Die Gesamtapplikation Zutrittskontrolle wird immer häufiger als Dienstleistung angeboten, längst nicht alle Lösungen spielen sich jedoch „in der Wolke“ ab. Nutzt ein Unternehmen eine Zutrittskontrollanlage mit den üblichen Komponenten wie Leser, die über Türcontroller mit Servern verbunden sind, Türbeschlägen oder Zylindern, die offline per Karte bedient werden, so war es bisher in der Regel üblich, die Softwareanwendung zur Zutrittsverwaltung auf Servern zu installieren, die am eigenen Standort, also neudeutsch „on premise“, betrieben wurden. Das Thema rund um Instandhaltung und Softwareaktualisierungen erledigte zumeist ein Dienstleister im Rahmen der jährlichen Wartung oder eben nach vertraglich vereinbarten Zeitintervallen und Leistungsumfang. Die Folge war bisher meist, dass ein geeigneter Standort insbesondere für Serverhardware gefunden werden musste. Die Themen rund um IT-Betrieb und Informationssicherheit galt es ebenfalls zu regeln.
Die Cloud verspricht hier Erleichterung: Im Unternehmen selbst befinden sich nur noch Leser und Beschläge, Hard- und Software werden nicht mehr benötigt. Denn die Softwareanwendung zur Zutrittsverwaltung und -organisation wird auf Servern des Herstellers der Zutrittskontrollanlage betrieben. Die Server wiederum befinden sich in einem oder mehreren Rechenzentren. Die Themen rund um die IT, also Softwareupdates und -upgrades, Patchmanagement und so weiter, erledigt der Hersteller für den Kunden. Es ist somit, falls gewünscht, nur noch eine Wartung der an der Tür verbauten Komponenten erforderlich.
Der Zugang zur Softwareanwendung und der Zugriff auf Rechte, Rollen, Nutzerdaten, Gebäude- und Türinformationen erfolgt per App oder browserbasierter Webanwendung. Zusätzliche Hardware in Form von Client-PCs wird obsolet. Mit Wartung von Servern sowie Aktualisierung von Betriebssystem und Anwendung selbst hat der Kunde somit nichts mehr zu tun.
Der Ansatz ist zeitgemäß, kommt so doch frischer Wind in die Sicherheitstechnik. Denn auch Start-Ups entdecken die Welt der Zutrittskontrolle für sich, nutzen offene Protokolle und entwickeln Schnittstellen zu Lesern und Offlinekomponenten etablierter Hersteller beziehungsweise bieten offene Anwendungsprogrammierschnittstellen (API) und Programmierwerkzeuge (SDK) an, um die Integration von Drittsystemen auf die eigene Software zu ermöglichen.
Um eine schnell funktionierende Zutrittskontrollanlage aus der Cloud zu implementieren, werden in der Regel Offlinekomponenten eingesetzt, da diese keine Verkabelung benötigen und somit der Installationsaufwand an den Türen überschaubar bleibt. Zudem wird das Konzept des „Network on Card“ respektive „Access on Card“ verfolgt, wobei die Berechtigungen aus der Cloud auf ein Smartphone mit entsprechender App übertragen werden. Das Smartphone dient nun als Identifikationsmerkmalträger, ersetzt also die Plastikkarte oder das Badge. Kommen Badges als Identifikationsmerkmalträger zum Einsatz, so können diese über Leser, die ggf. über Gateways mit der Cloud verbunden sind, aktualisiert werden. Im Übrigen werden die Zutrittsprotokollierungen der Türkomponenten auf denselben Kommunikationskanälen zurück in die Cloud übertragen.
Unserer Meinung nach sind diese Systeme als bereichernde Ergänzung innerhalb der Zutrittswelt zu sehen. Komplexe Schleusensteuerungen mit Gegentaktverriegelung, Türzustandsüberwachungen, Personenzählung etc. sind so nicht realisierbar. Wohl aber die Sicherung von Praxen, Kanzleien, kleineren Büroumgebungen, Ladenlokalen und all jene weiteren, bei denen keine komplexen Anforderungen zu lösen sind, sondern einfache Zutrittsorganisationen ermöglicht werden sollen, die über den Funktionsumfang einer mechanischen Schließanlage hinausgehen.
Doch auch hochkomplexe, große Zutrittskontrollanlagen, die sowohl aus Online-, als auch aus Offlinekomponenten bestehen, sind „As a Service“ betreibbar. Die Hersteller bieten hier unterschiedliche Modelle. Soll die Software zum Beispiel weiterhin „on premise“ auf Servern im Unternehmen betrieben werden, der IT-Betrieb jedoch weiterhin vom Hersteller bzw. Errichter erbracht werden, so wer-den hier inzwischen Wartungsverträge angeboten, die eine proaktive Wartung und Instandhaltung inkl. Sicherheits- und Softwareaktualisierung von Betriebssystem und Anwendungssoftware beinhalten.
Darüber hinaus bieten Hersteller auch an, die Software vollständig in deren Cloud zu betreiben. Für ein Unternehmen ergibt sich so oft ein Mehrwert durch die Möglichkeit einer Skalierbarkeit hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Funktionsumfang, Verfügbarkeit und auch durch Entlastung der eigenen IT-Administratoren. Doch auch für die Hersteller bietet sich durch die Cloud ein Mehrwert: Es müssen nicht viele verschiedene Kundenstandorte angefahren werden, um Softwareaktualisierungen und -anpassungen durchführen zu können. Es wird ein System gewartet, dass im Grunde viele Mandanten verwaltet. Dadurch ergibt sich auch hier möglicherweise ein Kostenvorteil für den Hersteller.
So funktioniert also die schöne neue Welt der Zutrittskontrolle? Die Antwort lautet: nein. Es gilt, sich ein paar zusätzliche Gedanken zu machen:
- Werden die gültigen Datenschutzbestimmungen eingehalten?
- Wie wird der Themenkomplex Informationssicherheit organisiert?
- Wie werden die IT-Services und -Prozesse organisiert?
- IT-Administration entfällt, IT-Vertragsmanagement rückt in den Fokus. Ist der Nutzer hier ausreichend personell aufgestellt?
Bietet die Cloud-Lösung den von mir gewünschten Funktionsumfang?
Fazit
Als Fazit kann festgehalten werden, dass Access-Control-as-a-Service aus der Cloud in Verbindung mit dem Smartphone als Identifikationsmerkmalträger insbesondere für kleinere Installationen und Unternehmen einen Mehrwert bietet und sicherlich auch Sicherheit und Flexibilität erhöhen. Für große Installationen sollte man sich über die nun zur Verfügung stehenden IT-Services für Zutrittskontrollanwendungen, die es letztlich sind, Gedanken machen und eine Kosten-Nutzen-Sicherheitsabwägung durchführen.

