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Rückblick

BdSI-Zertifikatslehrgang „Security Awareness Expert“

Ausgabe 23/2022
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Ausgabe 23/2022
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Nachdem die Veranstaltung in den vergangenen Jahren bereits zweimal coronabedingt verschoben werden musste, fand erstmalig vom 25. bis 28. Oktober 2022 in Neu-Isenburg bei Frankfurt a. M. der neue BdSI-Zertifikatslehrgang mit Abschluss zum „Security Awareness Expert“ der SIMEDIA Akademie statt. Über dreieinhalb Tage hinweg erhielt die interessierte Teilnehmerschaft, die sich überwiegend aus Sicherheitsverantwortlichen namhafter in Deutschland ansässiger Unternehmen und Organisationen zusammen-setzte, wichtige Informationen zu einem Thema, das momentan vor allem aus Sicht der Unternehmenssicherheit zunehmend an Bedeutung gewinnt. In Zeiten, in denen unterschiedlichste Formen von meist gezielten Angriffen auf Geschäftsprozesse und Infrastrukturen von Unternehmen, aber auch andere Bedrohungslagen und Vorfälle nahezu alltäglich sind, hat dieser neue Zertifikatslehrgang das Ziel, aufzuklären und zu sensibilisieren, aber auch konkrete Konzeptionen und Best Cases zu präsentieren, nach deren Vorbild Unternehmensverantwortliche künftig in ihren Betrieben wiederkehrende oder kontinuierliche Kampagnen implementieren können. Alle diese Maßnahmen dienen dem Zweck, bei jedem individuellen Belegschaftsmitglied über alle Hierarchieebenen hinweg zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit sowie einem erhöhten Bedrohungsbewusstsein beizutragen. So ist im Verlauf der Lehrgangstage recht schnell deutlich geworden: „Security Awareness“ ist kein „einmaliges Thema für zwischendurch“. Vielmehr handelt es sich grundsätzlich um einen dauerhaften Prozess, der proaktiv durch gezielt auf die jeweiligen Gegebenheiten einer Organisation abgestimmten Kampagnen bzw. Maßnahmen immer wieder ins Bewusstsein aller Beschäftigten gerufen werden muss. Hier liegt die Basis für Erfolg oder Misserfolg jeglicher Security Awareness.

Diplom-Wirtschaftspsychologin und Gesellschafterin Sarah Oveyssi vom in Heidelberg ansässigen Beratungsunternehmen etalon international (www.etalon-international.com) bot zu Beginn des ersten Veranstaltungstages mit ihrem ganztägigen Vortrag über die vielfältigsten (sozial-)psychologischen Phänomene menschlichen Sicherheitsverhaltens dem Plenum einen Einstieg in die Grundlagen der Thematik Awareness. In diesem Zusammenhang ging es um Aspekte wie Routine versus Bewusstsein, Wahrnehmung, Reflexreaktionen und menschliche Entscheidungsprozesse. Im Weiteren referierte sie über grundlegende Ausprägungen von Sicherheits- und Fehlerkultur, deren Eigenschaften, wie sie sich Kultur (weiter-)entwickelt und über die erforderliche angemessene Führungskultur.

Den zweiten Tagungstag eröffnete ein Beitrag von Klaus Behling, Prokurist und Berater der Von Zur Mühlen’schen Sicherheitsberatung GmbH. (vgl. auch den Beitrag dieses Autors hier im Heft auf S. 455). Die Erkenntnis, dass der Mensch neben jeglichen vorhandenen Formen von technischen und baulichen Begebenheiten als entscheidender Baustein eines umfassenden Sicherheitskonzeptes stets im Mittelpunkt stehen muss, stellte die Kernaussage seines Vortrages dar. Genau hier liegt die Ursache vieler vorhandener Sicherheitslücken, denn seiner jahrzehntelanger Erfahrung nach werden sehr oft Konzepte physischer Sicherheit nicht unter angemessener Berücksichtigung des Faktors Mensch erstellt. Die scheinbar endlose Liste der von ihm aufgeführten Praxisbeispiele untermauert deutlich diesen Sachverhalt. Das durchdachteste physische Sicherheitskonzept ist nur dann zielführend, wenn auch der Mensch die notwendige Akzeptanz dessen aufbringt und sich dem nötigen Zusammenspiel mit der Technik entsprechend verhält.

Nach diesem eher technisch geprägten Themenfeld folgten im weiteren Verlauf des Lehrgangs eineinhalb Tage, in denen es mehr um konkrete Zielgruppen, Kampagnen, deren Planung und Durchführung ging. Die beiden Referenten Dietmar Pokoyski, Inhaber und Geschäftsführer des Kölner Beratungs- und Marketingunternehmens known_sense (vgl. auch das Interview mit Herrn Pokoyski hier im Heft auf S. 456) und Dr. Christoph Schog, ehemals Leiter International Security, Security Awareness der T-Systems International GmbH, sprachen ferner über qualitative und quantitative Evaluation sowie die dabei entscheidenden Schlüsselkennzahlen (KPIs). Die Teilnehmer erfuhren aus erster Hand, wie und mit welchen „Tools“ man spielerisch dem Thema begegnen kann und wie man innerhalb von Unternehmensbelegschaften aktiv das Bewusstsein für dieses Thema erfolgreich fördert. Hiermit verbunden waren eine Reihe von praktischen Übungen sowie die meist spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema für die Lehrgangsteilnehmer.

Dr. Schog berichtete hierzu konkret über seine jahrelange Arbeit auf diesem Gebiet im Hause der T-Systems, über die verschiedenen Stufen von großangelegten weltweiten Awarenesskampagnen – von der ersten Idee bis zur nachhaltigen Umsetzung, aber auch wie man das Top-Management von der Sinnhaftigkeit und der damit verbundenen Notwendigkeit eines Budgets überzeugt.

Inhaltlich abgerundet wurde die Veranstaltung am letzten Lehrgangstag dann durch Thomas Bleuel von der Siemens Energy Global GmbH & Co. KG. Dieser griff in seinen Ausführungen nochmals „überflugartig“ alle wesentlichen Aspekte des Themas Security Awareness auf und stellte dabei auch den Bereich der Cyber Security Awareness anhand der 2016 im Hause der ehemaligen Fa. innogy gestarteten und nach der Übernahme durch den E.ON-Konzern kontinuierlich weiterentwickelten Kampagne „human firewall“ vor. Auf diese Weise bot er den Zuhörern noch eine weitere erfolgreiche Kampagnenumsetzung als Anschauungsbeispiel für deren evtl. geplante Maßnahmen zur Steigerung von Security Awareness in ihren Unternehmen.

Nach erfolgreichem Ablegen der sich unmittelbar an den Lehrgang anschließenden BdSI-Prüfung konnten sich alle Teilnehmer nun als neue „Security Awareness Experts“ auf den Heimweg begeben.

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