächsthema, zeigten sie doch häufig Entwicklungstrends auf. Warten wir es ab!
: : : Rainer von zur Mühlen : : :

