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Wasserschäden

Risikobeurteilung und Präventionsmaßnahmen

Ausgabe 14+15/2023
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Ausgabe 14+15/2023
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Unwetter und Starkregen

In der Vergangenheit kam es auch in Deutschland zu Unwetterkatastrophen, die erhebliche Schäden durch anhaltende Niederschläge verursachten. Wir erinnern uns an die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 in Deutschland mit einem Milliardenschaden und mehr als 180 Opfern. Diese extremen Ereignisse kommen zwar nicht allzu oft vor, aber die daraus resultierenden Schäden können extreme Auswirkungen haben.

Versicherungsschutz

Rein aus versicherungstechnischer Sicht heraus beschäftigt man sich eher mit Schäden durch Regen, die auch bei normalen Wetterlagen auftreten. Das sind meist verstopfte Regenfallrohre oder offene Fenster, die Schäden an Wand und Decke zur Folge haben. Hier greifen dann entweder die Gebäudeversicherung, die Hausratversicherung oder die private Haftpflichtversicherung bei Schäden beim Nachbarn. Durch Unwetter mit Starkregen kommt es immer häufiger zu Überschwemmungen, und es entstehen die sogenannten Elementarschäden, für die man dann allerdings eine gleichnamige Versicherung haben sollte. Dann ist man als Hauseigentümer auch auf Instandsetzungen und Situationen vorbereitet, die den normalen Finanzrahmen deutlich überschreiten. Wie die oben genannte Katastrophe gezeigt hat, sind durch anhaltenden Starkregen ganze Häuserzeilen hinweg-gespült worden. Derartige Schäden bedrohen sogar die Existenz der betroffenen Familien oder Firmen, wenn keine Elementarschadenversicherung abgeschlossen wurde.

Verträge gut studieren

Dennoch sollte jeder Firmen- oder Hauseigentümer auch das Kleingedruckte der Verträge lesen und mit seinem hoffentlich unabhängigen Versicherungsberater klären, was bei welchem Schaden die entsprechende Versicherung abdeckt.

Präventivmaßnahmen

Unabhängig von der Frage der Schadensabdeckung sind Präventivmaßnahmen zur Vermeidung von Schäden ein denkbarer Weg. Dabei gilt es zum einen, Schäden an Gebäuden durch austretendes Wasser technischer Einrichtungen und zum anderen von außen eintretendes Wasser durch Starkregen und Überschwemmungen zu vermeiden. Um sich in strukturierter Herangehensweise dem Thema zu widmen, bietet es sich an, folgende Fragen innerhalb der Risiko- bzw. Gefährdungsbeurteilung zu klären:

  1. Im Rahmen der Umfeldanalyse ist zu ermitteln, ob sich das Gebäude oder der zu begutachtende Gebäudeteil an einer topografisch ungünstigen Stelle befindet. Gemeint sind beispielsweise Überschwemmungsgebiete, Hanglagen mit Starkwasserpotenzial oder auch fehlende Versickerungsflächen durch extreme Bodenversiegelung. Es sind heute auch nicht mehr nur die versiegelten Flächen, die eine Versickerung im Boden verhindern, sondern auch land-wirtschaftlich genutzte Flächen wie Äcker und Felder, die bei Starkregen kein Wasser mehr aufnehmen können und fehlende Gräben dieses auch nicht mehr gezielt abfließen lassen. Wie bereits schon häufig vorgekommen, bilden sich daraus Wasser-Schlamm-Lawinen, die ein sehr hohes Schadenspotenzial bergen.
  2. Auch die Risiken aus gebäudeinternen Versorgungswegen sind zu berücksichtigen. Dazu gehören wasser-führende Leitungen durch zum Beispiel sensible Räume (Serverräume, elektrische Betriebsräume wie Unterverteilungen USV etc.), die nicht für die Versorgung der Räume angedacht sind. Ein Klassiker hierbei ist die im Nahbereich, direkt eine Etage darüber, gelegene Nasszelle, die bei Havarie eine unmittelbare Gefahr für die darunter befindlichen sensiblen Räume darstellt. Dabei spielen auch die Art und der Typ der entsprechenden Rohrleitung eine Rolle. Unendlich nachfließendes Wasser durch einen Hausanschluss mit einem hohen Durchsatz der Wassermenge ist kritischer zu sehen als eine mit wenigen Litern gefüllte Kaltwasserleitung innerhalb eines geschlossenen Systems zur Klimatisierung. Die zu erwartende austretende Wassermenge spielt hier die entscheidende Rolle.
  3. Aber auch die Selbstversorgung der kritischen Bereiche mit Wasser zur Kühlung, Klimatisierung oder auch Löschung ist gründlich zu prüfen. Gehen auch von diesen Leitungen Risiken aus? Sind die Leitungsführungen im Raum so gewählt, dass durch eine unmittelbare Leckage nicht gleich ein hoher Schaden entsteht?

