Der Sicherheits-Berater hat eine Leistungsschau besucht, die Ende November 2022 als Messeduo in Leipzig stattfand: die MUTEC, eine internationale Fachmesse für Museums- und Ausstellungstechnik und die parallel in der gleichen Ausstellungshalle stattfindende denkmal (beide Ausstellungen zusammen mit einem einzigen Ticket besuchbar), eine ebenfalls internationale Fachmesse für alle Themen des Denkmalschutzes. Er versprach sich dadurch selbstredend Antworten auf gewisse Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit Ausstellungen. Der Raub des Goldschatzes in Manching, der kurz vor der Veranstaltung zu beklagen war, unterstrich dieses An-sinnen des Sicherheits-Berater einmal mehr.
Im Gespräch mit einigen Ausstellern der MUTEC wurde schnell klar, dass das Thema „Sicherheit“ für diese natürlich nicht im Fokus steht bzw. dass die wenigen Firmen sich deplatziert und rückblickend betrachtet nach den Erfahrungen der ersten beiden Tage eher in der Denkmalschutzhalle platziert hätten. Mit dem geschulten Auge eines Sicherheitsberaters stieß man aber sehr wohl auf interessante sicherheitsaffine Aspekte. Mehrere Aussteller (auch bisher nicht bekannte Firmen) setzen sich z. B. mit dem Thema Härtung (Fenster, Verglasung) auseinander. Auch waren Hersteller und Errichter von sicherheitstechnischen Anlagen vertreten. Zudem wurden Forschungsprojekte vorgestellt.
Nach Angaben der Messeleitung erlebten die beiden Messen nach der pandemiebedingten Absage vor zwei Jahren ein gutes Come-back. Die 14. Auflage der europäischen Leitmesse denkmal und die parallel stattfindende MUTEC mit ihren 473 Ausstellern aus 17 Ländern freuten sich an drei Ausstellungtagen über insgesamt 12.800 Besucher.
Nachfolgend einige Aspekte, die sich bei den Gesprächen an den einzelnen Messeständen herauskristallisierten:
- Fenster und Verglasungen: Hier wurde man von der Fachkompetenz von Firmen wie der Holzmanufaktur Rottweil GmbH, der Sorpetaler Fensterbau GmbH, der Firma Schott AG mit ihren Restaurierungsgläsern bis hin zu Schüco Stahlsysteme Jansen positiv überrascht. Lösungen, die sowohl den Aspekten des Denkmalschutzes als auch den Sicherheitsanforderungen (bis zu RC3) gerecht werden, sind, wenn auch mit guter fachlicher Vorplanung und Detailberatung und Planung durch die Handwerksbetriebe, möglich.
- In diesem Zusammenhang war die Erkenntnis neu, dass Panzerfenster eben nicht Verglasungen für Banken und ähnlich sicherheitsrelevante Bereiche sind, sondern eine wegweisende Entwicklungsstufe auf dem Weg zu den heutigen Isolierglasfenstern waren. Einfach verglaste Fenster wurden beginnend Ende des 19. Jahrhundert raumseitig mit einer zweiten Scheibe zur Doppelverglasung mit weitgehend dichtem Scheibenzwischenraum erweitert. Bei Interesse: Es gibt ein Fachbuch „Das Schreinerbuch“ für die Baugewerbeschule in Karlsruhe, wo 1899 Theodor Krauth einen ersten umfassenden Beitrag zu dieser Konstruktion lieferte.
- Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) aus Karlsruhe beschäftigt sich im Rahmen eines Projektes mit dem Thema „Sensordatenmanagement“. Im Bereich des Informationsmanagement und Leittechnik (ILT) geht es darum, auf der Grundlage von Daten Entwicklungen präventiv zu erkennen und daraus Maßnahmen im Rahmen des Notfallmanagements unter anderem auch in Museen und kulturhistorisch wertvollen Umgebungen abzuleiten. Nachteil bisher: Es gibt eine geringe Bereitschaft, über gewerke- bzw. themenbezogene Schwerpunkte in der Praxis zusammenzuarbeiten. Hier (und das zeigten auch Gespräche mit anderen Anbietern von Sensoren und Software) werden in den nächsten Jahren sowohl unter dem Aspekt des Klimaschutzes, der baurechtlichen Anforderungen (Brandschutz, Bauphysik usw.), der Erhaltung kulturellen Erbes und der wichtigen Sicherheitsaspekten aktuelle Anforderungsprofile, aber auch effektive Lösungsansätze zu entwickeln bzw. zu präzisieren sein.
