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Risikobewertung

Klimaerwärmung als Risikofaktor

Ausgabe 23/2021
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Ausgabe 23/2021
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Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel werden in regelmäßigen Berichten des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) im Auftrag von 195 Regierungen dokumentiert und zusammengefasst. Diese Sammlung (Download unter www.ipcc.ch/srocc/download-report/) bietet somit für Entscheidungsträger und Risikoanalysten eine fundierte Basis für das Beurteilen von zukunftsorientierten Handlungsoptionen und Fragestellungen wie:

  • Sollen wir Standort A oder B für unser neues zukunftsorientiertes Rechenzentrum erwerben?
  • Ist Gebäude X für unsere neue Leitstelle die richtige Wahl?
  • Lohnt es sich in heutiger Zeit überhaupt, eine Landfläche in Küstennähe zu erwerben?

Bei all diesen Fragestellungen müssen zukünftige Entwicklungen vorhergesagt und bewertet werden.

Um die Zukunft vorherzusagen, betrachtet man in der Regel die Vergangenheit. Man wertet die bisher am zu untersuchenden Standort bzw. Gebäude aufgetretenen Ereignisse aus und macht entsprechende Wahrscheinlichkeitsaussagen für die Zukunft. Basis der Datenlage sind also lediglich auf vergangene Zeiten basierende Statistiken.

Wenn der ins Auge gefasste Zeitraum nicht allzu weit in die Zukunft reichen soll, ist diese Vorgehensweise auch nicht wirklich falsch. Je weiter man in die Zukunft schauen möchte, wird die Rechnung jedoch ohne korrigierende Faktoren zunehmend falsch. Bei Gebäuden oder Flächen können Zeiträume von 50 bis 100 Jahren durchaus relevant werden und es müssen Korrekturfaktoren ermittelt werden, die die zu erwartende zukünftige Entwicklung abbilden.

Für Deutschland hat der Sicherheits-Berater die notwendigen klimabedingten Risikoaufschläge für folgende Standortrisiken (Zeitraum 50 bis 100 Jahre) genauer beleuchtet:

  1. Meeresspiegelanstieg, Sturmfluten (Heft 3/2020)
  2. Hochwasser, Überschwemmung, Starkregen (Heft 5/2020)
  3. Sturm (Heft 8/2020)
  4. Gewitter, Blitzeinschlag (Heft 12/2020)
  5. Extremtemperaturen (Heft 20/2020)
  6. Anhaltende Trockenperiode (Heft 22/2020)
  7. Schnee (Heft 3/2021)

Die Ergebnisse fassen wir im Folgenden noch einmal zusammen.

1.   Meeresspiegelanstieg, Sturmfluten

Für Risikobetrachtungen bzgl. Meeresspiegelanstieg/Sturmfluten, die eine Entscheidung für die kommenden 100 Jahre untermauern sollen, sind Aufschläge für den zu erwartenden Pegelstand von einem bis 1,5 Meter zu addieren. Sollten längere Zeiträume in die Betrachtung einbezogen werden, so sind die Aufschläge mit 15 Millimeter pro zusätzliches Jahr zu erhöhen. Dies nimmt an, dass das Szenario RCP 8.5 des ICPP eintritt und sich der Meeresspiegelanstieg nicht exponentiell, sondern linear fortsetzt.

2.   Hochwasser, Überschwemmung, Starkregen

Die historische Datenbasis und die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes lassen keine verlässliche Aussage zur Entwicklung zukünftiger Starkregenereignisse in Deutschland zu. Aufgrund der Aussagen des IPCC muss man jedoch damit rechnen, dass es mit steigenden Temperaturen auch zu intensiveren und häufigeren Starkregenereignissen kommen wird. Ein allgemeingültiger und verlässlicher Risikoaufschlag kann an dieser Stelle jedoch nicht definiert werden. Auch dieses aus Lesersicht sicher enttäuschende Ergebnis müssen wir hier konstatieren. Wir verweisen jedoch darauf, dass der Risikoaufschlag je nach Standort und unter Einbeziehung von zukünftigen Entwicklungen (auch lokaler Landschaftsentwicklungen) individuell ermittelt werden muss.

3.   Sturm

In Wettermodellen mit unterschiedlichen Auswerte- und Skalierungsparametern wurde die Auswirkung des Klimawandels auf die Sturmaktivität für die nächsten 80 Jahre modelliert. Ergebnis war in einigen ungenauen Modellen eine gleichbleibende Sturmaktivität. Genauere Modellrechnungen ergaben jedoch, dass insbesondere in den nördlichen und östlichen Bereichen Deutschlands die Sturmaktivität um ein bis acht Prozent zunehmen könnte. Grund hierfür ist der höhere Temperaturgradient im Atlantik. Der durch den Klimawandel wärmere Ozean trifft auf die durch die Eisflächen gekühlte Polarregionen. Diese Grenzregion verschiebt sich durch die schwindenden Eismassen Richtung Norden, wodurch auch die Winterstürme weiter nördlich über Europa ziehen. Durch eine schnellere Zuggeschwindigkeit der Stürme wird vermutet, dass der Osten Deutschlands häufiger durch starke Stürme getroffen wird, als es in der Vergangenheit der Fall war.

