Die Firma Bosch stellte vor einiger Zeit ihr Produkt Aviotec vor. Hierbei handelt es sich im Grunde um eine Standalone-Kamera, bestückt mit einem Algorithmus zur automatischen Erkennung von Feuer und Rauch. Praktische Erfahrungen liegen derzeit kaum vor, trotzdem soll hier das Konzept und die zu Grunde liegende Technologie einmal beleuchtet werden.
Im Bereich der Videoanalyse ist der Hersteller Bosch ja keine unbekannte Größe. Üblicherweise sind Lösungen zur Videoanalyse (auch als VCA, Video Content Analysis bezeichnet) aber eingebettet in umfassende Systemumgebungen, bei denen eine ressourcenfordernde Rechenaufgabe auf mehrere Hardwareplattformen aufgeteilt oder gleich durch Server erledigt werden kann. Die zunehmende Rechenkapazität innerhalb der Kameras selbst erlaubt es aber nun offenbar, die Analyse der Bilddaten auch direkt in der Kamera vorzunehmen. Damit entfällt das Übertragen der Daten zu einer anderen Ressource.
Genauso ist das Gerät konzipiert. Es geht nicht vorrangig darum, Bilddaten zu liefern, wobei dies natürlich möglich ist und im Sinne einer schnellen Verifikation eines Alarms auch sinnvoll sein kann. Vielmehr wird bei Erkennung von Brandkenngrößen ein Alarmsignal abgesetzt, wahlweise über ein proprietäres Netzwerkprotokoll oder ganz einfach per Schaltkontakt. Diese Information kann nun durch handelsübliche Gefahrenmeldesysteme dieses oder auch anderer Hersteller empfangen und weiterverarbeitet werden.
Doch wie funktioniert dieser Algorithmus nun genau? Im Grunde ist er darauf getrimmt, die beiden naheliegendsten Brandkenngrößen Feuer und Verrauchung innerhalb des Erfassungsbereiches zu identifizieren. Beim Feuer gelingt dies durch Erkennen der typischen Farben und des charakteristischen Flackerns. Eine ruhig brennende Kerze wird gemäß Herstellerangaben nicht als Alarm gewertet. Rauch wird im Wesentlichen durch seine Farbe und seine typische Ausbreitung nach oben und in die Breite erkannt. Und wie bei anderen Videoanalyse-Verfahren auch werden Bewegungen im Bild, die nicht auf die genannten Brandkenngrößen hindeuten, ausgefiltert und nicht als Alarm gewertet.
Da nun diese Technologie noch nicht so bewährt und möglicherweise nicht ganz so ausgereift ist wie die Detektion mit gewöhnlichen Rauchmeldern, wird sie den Empfehlungen des Herstellers folgend nicht genutzt, um beispielsweise die Feuerwehr zu rufen oder Löschanlagen auszulösen. Vielmehr sieht der Hersteller dort einen Zusatznutzen, wo sich entstehender Rauch beim Aufsteigen in einem großen hohen Raum stark verdünnt, sodass konventionelle Melder an der Hallendecke erst sehr verzögert ansprechen. Hier zum Beispiel kann die videobasierende Detektion unterstützen und dem internen Alarmmanagement frühzeitig Entstehungsbrände melden.
Dass diese Technik derzeit die bewährte Meldertechnologie nicht in Gänze ablösen kann, ist auch dem Thema Wirtschaftlichkeit geschuldet. Für eine einzelne Kamera werden mittlere vierstellige Eurosummen aufgerufen. Und um einen Raum komplett zu überwachen, rät der Hersteller, mindestens vier Kameras je Raum einzusetzen. Serverräume scheinen eher nicht so gut für diese Anwendung geeignet, da man für zuverlässige Ergebnisse jeden Gang zwischen Racks extra überwachen müsste. Besser geeignet scheint die Technologie für Industrie- oder Lagerhallen oder andere große offene Bereiche in Gebäuden zu sein.
Spannend wird es sein, wie sich die Technologie weiterentwickelt. Noch immer werden detektionssichere und fehlalarmresistente Lösungen für die Außenüberwachung gesucht. Möglicherweise bahnt sich hier ein gangbarer Weg an. Weiterhin bleibt abzuwarten, inwieweit die Technik bei Feuerwehren und anderen Behörden Anerkennung finden wird. Wir bleiben dran.