- Interessant auch hier in den Gesprächen, dass Themen wie der Umgang mit sensiblen Gebäude-, Raum- und Inventurdaten, der Datensicherung und dem Datenschutz den jeweiligen Betreibern und Nutzern (bei Integration von Softwareapplikationen) über-lassen werden. Es wurde betont, dass Schnittstellen zwar bereitgestellt werden, aber wie deren Integrität und Funktionssicherheit gewährleistet werden kann, muss der Nutzer oder ggf. ein vorhandener übergeordneter Systembetreuer erarbeiten. Digitalisierung im Ausstellungsbereich ist gut, muss sich aber den aktuellen Entwicklungen (Wissensabfluss zur Vorbereitung von Straftaten) stellen.
- Das Forschungsprojekt „Architekturen der Sicherheit – Die Sichtbarkeit der Unsicherheit“ untersucht interdisziplinär Gestalt und Stadtbild (TU Berlin) sowie Konstruktion und Funktion (Berliner Hochschule für Technik) der Architekturen der Sicherheit (Fahzeugsicherheitsbarrieren, sprich Poller). Schaubilder waren auf dem Messestand aufgehängt, nur fehlte das Personal für eine Erläuterung und Diskussion.
- Namhafte Firmen wie Assa Abloy (Berlin), die Fa. Schleicher Sicherheitssysteme mit Lösungen von dormakaba und ABUS, die Sächsische Schloss und Beschlagsschmiede Sicherheitstechnik und Restaurierung Roberto Weigel sowie heddier electronic GmbH waren auf der Messe vertreten. Leider reduzierten sich bei den beiden erstgenannten Firmen die Inhalte auf das Thema Schließanlage (und teilweise Türen, wobei die Fa. Schleicher am letzten Tag durch Abwesenheit glänzte). Hier wurde eine Chance vertan, nutzungsbezogen sowohl im Bereich der Museen, aber auch in denkmalrelevanten Objekten die Verknüpfung zwischen Kulturhistorie, Präsentation und Sicherheit konzeptionell aufzubereiten. Die Fa. heddier electronic GmbH entwickelt in diesem Bereich bereits intelligente Lösungen, die sich aus jahrzehntelangen Erfahrungen entwickelt haben. Sie sind nur bedingt in die normativen Vorgaben von DIN und VdS integrierbar, bieten aber die Chance, standortbezogene schutzzielorientierte Sicherungsmaßnahmen zu entwickeln.
- Dazu passt, dass in den Fachforen nur eine Diskussionsrunde unter der Moderation von Dr. Alke Dohrmann („SiLK – Sicherheits-LeitfadenKulturgut“) zum Thema „Sicherheit“ und ein Vortrag zu elektronischen Sicherungssystemen für Museen, Sammlungen und Denkmäler stattfand. Dies erscheint im aktuellen Kontext von den diversen Vorfällen der letzten Wochen und Monate zu wenig zu sein.
- Die weiteren Firmen (auf der MUTEC) zu den Themen Beleuchtung, Ticketservice, Ausstellungsvitrinen bis hin zu Präsentationsmedien sind der Ausstellungstechnik zuzuordnen. Hier würde man sich als Besucher (und sicher auch als Aussteller) wünschen, dass die Messeleitung thematische Schwerpunkte und einen entsprechenden roten Faden schafft, wie es anscheinend auf der denkmal bereits sehr gut funktioniert.
Fazit
Im Ergebnis ist festzustellen: Es war nicht der letzte dieses Messeduos MUTEC und denkmal. Firmen in diesem Umfeld kann man empfehlen, eine Teilnahme an solch einer Ausstellung in Erwägung zu ziehen, vorausgesetzt, die entsprechenden Fachthemen sind entsprechend gut platziert für interessierte Besucher. Und für Nutzer, Bauherren, Architekten und Fachplaner ergibt sich dann auf den genannten Messen eine gute Möglichkeit, in diesen handwerklich geprägten Themen Lösungsansätze für die eigene Aufgabenstellung zu finden. Die nächste Auflage der denkmal und MUTEC findet im Übrigen vom 7. bis 9. November 2024 statt.