Für Regionen in Nord- und Ostdeutschland empfehlen wir für langfristige Projekte (bis zu 100 Jahre) einen Risikoaufschlag für Sturmgefahren von 5 bis 10 Prozent zu erheben.

4.   Gewitter, Blitzeinschlag

Gewitterdaten werden in Deutschland erst seit 17 Jahren systematisch erfasst. Die gesammelten Daten (Blitzeinschläge pro Jahr) sind extremen Schwankungen unterworfen und lassen keinen Trend erkennen. Untersuchungen zum Gewitter und Hagelpotenzial in Mitteleuropa lassen einen stetigen Anstieg im Zeitraum 1978 bis 2009 erkennen. Klimamodellsimulationen, die das Gewitterpotenzial für die Jahre 2021 bis 2050 für Deutschland prognostiziert haben, ermitteln ein signifikant erhöhtes Gewitterpotenzial im Süden und Nordwesten Deutschlands.

Wir empfehlen einen Risikoaufschlag von fünf Prozent für ganz Deutschland und einen Aufschlag von 10 bis 15 Prozent für den Süden und Nordwesten Deutschlands.

5.   Extremtemperaturen

Die Vergangenheit zeigt, dass die Mitteltemperaturen im Sommer und im Winter insbesondere in den letzten Jahrzehnten stark ansteigen. Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass auch die Extremwerte entsprechend nach oben gehen werden.

Sommermonate
Wir empfehlen für Risikobetrachtungen, für die Auslegungstemperatur empfindlicher Maschinen, aber auch für Höchsttemperaturen, einen Temperaturaufschlag vorzunehmen: Für extreme Maximaltemperaturen würden wir drei bis sechs Grad Celsius Aufschlag (je nach Betrachtungszeitraum) berechnen.

Wintermonate
Für extreme Minimaltemperaturen ergibt sich umgekehrt, dass sich das Risiko in Zukunft eher minimieren wird. Da die Maschinen jedoch auch bei der Inbetriebnahme funktionieren müssen und nicht erst in 50 bis 100 Jahren, empfehlen wir, hier keine Erhöhung der entsprechenden Tiefsttemperaturen vorzusehen.

6.   Anhaltende Trockenperiode

Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert, dass sich das Niederschlagsgefälle zwischen Sommer und Wintermonaten verstärken wird. Das heißt, wir müssen in Deutschland mit mehr Niederschlag im Winter und weniger Niederschlag im Sommer rechnen.

In konkreten Zahlen sieht die Prognose für das Jahr 2050 als Abweichung zum Normalwert (Zeitraum 1961-1990) folgendermaßen aus:

  • Wintermonate: ca. +30 Millimeter
  • Sommermonate: ca. -25 Millimeter

Für das Jahr 2100 prognostiziert der Deutsche Wetterdienst:

  • Wintermonate: ca. +60 Millimeter
  • Sommermonate: ca. -50 Millimeter

Der Deutsche Wetterdienst benutzt für seine Prognosen das Emissionsszenario A1B.

In Deutschland steigt das Risiko, mit fortschreitendem Klimawandel über mehrere Jahre anhaltende niederschlagsarme Jahre zu erhalten, nicht an. Aber wir müssen damit rechnen, dass der Niederschlag weniger konstant über das Jahr verteilt fällt. Ein erhöhtes Risiko, dass unsere Trinkwasserspeicher oder Böden aufgrund von zu wenig Niederschlag in Zukunft leerlaufen könnten, ist also nur bei schlechtem Wassermanagement gegeben.

7.   Schnee

Man muss davon ausgehen, dass sich der Trend (weniger Frosttage und mehr Niederschlag im Winter) aus der Vergangenheit in der Zukunft fortsetzen wird. Das bedeutet, die Frosttage werden bis zum Jahr 2100 auf durchschnittlich 50 Frosttage pro Jahr sinken und die Regenmenge im Winter wird um 32 Millimeter zunehmen.

Insbesondere in höher gelegenen Lagen, bei denen auch in Zukunft damit zu rechnen ist, dass es längere Perioden mit Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes gibt, schlägt die erhöhte Niederschlagsmenge im Winter stärker ins Gewicht und erhöht hier das Risiko von schädigenden Ereignissen. Diese Risikoerhöhung betrifft auch niedriger gelegene Gebiete, da durch nächtlichen Schneefall und das tagsüber bestehende Aufschmelzen der Schneeschicht eine dichtere Schneepackung entsteht als bei durchgängigen Frosttemperaturen.

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