Mein Redaktionskollege Rochus Zalud wies in der Ausgabe 18/2022 mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass ein handelsüblicher Druckspüler für die Funktion der Wasserspülung von Urinalen durchaus Vorteile aufweist („Notfallkonzeption für Urinalnutzung“). Nämlich dann, wenn das Gebäude, in dem sich die Urinale befinden, nicht mehr mit Strom versorgt wird. Die „Menge interessanter Features“, so schreibt es der Kollege, mündet dann in der Frage, ob man die Urinale bzw. deren elektronische Spülauslösung evtl. redundant anbinden muss.
Eine elektronisches Urinal, das eine Spülung mit Wasser bei Stromausfall verhindert, kann jedoch auch eine Schutzfunktion beinhalten. Zum Beispiel, wenn gleichzeitig eine Hebeanlage installiert ist, die das Abwasser in ein höher gelegenes Kanalnetz pumpt. Fällt diese Hebeanlage aus und pumpt das Abwasser nicht mehr aus dem Gebäude, werden die Urinale bei Weiternutzung überlaufen, sobald die Rohrleitungen voll sind.
Eine durchaus vergleichbare Situation gibt es bei Wasserhähnen, die heutzutage aus hygienischen Gründen berührungslos mit einem Sensor arbeiten, der Strom benötigt. Solche Systeme können dann entweder mit Batterie ausgeführt werden oder benötigen einen separaten Stromanschluss. Liegt dieser Stromanschluss mit auf der Normalversorgung, fallen auch die Wasserhähne bei Stromausfall aus, werden sie batterieversorgt, kann weiter gezapft werden. Dann landen wir jedoch wieder beim vorherigen Absatz.
Grundsätzlich lassen uns diese Beispiele natürlich schmunzeln, nichtsdestotrotz bedeutet dies jedoch nur die Einführung in eine tiefergehende Diskussion. Folglich ist das Thema bei BCM-Spezialisten, die sich schon einmal mit einer BIA (Business Impact Analyse) beschäftigt haben, nicht ganz unbekannt. Denn die Frage ist hier doch: Was fällt denn eigentlich darüber hinaus noch aus? Und besteht vielleicht sogar eine Gefährdung von Mensch oder Sache durch den Ausfall von Komponenten ohne Strom? Ursache und Wirkung liegen häufig ziemlich weit auseinander.
Verfolgen wir das Beispiel mit der Toilette weiter: Marc Elsberg hat in seinem Buch „Blackout“ solch ein Szenario geschildert: Tagelang arbeiten Mitarbeiter auf Hochtouren in hochverfügbaren Bürokomplexen, stromtechnisch lediglich angetrieben über Notstromaggregate. Mit aller Macht und allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen sie einen klaren Kopf zu behalten, sie sind sie die letzte Rettung des untergehenden Abendlands. Dann fallen die Toiletten aus … Sie können sich vorstellen, wie die Geschichte endet.
Zur Rettung des Abendlands empfehlen wir daher folgende Vorgehensweise:
- Erstellen Sie eine Verfügbarkeitsanalyse.
- Berücksichtigen Sie hierbei insbesondere notwendige Anwesenheiten von BCM-Teams und Krisenstäben – mit allen Konsequenzen.
- Zeigen Sie die Abhängigkeiten aller technischen Anlagen und deren Auswirkungen bei Ausfall auf.
- Machen Sie eine Gefährdungsanalyse und ermitteln Sie sämtliche Gefährdungen, die durch einen Stromausfall entstehen können.
- Bestimmen Sie, welche Komponenten z. B. an eine Notstromversorgung angebunden werden müssen.
- Definieren Sie Ausfall- und Stromüberbrückungszeiten.
- Entwickeln Sie ein „Stromausfall-Management“ und ein Notfallkonzept.
- Führen Sie Härte- und Vollprobetests durch.
Viel Glück!

