Es wurde bereits mehrfach im Sicherheits-Berater berichtet, wie und warum ein gutes Klima in einem 24 Stunden besetzten Leitstand wichtig ist. Hier sitzen meist mehrere Personen in einem Raum zusammen und sollen sich zu jeder Tages- und auch Nachtzeit konzentrieren. Dazu gehört vor allem ein behagliches Umfeld. Diese Behaglichkeit sollte einerseits durch angepasste und normenkonforme Arbeitsplatzgestaltung sichergestellt werden, andererseits sind alle Belange des Raumklimas zu berücksichtigen. Letztere Forderung bietet ein großes Betätigungsfeld, was im Laufe unserer Beratungstätigkeiten üblicherweise zu Gesprächs-, aber vor allem auch zu Verbesserungsbedarf vor Ort führte. Denn nicht in allen vorgefundenen Leitständen bzw. -warten ist von Behaglichkeit in Sachen Lufttemperatur, Luftbelastung, Luftfeuchtigkeit oder auch Luftgeschwindigkeit etwas zu spüren. Und hier gilt „spüren“ im wahrsten Sinne des Wortes.
Im Folgenden sind einige Szenarios aufgezählt, bei denen es zu Unbehagen, aber auch zu Gesundheitsschädigungen kommen kann:
- Ein wesentliches und auch immer wieder angesprochenes Thema ist die Lufttemperatur am Arbeitsplatz. Hier wird viel gestritten, da bei Befragungen von Betroffenen immer wieder Aussagen fallen, wie: „ … mir ist zu kalt oder zu warm“. Leider passiert das meist aus Unwissenheit darüber, dass die Empfindung der Temperatur sich nicht nur aus der Temperatur selbst, sondern dem Zusammenspiel aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit und vor allem der Luftgeschwindigkeit zusammensetzt. Also sollte hier genau geprüft werden, liegt es wirklich nur an der Lufttemperatur?
- Ein weiterer und vor allem wichtiger Punkt ist der ausreichende Luftaustausch im Raum. Hier geht es darum, den anwesenden Personen ausreichend frische Luft zur Verfügung zu stellen. Der Bedarf hängt von vielen Faktoren ab, wie beispielsweise der Anzahl und Tätigkeit der Personen und der entsprechenden Ausdünstungen der verbauten Materialien innerhalb der Leitstelle. Hier sind es meist die Bodenbeläge, aber auch Einbaumöbel und verwendete Kunststoffe, die durch ihre Ausdünstungen zu Verunreinigungen der Luft führen können, gerade bei neuen Baustoffen oder Einrichtungen. Auch sind äußere Einflüsse, also die Art und somit die Belastung der Außenluft, zu berücksichtigen. Dabei sind im Zusammenhang mit der gewünschten Innenraumluftqualität entsprechende Filter zu verwenden, um den Grad der Verschmutzung zu regulieren. Geringe Luftqualität führt in der Regel zu Konzentrationsschwächen, Kopfschmerz und Müdigkeit.
- Ganz wichtig für das Wohlbefinden, aber auch für die Gesundheit, ist die richtige
Luftfeuchtigkeit. Ist die Luft zu trocken, führt das häufig zu Schleimhautentzündungen und somit zu erhöhter Grippegefahr. Aber auch die elektrostatische Aufladung bei Luftfeuchten kleiner 20 Prozent r. F. (relativer Feuchte), ist nicht nur am Körper zu
spüren, sondern kann auch zu Schäden an elektronischen Geräten führen. Ist die Luftfeuchte zu hoch, so kommt man selbst bei „normalen“ Temperaturen ins Schwitzen. Darüber hinaus kann Feuchtigkeit in der Luft zu Feuchteschäden an der Bausubstanz und somit auch zu Schimmelbildung führen. Schimmel in bestimmter Form und über einen längeren Zeitraum ist darüber hinaus gesundheitsschädigend. - Ein gutes Beispiel für klimatisches Unbehagen sind zu hohe Luftgeschwindigkeiten.
