Wenn wir über Perimeterschutz sprechen, denken wohl die meisten von uns an Stacheldraht, Zäune, Tore, Poller oder ähnliche massive und bisweilen martialisch anmutende Konstruktionen. Eigentlich bevorzugen wir stattdessen eine Umgebung, die ansprechend aussieht und gleichzeitig gut funktioniert und uns ein Gefühl von Sicherheit (soziologisch extrem wichtig) gibt. Zum Glück bildete sich im Laufe der Jahre in unserer Gesellschaft ein Bewusstsein dafür, dass Kunst und Technik nicht immer isoliert zu betrachten sind. Dabei ist gerade die Architektur ein perfektes Beispiel für die Chance, Kunst und Technik, Erscheinungsbild und Funktionalität miteinander in Einklang zu bringen.
Dies gilt nicht nur für die Gebäude, in denen wir uns aufhalten, sondern auch für die Infrastruktur, öffentliche Aufenthaltsräume, Einkaufsstraßen, Parks, Plätze für Großveranstaltungen und so weiter. Die Planung einer solcher Umgebung ist die Aufgabe eines Architekten bzw. eines Stadtplaners. Vielfach wird dabei jedoch die Sicherheit nicht genügend beachtet. Und wenn dieses Defizit dann erkannt wird, behilft man sich mit Improvisationen und zweifelhaften Sicherheitsmaßnahmen. Damit hat man die Chance auf eine Lösung im Sinne einer Harmonie zwischen Form und Funktion meist vertan.
Die konventionellen Lösungen – etwa die Installation von Pollern – haben sich als relativ effektiv bewiesen, genügen aber kaum ästhetischen Ansprüchen. Dass man sich heutzutage jedoch durchaus auch im Sicherheitsbereich anders schützen kann, beweisen interessante Produktentwicklungen verschiedener Hersteller. Mittlerweile sind auch Absperrmaßnahmen, die eine Verquickung von Altbewährtem mit neuer Optik anbieten, auf dem Markt erhältlich.
Ein gutes Beispiel dafür sind Poller, die zunächst als „Blumentopf“ mit echten Pflanzen oder gar als Straßenlaternen getarnt sind. Hier sind z. B. die Blumenkübel von Protection Cube (www.protection-cube.com) zu nennen. Die in der Abbildung zu sehende Installation von drei miteinander verbundenen Blumenkübel wurde sogar nach IWA 14-1:2013 (International Workshop Agreement, UK-Standard) getestet. Bei einem Anprall durch einen 7,2 Tonnen schweren LKW der Klasse N2A, einem Anprallwinkel von 90 Grad und einer Geschwindigkeit von 64 Stundenkilometern wird das Fahrzeug nach 5,7 Metern gestoppt.
Eine andere Möglichkeit im Perimeterschutz ist die Nutzung von „Straßenmöbeln“. Es gibt z. B. Sitzbänke der Firma Marschalls, die durch Massivität, hohes Eigengewicht bzw. Verankerung im Boden als Barriere gegen mögliche Fahrzeugangriffe genutzt werden können. Sie bietet diese Sitzbänke als modulare Systeme an, die nach Bedarf in verschiedenen Längen und Farben nach Wunsch hergestellt werden können. So verfügt z. B. die Sitzbank „Igneo“ über folgende Charakteristik nach der Norm PAS 68-2013:
- Bei einem frontalen Aufschlag, 90 Grad Anprallwinkel, durch einen 7,5 Tonnen schweren, voll beladenen zweiachsigen LKW der Klasse N2 mit einer Geschwindigkeit von 64 Stundenkilometer wird dieser LKW nach 3,7 Metern aufgehalten.
- Bei einem seitlichen Aufschlag wird er nach Herstellerangaben nach 3,5 Metern gestoppt.
Der Schutz-Blumenkübel „Rhinoguard Giove“, um ein weiteres Beispiel zu nennen, bringt nach Angaben des Herstellers einen unbeladenen 7,5 Tonnen schweren, zweiachsigen LKW der Klasse N2, der mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern und im 90-Grad-Winkel darauf prallt, nach 3,5 Metern „Bremsweg“ zum Stehen.
Weitere ansehnliche Schutzmöglichkeiten bieten sich an durch den Einsatz von Findlingen, Gabionen (steingefüllte Drahtkörbe), massiven und gut verankerten Kunstwerken oder durch eine dichte Bepflanzung. Diese Maßnahmen können abhängig von der Situation miteinander kombiniert werden, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.
Des Weiteren sollten wir die menschliche Psyche nicht außer Acht lassen: Wenn Personen Poller, Zäune oder ähnliche Barrieren sehen, denken sie unterschwellig automatisch an Gefahrenszenarios und meiden die so geschützten Bereiche. Dieses subtile Empfinden sollten Stadtplaner nicht unterbewerten. Durch ein ruhigeres, weniger martialisches Erscheinungsbild des Perimeterschutzes erzeugt man bei den Menschen dagegen eine angenehmere Atmosphäre – mit allen Vorteilen für eine lebenswerte Alltags- und Arbeitswelt.

