Umbauten und Nutzungsänderungen in Bestandsgebäuden erfordern bisweilen ein Überdenken der oft behördlich abgestimmten Flucht- und Rettungswegsituation. Geänderte Fluchtwegeführung oder Personenzahlen erfordern hier oft Anpassungen im gesamten Verlauf eines Flucht- und Rettungsweges. In erster Linie denkt man, wenn man von solch einer Problemstellung betroffen ist, an bauliche Maßnahmen, wie das Verbreitern von Fluchtwegen, Türen und Notausgängen. Die Möglichkeiten hier stoßen jedoch schnell an ihre Grenzen, wenn räumliche oder statische Zwänge dem Änderungswillen Grenzen setzen. Man könnte auch sagen: Beton schafft Tatsachen.
Kreatives Querschnittsdenken ist gefragt (vgl. hierzu auch die Sonderpublikation des Sicherheits-Berater in Heft 17/2019). Das gelingt umso besser, je mehr man mit den bewährten, aber auch den modernen, Möglichkeiten und Optionen vertraut ist. Denn es ist eine bewährte Gewohnheit, dass nicht immer alles genau und einhundertprozentig nach den einschlägigen Normen, Richtlinien und Vorgaben gebaut oder realisiert werden kann – sei es auf Grund von ästhetischen Befindlichkeiten, besonderen technischen Anforderungen oder Zwängen aus einer Bestandssituation heraus. Der Zauberbegriff heißt „kompensatorische Maßnahme“ – also über den Tellerrand blicken, Querschnittswissen bereitstellen und teilen sowie Schutzziele kennen und alternative Lösungswege erkennen und abstecken.
Zurück zum Thema: Oft gelingt es, Anforderungen an Fluchtwegebreiten signifikant zu reduzieren, indem man die Anzahl der gleichzeitig flüchtenden Personen reduziert. Wie gelingt das jedoch bei feststehender oder gar vergrößerter Personenanzahl? In Gebäuden mit einer automatischen Brandmeldeanlage und Alarmierung kann die Alarmgabe beispielsweise sequenziell erfolgen: Zuerst alarmiert man das Geschoss der Brandentstehung. Als Nächstes ist das darüber liegende Geschoss an der Reihe. Es folgt das darunter liegende Goschoß und so weiter. Die Folge ist, dass nicht alle Leute auf einmal am Notausgang stehen, weil nicht alle gleichzeitig die Treppe herunterrennen.
Die Projektierung hierzu erfolgt heute üblicherweise mit Software-Tools, die an Hand der vorgegebenen Grundrisse, Nutzungsarten und Personenzahlen verschiedene Varianten zu Flucht- und Rettungsweg-Konstellationen ausgeben und die Planung normgerecht dokumentieren.
So weit, so gut, doch was ist mit Gefahrensituationen, die für alle gleichzeitig auftreten, z. B. bei einer Bombendrohung? Hier kann das Konzept der dynamischen Fluchtwegelenkung hilfreich sein, die technischen Möglichkeiten hierzu sind mittlerweile erprobt und genießen steigende Akzeptanz bei den entsprechenden Behörden und Bauämtern.
Das Thema Smart Building bietet hier weitere interessante Optionen, die allesamt nicht mit Spielzeug wie Alexa & Co. in einen Topf geworfen werden dürfen. Intelligente Gebäude- und Sicherheitstechnik, die dynamisch funktioniert und viele Gebiete und Themen
miteinander vernetzt, ist in solchen Fällen gut in der Lage, bauliche Unzulänglichkeiten zu kompensieren.

