Am 23. November 2021 wurde das DLR-Institut für den Schutz terristrischer Infrastrukturen in Sankt Augustin bei Bonn eingeweiht. Warum man bei diesem Institut Wert auf die Feststellung legt, dass es sich um terristrische – und nicht um extraterristrische – Infrastrukturen handelt, wird klarer, wenn die Abkürzung DLR aufgeschlüsselt ist: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Dieses widmet sich also mit dem neuen Institut auch ganz profanirdischen Fragestellungen. In einer Selbstdarstellung des DLR heißt es: „Unsere mehr als 9.000 Mitarbeitenden haben eine gemeinsame Mission: Wir erforschen Erde und Weltall und entwickeln Technologien für eine nachhaltige Zukunft.“ Am neuen Institut arbeitet es mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (www.h-brs.de) sowie dem Institut für Sicherungssysteme der Bergischen Universität Wuppertal (www.sicherungssysteme.de) zusammen.
Das Institut berechnet laut Pressemitteilung (www.dlr.de, Kurzlink https://bit.ly/3FRRjAm ) mögliche Bedrohungsszenarien für die Infrastruktur mithilfe eines sogenannten „digitalen Zwillings“. Dazu werde ein detailliertes virtuelles Modell einer Anlage, z. B. eines Umspannwerks des Energienetzes, kreiert. In dieses Modell flössen alle denkbaren Informationen ein: von der geografischen Lage bis hin zu der Reaktionszeit der nächsten Feuerwehrwache. Um Gefahren frühzeitig erkennen zu können, forsche das Institut auch an Sensoren zur Gefahrendetektion. Zudem flössen Informationen über die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) des Objektes in das digitale Modell ein. So lasse sich im Gesamtmodell bewerten, wie lange z. B. eine Brandschutztür einem Feuer standhalte, und ob die durch Sensoren alarmierte Feuerwehr rechtzeitig vor Ort sein könne.
Die wissenschaftlichen Arbeiten sollen in drei Abteilungen durchgeführt werden, die in das Gesamtkonzept der DLR-Sicherheitsforschung eingebunden sind:
- Die Abteilung „Resilienz – Modelle und Methoden“ beschäftigt sich mit der Entwicklung von Modellen und Methoden, um die Widerstandsfähigkeiten von Infrastrukturen gegen Bedrohungen zu stärken.
- Im Bereich „Detektionssysteme“ geht es um Sensortechnologien, die Infrastrukturen mit intelligenten und komplexen Sensorsystemen überwachen können. Neben optischen, thermischen und Bewegungssensoren sollen auch Sensoren zur Detektion von chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Bedrohungen weiterentwickelt werden.
- Die Abteilung „Digitale Zwillinge für Infrastrukturen“ erstellt die virtuellen Abbilder und führt Simulationen in Echtzeit durch, um die Resilienz einer Infrastruktur in nahezu jeder Situation bewerten und kontinuierlich verbessern zu können.
In einer bereits im September 2021 veröffentlichten Pressemitteilung über die Zusammenarbeit zwischen DLR und Uni Wuppertal heißt es, man konzentriere sich auf den physischen Schutz kritischer Infrastrukturen: „Moderne Sicherungssysteme sind ein Zusammenspiel verschiedener Komponenten. Zunächst Schutzelemente, wie Zäune, Türen, Schlösser und Mauern, hinzu kommen Überwachungseinrichtungen, wie Kameras oder Bewegungssensoren. Wachdienste sorgen schließlich für die Möglichkeit der Intervention im Falle einer Bedrohung. Für die objektive Bewertung auch komplexerer Sicherungssysteme wurden in Wuppertal wissenschaftliche Methoden entwickelt.“

