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Kommunikation

Angriffspotenzial „kritische Infrastruktur“

Ausgabe 21/2022
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Ausgabe 21/2022
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Im Zusammenhang mit den „Schneidevorgängen“ an den zwei wichtigen Knotenpunkten des über 20.000 km langen Glasfaserkabels der Deutschen Bahn am 8. Oktober 2022 gab es heftige Diskussionen über das Sicherheitsniveau der Einrichtungen der kritischen Infrastruktur. Von Spekulationen über Insiderwissen bis zu Forderungen an eine risikoorientierte Absicherung geben Verantwortliche in Politik und Wirtschaft ihre Statements ab. Wird hier nicht eher Populismus betrieben?

Ausgefallen ist nach dem Sabotageakt an der Glasfaserleitung der digitale Zugfunk. Die Deutsche Bahn kommuniziert primär über den digitalen Zugfunk GSM-R, was für „Global System for Mobile Communications – Rail“ steht. Alle europäischen Eisenbahnbetriebe arbeiten damit. Dieser dient der Kommunikation zwischen den Zugverkehr steuernden Leitstellen und den Zügen. In Deutschland reserviert die zuständige Bundesnetzagentur das 4 Megahertz breite UIC-Frequenzband mit Uplink im Bereich 873 bis 880 MHz und Downlink zwischen 918 bis 925 MHz.

Bereits 2011 wies die DB Netze darauf hin, dass durch die digitale Struktur „auch größere Bereiche oder sogar das gesamte Netz“ von Störungen betroffen sein könnten. Deshalb hat man vor elf Jahren ein Rückfallkonzept entwickelt, nach dem das Personal handeln soll:

Das GSM-R-System hat in Deutschland verschiedene regionale und bundesweite Ebenen. So sollen ein Ausfall und die Suche nach Ursachen von Funktionsstörungen schnell ermöglicht werden. Alle sonstigen Kommunikationswege, die noch per Funk funktionieren, sollen genutzt werden. Allerdings benötigt die IT eine gewisse Zeit, bis der Funk wieder hochgefahren werden kann. Prinzipiell gibt es auch ein Ersatzsystem, das jedoch ebenfalls nicht sofort greift. Zuerst muss der Bahnverkehr komplett gestoppt werden.

Deshalb soll die Frage erlaubt sein, ob die beiden Vorfälle (in Herne und Berlin) wirklich kausal zu dem Ausfall des Funksystems geführt haben. Oder war eine Abschaltung intern notwendig, um das Funksystem im Norden Deutschlands wieder in Betriebsbereitschaft zu versetzen? Wer sich für die Infrastruktur der Bahn interessiert, kann sich jedenfalls gern des ISR-Informationssystems der Deutschen Bahn (www.geovdbn.deutschebahn.com/isr) bedienen, um sich über die Trassen und Zusammenhänge des Kommunikationssystems schlau zu machen. ISR steht für Infrastrukturregister – und das ist für die Öffentlichkeit frei zugänglich! Unter dem Menüpunkt Streckenmerkmale > Kommunikationssystem ist z. B. das Glasfaserleitungsnetz abgebildet.

Auch hier kann es ggf. im Zusammenhang mit den Vorfällen dazu kommen, dass perspektivisch die Transparenz der Informationen eingeschränkt wird. Prinzipiell sollte jeder Betreiber einer kritischen Infrastruktur – am besten in den internen Verantwortungsbereichen – überlegen, wie mit den Themen „Information an Dritte“, „individuelle Redundanzkonzepte“ und den „Notfallszenarien“ umzugehen ist. Dann ist eine Hochrüstung von Härtungs- und Überwachungsmaßnahmen durchaus verzichtbar.

Im Übrigen: GSM-R soll in den kommenden Jahren in Europa schrittweise durch FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) abgelöst werden. Die Deutsche Bahn plant, FRMCS zwischen 2026 und 2035 einzuführen.

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