Es besteht kein Zweifel daran, dass Hunde sehr vielseitig als tierische Sicherheitsdienstleister einsetzbar sind. Das geschieht z. B. bei Polizei, Militär, Wach- und Sicherungsdiensten oder im Rettungs- und Gesundheitswesen. Sozusagen als übergeordnete Berufsbezeichnung gilt der Begriff „Gebrauchshund“. Als solche dienen Hunde dem Menschen dann z. B. spezialisiert als Begleit-, Schutz-, Sicherungs-, Polizei-, Dienst-, Zoll-, Blinden-, Wach-, Hof-, Schul-, Hüte-, Spür- oder Rettungshund. Die häufigste Einsatzart des Gebrauchshundes dürfte die Verwendung als Wachhund sein. Was ist davon zu halten?
Die Anbieter von Warnschildern nach dem Muster „Vorsicht, Hund!“ scheinen sicher zu sein, dass ihre abschreckenden Schilder Wirkung zeigen. „100% WIRKSAME KENNZEICHNUNG“ – so oder so ähnlich argumentieren Anbieter gern. Wohlgemerkt, die Behauptung bezieht sich – unabhängig von der tatsächlichen Existenz eines Wachhundes – allein auf die Verwendung eines entsprechenden Warnschildes. Der Vorgang ist vergleichbar mit dem Einsatz eines elektronischen Wachhundes, also eines Gerätes, dass Audioaufnahmen mit Hundegebell auslöst. Im Zweifelsfall ist wohl davon auszugehen, dass Einbrecher, sofern nicht Anfänger, solche Produkte ganz gut kennen. Und nichts ist wirkungsloser als eine durchschaubar leere Drohung. Hinter dem Warnschild mit dem Dobermann sollte also in jedem Fall auch leibhaftiger Wachhund stehen.
Begründet wird die abschreckende Wirkung meist nicht mit dem Bissrisiko, das ein Einbrecher eingeht, sondern mit dem Lärm, den ein Hund durch lautes Bellen verursacht. Das SAT.1-Frühstücksfernsehen ging der Frage einmal nach, ob Hunde Einbrecher tatsächlich abschrecken und schickte einen ehemaligen Schutzhundeausbilder als Einbrecher in verschiedene Häuser. Das (statistisch sicher nicht repräsentative) Ergebnis: Die Hunde freuten sich über den unerwarteten Besuch und wollten nur spielen.
Gelegentlich wird auch behauptet, dass ein Hundewarnschild etwa Zweidrittel aller Einbrecher abschreckt. Teilweise wird gar keine Quelle genannt – der Hinweis also lustig irgendwo abgeschrieben. Teilweise beruft man sich auf eine ältere Studie des Kriminologen Dr. Klaus Krainz, Wissenschaftler am Institut für Strafrecht an der Universität Graz. Der ist, wie wir recherchiert haben, allerdings seit Jahren nicht mehr dort, sondern sitzt heute im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl. Er bestätigt am Telefon aber tatsächlich, 1996/97 eine Studie in einer österreichischen Justizanstalt (Gefängnis) durchgeführt zu haben. Dabei wurden über 100 inhaftierte Einbrecher befragt, ob sie sich von der Androhung eines Hundes abschrecken ließen. Die Frage wurde mehrheitlich mit ja beantwortet. Die Studie habe er zehn Jahre später wiederholt – mit vergleichbarem Ergebnis. Allerdings sei dabei noch deutlicher geworden, dass sich professionellere und entschlossene Einbrecher keineswegs abschrecken ließen.
Ex-Einbrecher Siegfried Massat, der heute als Sicherheitsberater tätig ist, bestätigt indirekt diesen Befund. Er weiß nämlich ganz genau, wie man einen Wachhund ausschaltet: In einem von Focus online (www.focus.de oder Kurzlink https://bit.ly/2EWTqWp) veröffentlichten Video sagt er, Hunde seien nur in Begleitung eines Menschen sinnvoll. Bliebe das Tier sich selbst überlassen, könne man es nämlich sehr einfach ausschalten: Man müsse lediglich in der Apotheke gekauftes Ammoniak in eine Wasserpistole geben und das dem Hund auf die Nase spritzen. Dies würde ihn für bis zu drei Stunden außer Gefecht setzen. Er selbst habe das an einem Dobermann ausprobiert.
Ist das oben abgebildete Dobermann-Warnschild also nutzlos? Als das Foto vom Dobermann-schild bei einer Wanderung (im Westerwald) entstand, hätten wir schon gern den Hausbesitzer gefragt, ob der Warnhinweis wirkt. Aber offen gesagt, Leute, die derart aggressiv drohen, mag man in der Freizeit gar nicht interviewen. So gesehen hatte das Schild schon eine gewisse psychologische Wirkung. Ist der Hund nicht als Familienmitglied, sondern ausschließlich als Alternative zur einer elektronischen Alarmanlage gedacht, rechnet er sich übrigens sicher nicht, wie www.tierfreund.de (Kurzlink https://bit.ly/31pYBrA) vorrechnet.
Vom Einsatz im gewerblichen Umfeld ist allerdings schon aus diesem Grund abzuraten: Es ist dem positiven Image eines Unternehmens sicher nicht zuträglich, abweisend zu wirken auf Kunden, Besucher, Passanten und Presse. Zudem würde wachhundtypisches Gebell in der Nachbarschaft kontraproduktiv wirken. Nichts gegen den besten Freund des Menschen – aber Einbruchsschutz sollte und kann im Jahr 2019 anders aussehen.

