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Praxis

Immer Ärger mit den Türen

Ausgabe 24/2020
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Ausgabe 24/2020
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Treten Probleme sicherheitstechnischer Art auf einer Baustelle auf, handelt es sich häufig um Probleme rund um Türen, deren Funktionalität und das Zusammenspiel der sicherheitstechnischen Einrichtungen an diesen Türen. Nachfolgend haben wir einmal ein Pot-pourri von Baustellenerlebnissen rund um das Phänomen Tür aufgelistet, ohne dies groß zu kommentieren und ohne Rücksichtnahme auf projektspezifische Gegebenheiten, die das eine oder andere Beispiel vielleicht etwas (im positiven Sinn) relativieren würde.

Diese folgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern besitzt Beispielcharakter. Auf jeder Baustelle passiert schließlich erfahrungsgemäß irgendein Malheur, das in den 20 Projekten zuvor noch nicht vorgekommen ist:

  • In den neu gelieferten Türen eingebaute Komponenten wie Magnet- und Riegelkontakte entsprechen nicht der geforderten Qualität.
  • Es ist trotz monatelanger Lieferzeit nicht das geforderte Schloss eingebaut, sondern ein provisorisches (wg. Lieferzeiten, die noch länger sind als die der Tür?). Dies führt unter anderem dazu, dass die beteiligten und aufwendig zur Inbetriebnahme koordinierten Gewerke die geforderten Türfunktionalitäten nicht vollständig sicherstellen können.
  • Türen werden falsch herum eingebaut.
  • Die Montageorte von zwei gleichartigen doppelflügeligen Türen werden vertauscht, was zu einer Vertauschung von Stand- und Gehflügel führt.
  • Die Lieferung auf die Baustelle ist nicht vollständig oder fehlerhaft.
  • Türen werden über einen Spediteur („frei Bordsteinkante“) angeliefert, der diese aber dann nicht zum Montageort trägt. Die Monteure selbst kommen dann erst zwei Tage später.
  • Die Anschlusskabel der Einbauelemente sind zu kurz.
  • Mechanische Beschädigungen der Türen oder von Anbauteilen sind zu bemängeln.
  • Elektronische Einbauteile (Schlösser, Türöffner etc.) sind defekt.
  • Es erfolgt eine Nichtkommunikation der beteiligten Techniker oder Monteure in Bezug auf die Schnittstellen frei nach dem Motto „Meine Steuerung bzw. meine Technik ist in Ordnung, was die andere Seite der Schnittstelle mit meinen Signalen macht, ist mir egal“.
  • Keine gemeinsame Teilnahme der beteiligten Gewerke am Funktionstest. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit zumindest an Türen mit komplexer Funktionalität. Hier sind fast immer größte Überzeugungskünste seitens der Bauleitung erforderlich.
  • Bei Fehlern bzw. Fehlfunktionen ist grundsätzlich immer das andere Gewerk jenseits der Schnittstelle schuld.
  • Und dann muss am Ende noch mühsam der Dokumentation hinterhergelaufen werden.
  • Die Gründe für diese Fehlerproblematik sind vielfältig und liegen sowohl an der Komplexität der Thematik als auch an der Vielzahl der Beteiligten (Personen wie Technologien) und an dem Zusammentreffen zweier Welten – nämlich der Mechanik und der Elektronik.
  • Was kann man jetzt im Vorfeld tun, um die aufgezeigten Fehler und Probleme möglichst zu vermeiden? Ein paar Vorschläge:
  • Auf Seiten des Bauherrn und seiner Vertreter wie Sicherheitsplaner und Architekten darf nicht an Planungs- und Bauleitungsaufwand gespart werden.
  • Die gemeinsame Abstimmung der Türfunktionalitäten und die Festlegung der dazu benötigten Einbauteile (Magnet- und Riegel-kontakte, Kabelübergänge, Fluchttüröffner …) in einer Türliste, auch unter Einbeziehung des Bauherren und somit seiner Wünsche, ist dringend zu empfehlen. Auch Türdetails bzw. -ansichten bringen Klarheit in den komplexen Gewerkemix.
  • Neben einer vollständigen und koordinierten Planung ist vor allem auch die intensive Überwachung der Umsetzung unbedingt erforderlich.
  • Die Bauüberwachung sollte nicht nur telefonisch erreichbar, sondern im Idealfall vor Ort, das heißt unmittelbar am Montageort präsent sein, um so zeitnah wie möglich eingreifen zu können, auch bei kleinen Maßnahmen.
  • Dass Monteure die Baustelle verlassen, nur weil sie dem Trugschluss unterliegen, ihr Auftrag sei bereits abgearbeitet, obwohl das tatsächlich gar nicht der Fall ist, kommt leider häufiger vor als man denkt. Gegenmaßnahme: eine intensivere Bauüberwachung – auch wenn dadurch höhere Kosten entstehen können. Immerhin ist auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit, dass große Zeitverzögerungen bis zur fehlerfreien Inbetriebnahme entstehen, zumindest minimiert.
  • Es empfiehlt sich, bei der Auftragsvergabe an die beteiligten Gewerke die Thematik „Mitwirken an der Gesamtfunktionalität“ vertraglich zu verankern.
  • Selbst unter Berücksichtigung der Erkenntnis, dass natürlich kein Bauherr vorab hören will, dass mit einiger Wahrscheinlichkeit (Erfahrungswert) wieder was schiefgeht dürfte – warnen Sie ihn dennoch!

Aufgrund der vielen projektspezifischen Möglichkeiten, die Leistungen rund um die Tür zu vergeben und ausführen zu lassen, kann an dieser Stelle kein allgemeingültiges Vorgehen aufgezeigt werden. Für jedes Projekt ist daher eine Einzelfallbewertung unter Einbezug der Projektspezifika angeraten. Der Aufwand einer vorausschauenderen Planung – soviel lässt sich an dieser Stelle sagen – rechnet sich unter dem Strich.

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