Das wird mit dem Windchill-Effekt beschrieben, der den Unterschied zwischen der gemessenen Lufttemperatur und der gefühlten Temperatur in Abhängigkeit der Luftgeschwindigkeit beschreibt. Bei steigender Luftgeschwindigkeit und gleicher Temperatur empfindet der Körper geringere Temperaturen und somit Unbehagen. Entsprechend einzuhaltende Raumluftgeschwindigkeiten für Sitzplätze sind in der DIN EN ISO 7730 benannt.
Meist entstehen solche Probleme nicht aus einer falschen Planung heraus, sondern sind Folgen von Umnutzungen ohne Berücksichtigung neuer Anforderungen. Der Betreiber einer kürzlich begutachteten Leitwarte schilderte Problemfälle, in denen sich fast alle oben genannten Themen wiederfanden. Vor gut 20 Jahren wurde ein Technikraum zu einer Leitwarte umgebaut. Man ging damals den pragmatischen Weg und sagte sich, die Klimatisierung über den Doppelboden wird angepasst und liefert im Anschluss nicht nur das Klima für die weiter im Raum befindliche Technik, sondern auch für die Personen. Den Spagat zu wagen, nur über Luftkühlung gleichzeitig die Technik- und die Personenwärme abzuführen, ist an sich schon nicht einfach. Dessen Umsetzung, mit Hilfe der Zulufteinbringung allein über Drallauslässe im Boden zu realisieren, birgt jedoch Risiken.
Was war passiert?
- Bei erträglichen Zulufttemperaturen um die 22 Grad Celsius, jedoch mit turbulenter Strömung durch den Drallauslass und dadurch Überschreitung der zulässigen Luftgeschwindigkeiten entsteht der sogenannte Windchill-Effekt an den Arbeitsplätzen, siehe Punkt 4.
- Daraus entwickelt sich Unbehagen und der Nutzer, die jeweilige Person am Arbeitsplatz, greift aktiv ein und drosselt am Bodendrallauslass den Volumenstrom und somit die Kühlung. Das Behaglichkeitsempfinden ist kurze Zeit später besser, allerdings heizt sich der Raum durch die verringerte Kühlleistung auf.
- Um dem entgegenzuwirken, werden anschließend die Drallauslässe wieder geöffnet, woraufhin sich die Raumlufttemperatur anpasst, doch das oben beschriebene Unbehagen beim Personal wächst. Das Spiel beginnt von vorn.
- Darüber hinaus beobachtete man auch an verschiedenen Stellen im Raum Schimmelbildung. Das muss nicht unbedingt an der unzureichenden Durchlüftung des Raumes liegen, kann aber ein möglicher Entstehungsfaktor sein
Maßnahmen:
Was lernen wir daraus? Neue Anforderungen im Betrieb machen es notwendig, sich über geeignete Lösungen Gedanken zu machen. Diese könnten wie folgt aussehen:
- Abhängig von der abzuführenden Wärmelast im Raum sollte ein Nur-Luft-System in Frage gestellt werden. Je höher die thermischen Lasten, desto höher die Luftströme und somit die Luftgeschwindigkeiten. Darüber hinaus ist die Luftaufbereitung von hohen Mengen energetisch aufwendiger als z. B. bei Luft-Wasser-Systemen. Bei diesen Systemen kann die Kühlleistung, z. B. über wassergekühlte Deckenkühlgeräte, unabhängig vom Außenluftstrom sichergestellt werden. Das hat geringere Volumenströme und geringe Luftgeschwindigkeiten zur Folge und ist somit der Behaglichkeit zuträglich.
- Um für eine zugfreie Einbringung des notwendigen Außenluftanteils zu sorgen, empfiehlt sich der Einsatz von Quelllüftungen. Die Zuluft wird hierbei in geringer Geschwindigkeit bodennah über entsprechende Luftauslässe in den Raum eingebracht. Diese Technologie sorgt aufgrund ihrer niedrigen Luftgeschwindigkeiten für geringe Luftturbulenzen.

