Das TSI-Verfahren (Trusted Site Infrastructure) des TÜViT (www.tuvit.de) galt schon in Zeiten, bevor von Normen wie EN 50600 oder ISO 22237 die Rede war, als guter Maßstab für die Zertifizierung von Rechenzentrumsinfrastruktur. Ein umfassender Kriterienkatalog mit zahlreichen Prüfkriterien ist seit jeher das Wesen des Zertifizierungsverfahrens und wird fortlaufend an normative und technische Entwicklungen angepasst.
Erweiterung statt Änderung
Nun hatten wir uns gerade an den TSI-Standard Version 4.4 gewöhnt, der Anfang 2023 veröffentlicht wurde, schon legt der TÜViT nach und publiziert mit Stichtag 1.7.2023 die neueste Version 4.5 des TSI-Standards. Das Wichtigste: Inhaltlich gehen mit der Katalogrevision keine Änderungen einher. Das Verfahren wird lediglich um einen ISO-Baustein erweitert: Offiziellen Verlautbarungen des TÜViT zufolge bietet die jüngste Revision eine jetzt neue Zertifizierungskombination aus TSI, EN 50600 und ISO/IEC 22237 für Rechenzentren.
Zusätzliches ISO/IEC 22237-Zertifikat
Mit der Erweiterung des Zertifizierungsverfahrens in Richtung ISO haben Kunden nun die Gelegenheit, ein zusätzliches ISO/IEC 22237-Zertifikat zu erhalten. Die internationale Norm ISO/IEC 22237 schafft die grundle-gende Voraussetzung dafür, dass Rechenzentren zukünftig weltweit nach den gleichen Grundsätzen geplant, errichtet und betrieben werden können. Das neue Zertifikat bestätigt die ISO-Konformität.
Offensichtlich kommt diese Argumentation beim Kunden gut an, denn wenn man sich beispielsweise im Bereich Informationssicherheit nach ISO 27000, im Bereich Qualitätsmanagement nach ISO 9000 und im Bereich Umweltmanagement nach ISO 14000 zertifiziert, warum sollte man dann für Rechenzentren nicht ebenso ein Zertifikat nach einer ISO-Norm anstreben und sich mit einer Zertifizierung gemäß EN-Norm „zufriedengeben“?
Kennern der Materie ist natürlich klar, dass es hier hauptsächlich um die optische Wirkung des Zertifikates geht, denn die Normenreihen EN 50600 und ISO 22237 unterscheiden sich inhaltlich so marginal voneinander, dass man die abweichenden Stellen mit der Lupe suchen muss. Im Prinzip ist wohl jede Rechenzentrumsinfrastruktur, die nach EN 50600 zertifiziert ist, ohne viel Tamtam ebenso nach ISO 22237 zertifizierbar.
Absehbare künftige Änderungen
So ganz durchgängig ist das ISO-Verfahren im Moment allerdings noch nicht, da nur ein Teil der aus der EN-50600-Reihe bekannten Normen bislang als ISO-Normen veröffentlicht ist, nämlich der Teil 1, der Teil 3 und der Teil 4 der ISO 22237. Dies entspricht den Teilen 1; 2-2 und 2-3 der EN-50600. Damit können derzeit nach ISO- Normen nur die allgemeinen Festlegungen, die Stromversorgung und die Klimatechnik zertifiziert werden. Wichtige andere Punkte, wie bauliche Eigenschaften, Kommunikationsverkabelung und der ganze Bereich bauliche und technische Sicherheit sind somit von der ISO-Zertifizierung noch nicht erfasst. Sollten diese Normen ratifiziert werden ist also absehbar, dass es dann wieder eine neue Ausgabe des TSI-Kataloges geben wird.
Es könnte sein, dass der TÜViT mit dieser Idee ein gutes Händchen für die Befindlichkeiten der Kunden bewiesen hat und das Vorgehen Schule machen wird. Aber ganz fertig ist das Ganze noch nicht.