Gegenmaßnahmen

Nach Offenlegung der Risiken sind nun Maßnahmen gefragt, die Abhilfe schaffen. Dabei spielen die konstruktiven und technischen Maßnahmen eine wichtige Rolle, wobei auch Detektionsmaßnahmen im Schadensfall eine schnelle Intervention ermöglichen können. Die folgende Auflistung potenzieller Maßnahmen ist nur exemplarisch und wird im speziellen Anwendungsfall sicher einige Änderungen erfahren.

Konstruktive Maßnahmen

  • Vermeidung von Hanglagen bei Neubauten
  • Ausbildung einer weißen oder schwarzen Wanne
  • Vermeidung von Gebäudeöffnungen an potenziellen Überschwemmungsbereichen
  • kritische Bereiche nicht unterhalb von Nassbereichen, WC oder Ähnlichen platzieren (falls doch vorhanden, ist eine Verlegung erforderlich oder erhöhter Aufwand an Abdichtmaßnahmen)
  • Schaffung von baulichen Barrieren zwischen der groben Technik (Wasserversorgung) und der feinen Technik (IT-Komponenten, z. B. in Racks), wie z. B. Sockel als Wassersperre,
  • Anpassung der Architektur des Gebäudes (nur beim Neubau möglich) auf die versorgungstechnischen Anforderungen, d. h. Bildung von Versorgungswegen und -gängen, die Kreuzungen mit sensiblen Räumen vermeiden (das Stichwort lautet „Kollektorgang“)
  • Schaffung von Auffangflächen- oder Räumen, wie beispielsweise Wannen oder Pumpensümpfe (Achtung: auf die Dimensionierung achten)
  • Platzierung geeigneter Ablaufmöglichkeiten wie Bodenabläufe im Raum
  • Ausreichend dimensionierte Dachentwässerung im Hinblick auf Starkregenereignisse
  • Nutzung von z. B. Treppenhäusern zur Entwässerung als Wasserfallstrecke
  • Trennung von Hausanschlussbereichen (Frischwasser) von beispielsweise Technikzentralen
  • Externe Begrünung auf Dachflächen verhindert den schnellen Ablauf des Wassers und bildet einen Puffer aus.

Technische Maßnahmen

  • Entwässerungspunkte im Gebäude so tief wie möglich setzen
  • Beim Einsatz von Rückschlagklappen in Abwasserrohren ist eine ständige Wartung erforderlich.
  • Suchen Sie den kürzesten Weg der Leitungsführung, vermeiden Sie dabei unnötige Biegungen oder auch Rohrverbindungen (jede Verbindung stellt eine Schwachstelle dar).
  • Bilden Sie geordnete Versorgungswege wasserführender Leitungen, also keine „Wild West-Verrohrung“.
  • Prüfen Sie die Rohrleitungen nach der Installation auf Dichtheit, z. B. durch Druckproben.
  • Achten Sie auf ausreichenden Korrosionsschutz bei korrodierenden Materialien.
  • Ständige Überwachung von Druckleitungen (z. B. Kaltwasser im geschlossenen System)
  • Leckagedetektion kritischer Leitungen oder Bereiche
  • Bildung von Absperrmöglichkeiten an kritischen Stellen, sodass Bereiche im Havariefall abgetrennt werden können
  • Bildung von risikoorientierten Schadensbereichen mit Abstellmöglichkeiten, um den Schadenfall so gering wie möglich zu halten

Organisatorische Maßnahmen

  • regelmäßige Begehung und Untersuchung gefährdeter Bereiche
  • Dokumentation von Schadensfällen und Ableitung von Gegenmaßnahmen
  • schnelle Intervention im Schadensfall (das bedingt Personal in räumlicher Nähe zum potenziellen Schadensort)
  • Interventions- und Maßnahmenplan im Schadensfall (Maßnahmenablauf auch tatsächlich trainieren, Schadenfälle simulieren)
  • Gefährdungspotenzial der technischen Systeme verstehen – Schulung des Sicherheitspersonals

Einen hundertprozentigen Schutz vor Unwettern kann und wird es nicht geben, der Umgang mit ihnen und die Entwicklung von Gegenmaßnahmen sind die künftigen Aufgaben, um einen funktionierenden Wasserschutz zu realisieren.

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