Boomende Spionage
Spionage boomt mehr als im Kalten Krieg vor 1989. Wenn man sich mit Leuten unterhält, die Spionage nur aus dem Fernsehen oder der Krimiliteratur kennen, dann ist man über deren Naivität erstaunt. Die meisten Deutschen halten das Thema für maßlos überzogen und verweisen es in die Kategorie Märchen und Übertreibung, bestenfalls in den längst in Vergessenheit geratenen Kalten Krieg.
Russische Drohnen
Dass von Drohneneinsätzen an Flughäfen, im Umfeld von Bundeswehrübungsplätzen oder im Kasernenumfeld auch in Tageszeitungen berichtet wird, dass offensichtlich mittels Drohnen Spionage betrieben wurde und wird, erscheint unglaubwürdig. Ist es aber nicht. Es gelang, einige Drohnen zu fotografieren und die Hersteller zu identifizieren. Oft handelte es sich um Geräte, die entweder für Ausforschungszwecke professionell umgerüstet wurden oder um Drohnen, die von China nach Russland exportiert worden sind. Für den zivilen Markt sind sie jedenfalls nicht geliefert worden. Auch sind sie erkennbar an den Funkfrequenzen, die sie nutzen.
Entschlossene Außenministerin
Diese Beobachtungen haben aber signifikant abgenommen. Die Abnahme erklärt sich jedoch nicht durch einen Rückgang des Interesses vor allem Russlands, sondern durch die Tatsache, dass Annalena Baerbock auf die Ausweisungen Deutscher aus Russland entschlossen reagiert hat. Sie hat die Schließung von vier der fünf Konsulate angeordnet. Damit brechen dem russischen Auslandsnachrichtendienst die Zugriffsmöglichkeiten einiger Agenten mit Diplomatenpass weg. Bundesnachrichtendienst und Bundesamt für Verfassungsschutz berichten aber über alternative Bemühungen, die entstehende Lücke wieder auszugleichen:
GPS-Tracker
Man glaubt es kaum, aber für die Russen besteht ein großes Interesse an den Hilfslieferungen aus Deutschland an die Ukraine. Russland will wissen, wo medizinische Transporte, aber auch Altkleidersammlungen, hingehen. Anfangs haben sie versucht – und auch erfolgreich realisiert – die Lkw der Freiwilligenorganisationen, die Hilfsgüter in die Ukraine schickten, zu präparieren. So wie man es aus Krimis kennt, wurden die Lkw, die die Hilfsorganisationen anmieteten, mit GPS-Trackern ausgestattet, um die Fahrstrecken der Lkw verfolgen zu können. Die Fahrzeuge stehen vorab oft unbewacht und das schnelle Anbringen des Trackers mittels eines Magneten ist leicht zu bewerkstelligen.
Mordopfer in der Ukraine
Russische Agenten haben aber auch Transponder und mikrominiaturisierte Funkgeräte in Altkleider eingenäht. Dazu mussten sie nicht einmal die Kleiderspenden anderer Leute manipulieren oder in Sammelstellen einbrechen: Sie haben derart präparierte Kleidungsstücke einfach bei den Sammelstellen als „Spende“ abgegeben. Im Ergebnis konnten sie dadurch den Weg zu den Sammel- und Verteilstellen in der Ukraine verfolgen und aufzeichnen, wo die Fahrer und ihre Begleiter Rast zu machen pflegen und wieviel Zeit die Grenzkontrollen in Anspruch nahmen, wo sich die Sammelstellen befanden und wie der Weitertransport, teilweise bis zur Front, stattfindet. Sie konnten viele Angriffe in Mordabsicht im Umfeld der ukrainischen Stadt Lwiw optimieren. Die-se wurde dann Ziel ihrer Raketen- und Drohnenangriffe, denn die Minigeräte sendeten die Koordinaten.
Medizinisches Ersthilfematerial wurde offensichtlich ebenfalls präpariert, um die Sanitätsstellen zur Rettung Verwundeter ausfindig zu machen, in deren Nähe sich auch häufig Kommandostellen und andere militärische Einrichtungen befanden. Verwendet wurden Sender, die den Ladendiebstahlstechniken sehr ähnlich sehen, die flach sind und nicht auffallen.
Ohne diese soeben dargestellten Hintergrundinformationen stellen sich solche Vorfälle dann in den deutschen Medien z. B. wie folgt dar (ungekürztes Originalzitat des ZDF-Liveblog auf www.zdf.de vom 10.07.2023, 21:55 Uhr):
Ukraine: Sieben Tote bei russischem Angriff auf Hilfszentrum
ZDF-Liveblog auf www.zdf.de vom 10.07.2023, 21:55 Uhr
Bei einem russischen Angriff auf ein Hilfszentrum im Süden der Ukraine sind ukrainischen Angaben zufolge sieben Menschen getötet worden. Drei Frauen im Alter von 43, 45 und 47 Jahren und ein 47-jähriger Mann seien sofort tot gewesen, erklärte der örtliche Gouverneur Jurij Malaschko in Online-Netzwerken. In den Trümmern seien später die Leichen von drei weiteren Verschütteten gefunden worden, erklärten die Rettungsdienste. Damit sei die Zahl der Getöteten “auf sieben gestiegen”. Das Hilfszentrum befand sich den Angaben zufolge in einem Wohngebiet in der Stadt Orichiw, die nahe der Front liegt. Malaschko sprach von einem “Kriegsverbrechen”.

