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Evakuierung

Ursache: „Zu scharf angebraten!“ Live erlebt

Ausgabe 12/2022
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Ausgabe 12/2022
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Nach einem ereignisreichen und arbeitsintensiven Arbeitstag machte ich mich wie viele andere auf den Weg nach Hause. Als Nutzer eines bundesweit operierenden Verkehrsunternehmens befand ich mich also auf dem Dresdener Hauptbahnhof, als zunächst ein Sirenenton und dann die Sprachalarmanlage alle Reisende aufforderten, den Bahnhof auf dem kürzesten Weg zu verlassen. Mir sind in dem gesamten Prozess angefangen von der Alarmierung bis zum Abschluss des Einsatzes (auch durch Gespräche mit den Verantwortlichen) einige Aspekte aufgefallen, die durchaus auch für die eigene Notfallplanung bei Alarmierung im Unternehmen überprüfenswert sind (man muss ja nicht immer den Test auf Grund von tatsächlichen Ereignissen durchführen … ):

  1. Positiv auffallend war der bereits fünf Minuten nach dem erstem Signalton beginnende Einsatz von Feuerwehr und Polizei. Unaufgeregt wurden die notwendigen Aufgaben abgearbeitet und nebenbei sogar die fragenden Personen transparent und charmant informiert.
  2. Warum sich vom Hauseigentümer bzw. Betreiber des Bahnhofs weit und breit kein Personal vor Ort blicken ließ, konnte ich selbst auf Nachfrage bei einem nach Minuten aufgefundenen Mitarbeiter nicht herausfinden: „Wir sind auch nur Mitarbeiter des Hauses, die bei Brandalarm das Gebäude verlassen müssen!“ war die Antwort. Warum sorgt man nicht im Rahmen einer Notfallplanung dafür, dass das Personal mit Kommunikationsmitteln ausgestattet wird, um sich untereinander und fragenden Reisenden Rede und Antwort zu stehen?
  3. Und eines habe ich in diesem Zusammenhang gelernt: Wenn ich selbst als Fahrgast auf dem Bahnhofsgelände auf Gefahrensituation aufmerksam machen möchte, benötige ich eine Telefonnummer, unter der ich das melden kann. Bei zentralen Rufnummern oder Mailadressen lande ich in einer Leitzentrale, die dann folgende Rückmeldung gibt: „Vielen Dank für Ihre Nachricht. Damit Ihr Anliegen vollständig bearbeitet werden kann, haben wir Ihre Nachricht weitergeleitet an: … “ Bei Gefahr im Verzug natürlich ein superschnelles Verfahren! Vorschlag: Den Fahrgästen sollten vor Ort individuelle Notrufnummern kommuniziert werden.
  4. Und interessanterweise beobachtete ich in Dresden, wie immer noch mindestens 10 Personen erst nach ca. 20 Minuten nach Alarmierung den Gebäudekomplex verließen. Auf Nachfrage teilten mir diese mit, dass sie die auf der gegenüberliegenden Straßenseite (der langen IC/ICE-Bahnsteige) befindliche Treppe zum Bahnsteig genutzt hatten und sich nach einigen Minuten gewundert hatten, dass sie allein waren. Hinweis: Sperrung heißt die Absicherung aller Zugänge! Und der Betreiber muss eigentlich da-für sorgen, dass alle Bereiche leergeräumt sind. Bei öffentlich genutzten Gebäuden kann dies nicht alleinige Aufgabe der Feuer-wehr und Polizei sein. Nicht auszumalen, was bei Personenschäden durch einen offenen Brand hätte passieren können!
  5. Die Kontrolle über die Evakuierung übernahmen die Nutzer der Geschäfte und Restaurationen für ihre Bereiche. Eine Überprüfung von Aufzügen und Rolltreppen fand jedoch augenscheinlich nicht statt.
  6. Der Zugverkehr war eingestellt. Warum auch hier nicht im Krisenfall das Personal des Verkehrsunternehmens mit mobilen Geräten ausstatten, sodass diese als Ansprechpartner die Reisenden informieren können? So hätten die Fahrgäste zum Beispiel erfahren, dass Züge vor dem Ereignisort umkehrten, aber alternativ mit Bussen und Trams erreichbar gewesen wären. Dass dem so ist, liegt laut einem netten Interview mit Bahnmitarbeitern daran, dass die Kompetenzen leider in unterschiedlichen Tochterunter-nehmen separiert sind. Zielführende Konzepte seien schwer umsetzbar …
  7. Der Gag am Ende des Einsatzes war, dass die Fahrplananzeigen an den einzelnen Bahnsteigen zeitaktuell weiterliefen, obwohl der Zugverkehr fast 40 Minuten lang eingestellt worden war. Kooperierende Nutzer sorgten dafür, dass das Personal telefonisch bei den Netzzentralen den Status abfragten und dann sich die Reisenden untereinander über die fahrenden Züge informieren konnten. Digitalisierung im 21. Jahrhundert.
  8. Die Feuerwehr teilte am Ende mit, dass das Küchenpersonal in einem Schnellrestaurant die Burger zu scharf angebraten hatte und durch den Rauch ein Brandmelder ausgelöst hatte. Die Frage, die ich mir dann gestellt habe, wie konnte ein Brandmelder den Alarm auslösen? Oder hat man den falschen Melder (für Küchenbereiche) eingebaut? Oder hat das Personal aus Unwissenheit gleich einen Handfeuermelder ausgelöst, der direkt zur Feuerwehr durchgeleitet wird? Ich hoffe, das Ereignis führt dazu, den vorhandenen technischen Status zu überprüfen. Und sich auch über das Thema Unterweisung und Schulung mit allen Nutzern zu verständigen.

Ich konnte am Ende mit 40 Minuten Verspätung den Bahnhof verlassen. Und, wunderbar, am Ende war ich sogar pünktlich zu Hause, da wie von Zauberhand das fahrende Personal über 20 Minuten Verspätung auf der ca. 140 Kilometer langen Strecke einholen konnte. Da sieht man einmal, welches Reservepotenzial zum Aufholen von Verspätungen existiert. Aber dies ist ein anderes Thema …

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