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Edge-, Fog- und Mikro-RZ – alles neu, oder wie?

Ausgabe 13/2019
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Ausgabe 13/2019
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Bekanntlich muss ja ständig etwas Neues erfunden werden, damit das Betagte, Bewährte daneben möglichst altbacken aussieht, „retro“ also oder „voll Neunziger“. Ob man eine Branche oder einen ganzen Wirtschaftszweig dabei mehr oder weniger seriös wahrnimmt, ist und bleibt dabei wohl offenbar ohne Belang. Längst sind die Zeiten vorbei, als Technik nur Technik war – heute werden Emotionen angesprochen. Wenn es diese Zeiten überhaupt jemals gab. Sogar von sozialer Verantwortung ist die Rede. Die Smartisierung ist in vollem Gange. Nun also Edge.

Wenn man so weit gehen will, könnte man die Entwicklung hin zu kleineren dezentralen Einheiten der Datenvorverdauung, egal ob sie Edge-, Fog- oder Mikro-RZ genannt werden, als eine Folge eines Zyklus der IT-Architekturen sehen. Dieser Zyklus sieht dann wie folgt aus:

  1. Beginnen wir in den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts bei einer Technologie namens Mainframe. Eine zentrale Architektur, wie sie zentraler nicht sein konnte. So ziemlich alles passiert in dieser beeindruckend großen und schweren Kiste. Um nun etwas in die Kiste hinein- oder aus ihr herauszubekommen, brauchte es Terminals. Diese Terminals mussten fast nix können, entsprechend niedrig war deren IQ.
  2. Aber irgendwie entwickelte sich dann in den Siebzigern auch ein Konzept namens PC. Als man PCs mit Mainframes zusammensteckte, bemerkte man, dass man so auf einmal die Möglichkeit hatte, Aufgaben und Dienstleistungen gerecht untereinander zu verteilen. Fortan sprach man von Client-Server-Modellen, die nun wesentlich dezentraler zusammenarbeiteten.
  3. Ein Wettrüsten zwischen Hardware- und Software ergab nun, dass im PC-Bereich Maschinen mit absurder Leistungsfähigkeit entstanden. Die Rechenkapazität wurde aber auch gebraucht, um z. B. Windows Aero zu ermöglichen oder riesige vielleicht sogar sinnvolle Anwendungen zu performen. Dies wurde dem einen oder anderen dann wohl zu bunt und man begann, die Monsterclients abzuspecken und die Rechnerei auszulagern. Aber wohin? Am besten wieder zu einem Server, der aber nun nicht als dediziertes Stück Blech irgendwo drinsteckt, sondern virtuell irgendwo durch die Private oder gar Public Cloud wabert. Und schon haben wir wieder eine zentralisierte Lösung, an deren Ende ein Thin- oder gar Zero-Client steckt.
  4. Und was haben nun die jüngsten Erkenntnisse aus dieser Architektur ergeben? Dass das Wegschicken der Daten im ganz großen Stil sowie das Verarbeiten und das Zurückschicken nach Bandbreite und Zeit verlangt. Surprise! Nun, das muss ja nicht sein, wenn man alternativ die großartige Idee hat, auch nah am Geschehen zu rechnen. Dieses Konstrukt muss aber nun irgendwie heißen. Folgt man nun also dem Bild der Cloud (Wolke), meint Fog (Nebel) den Bereich nicht mittendrin in der Wolke, sondern den nebeligen Randbereich noch innerhalb der Wolke. Edge (Kante) geht noch einen Schritt weiter, indem es die Wolke ganz verlässt und am Rand zu verorten ist. In der Praxis soll hierbei Rechenleistung außerhalb der Cloud, z. B. in Automatisierungs-umgebungen, genutzt werden. Alles in allem sind wir also wieder bei einer dezentralen Struktur angekommen.

Wenn das nun wirklich ein Zyklus ist, sitzen irgendwelche Strategen also schon dran, die nächste Zentralarchitektur zu planen. Vielleicht mit Quantentechnologie? Wir werden sehen…

Und was passiert nun seit einiger Zeit im richtigen Leben da draußen? Alle IT Infrastrukturzweige, seien es Netzwerker, Strömer, Klimaten oder Rackmanager, alle halten revolutionäre Lösungen als Edge- oder Fog-Lösungen bereit, die es so noch nie gab und alle Fragen beantworten, die wir in zwanzig Jahren nicht gestellt hätten. In loser Folge werden wir uns damit auseinandersetzen und den teilweise amüsant-absurden Behauptungen der Hersteller auf den Zahn fühlen, aber nicht auf den Leim gehen. Denn sooo neu sind die meisten Ideen nicht. Und IT-Verfügbarkeit ist nichts für Schwätzer, sondern ein Thema für Profis.

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