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Risikobewertung

Klimaerwärmung als Risikofaktor, Teil VI

Ausgabe 22/2020
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Ausgabe 22/2020
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Von den in Teil I genannten sieben Risiken in Bezug auf den Klimawandel wenden wir uns heute dem sechsten Risikokomplex zu:

  1. Meeresspiegelanstieg, Sturmfluten (Heft 3/2020)
  2. Hochwasser, Überschwemmung, Starkregen (Heft 5/2020)
  3. Sturm (Heft 8/2020)
  4. Gewitter, Blitzeinschlag (Heft 12/2020)
  5. Extremtemperaturen (Heft 20/2020)
  6. Anhaltende Trockenperiode
  7. Schnee

6. Risiko Anhaltende Trockenperioden

Langanhaltende Trockenperioden können die Versorgung mit Treibstoffen (große Mengen werden über Binnenschiffwege transportiert), aber auch die Funktion von Verdunstungskühltürmen beeinflussen. Manche Gebäudekomplexe oder Rechenzentren werden auch mit Flusswasser gekühlt, welches einen bestimmten Pegelstand und deshalb einen vorangegangenen Niederschlag voraussetzt. Deswegen ist das Risiko einer langanhaltenden Trockenperiode durchaus für einige Gebäudekomplexe sehr relevant.

6. 1 Vergangenheit in Zahlen

Schaut man sich die Entwicklung der jährlichen Niederschlagssummen in Deutschland im Zeitraum 1881 bis 2019 an, deutet der Trend darauf hin, dass die Gesamtregenmenge entgegen der subjektiven Wahrnehmung leicht zunimmt.

Ein Blick auf die Niederschlagsmengen in den Sommermonaten zeigt jedoch, dass sich dieser Trend ungleichmäßig verteilt. Die steigenden Niederschlagsmengen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Wintermonate, wohingegen die Niederschlagsmengen in den Sommermonaten leicht abnehmen (vgl. beide Grafiken).

Bild: Deutscher Wetterdienst, www.dwd.de
Bild: Deutscher Wetterdienst, www.dwd.de

6.2. Prognose

Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert, dass sich dieses Niederschlagsgefälle zwischen Sommer und Wintermonaten verstärken wird. Das heißt, wir müssen in Deutschland mit mehr Niederschlag im Winter und weniger Niederschlag im Sommer rechnen.

In konkreten Zahlen sieht die Prognose für das Jahr 2050 als Abweichung zum Normalwert (Zeitraum 1961-1990) folgendermaßen aus:

  • Wintermonate: ca. +30 Millimeter
  • Sommermonate: ca. -25 Millimeter

Für das Jahr 2100 prognostiziert der Deutsche Wetterdienst:

  • Wintermonate: ca. +60 Millimeter
  • Sommermonate: ca. -50 Millimeter

Fazit

In Deutschland steigt das Risiko, mit fortschreitendem Klimawandel über mehrere Jahre anhaltende niederschlagsarme Jahre zu erhalten, nicht an. Aber wir müssen damit rechnen, dass der Niederschlag weniger konstant über das Jahr verteilt fällt. Ein erhöhtes Risiko, dass unsere Trinkwasserspeicher aufgrund von zu wenig Niederschlag in Zukunft leerlaufen könnten, ist also nicht gegeben.

Das Risiko, dass Pegelstände von Flüssen eventuell nicht mehr für den Transport von Diesel oder die Entnahme von Kühlwasser zur Verfügung stehen, ist jedoch vielschichtiger. Hier spielen (je nach Gewässer unterschiedlich gewichtet) mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Schnee- und Gletscherschmelze
  • Wasserrückhaltefähigkeit von umgebenden Landflächen
  • aktuelle Niederschlagsmenge
  • vergangene Niederschlagsmenge

Da die Versiegelung von Flächen und die Entwässerung (Trockenlegung) von Flächen die Wasserrückhaltefähigkeit sehr beeinflussen und hier die Menschen in der Vergangenheit, aber auch derzeit, noch stark aktiv sind, verringert sich die Resilienz von Fließgewässern bzgl. schwankender Niederschlagsmengen stetig. Auch das allmähliche Verschwinden von Gletschern sowie der Rückgang von Gesamtschneemassen führt dazu, dass Flüsse nicht mehr so konstant einen Pegelstand halten können.

Wir empfehlen für Risikobetrachtungen, in denen die Niederschlagsmengen relevant sind, den in der Prognose genannten Aufschlag bzw. Abschlag vorzunehmen. Bei der Betrachtung von Flusspegelständen empfehlen wir, genauer hinzuschauen und die einflussgebenden Faktoren des Gewässers genauer zu betrachten. In der Regel muss man aber von länger anhaltenden und ausgeprägteren Extrempegelständen ausgehen.

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