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Radioempfang

Bei Stromausfall an der Kurbel drehen

Ausgabe 21/2021
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Ausgabe 21/2021
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Nach der Flutkatastrophe des letzten Sommers stieß der Autor dieses Beitrags im (physischen) Verkaufsregal eines bekannten Elektronikversandhändlers vor Ort auf ein Radio, das sich unabhängig vom Stromnetz betreiben lässt: das SURVIVOR DAB von SANGEAN. Das Radio lässt sich, so lautete das Versprechen, per Sonnenkollektor oder per Kurbelbetrieb (Dynamo) völlig unabhängig vom Stromnetz für den DAB+- und UKW-Empfang betreiben. Auf Anfrage stellte der Hersteller dieses Modell der Redaktion zu Testzwecken zur Verfügung.

DAB steht für Digital Audio Broadcasting. Da DAB schon 2016 abgeschaltet wurde, müsste die Modellbezeichnung eigentlich korrekt auf DAB+ lauten. Nun gut, DAB steht drauf, die Nachfolge-Sendetechnik DAB+ steckt aber nachweislich drin. Auf der Online-Produktseite von SANGEAN steht denn auch zumindest im Kleingedruckten „Survivor DAB (MMR-88DAB+)“.

Zum Thema DAB+ und Sicherheit heißt es auf www.deutschlandradio.de: „Der Radioempfang und eine Übertragung von Informationen ist mit DAB+ auch möglich, wenn im Krisen- und Katastrophenfall Handynetze überlastet sind oder teilweise abgeschaltet werden. Dann ist (digital) terrestrischer Empfang für die Information der Bevölkerung unerlässlich. Der Verkehrsfunk wird schneller und präziser und leistet damit einen Beitrag zur Verkehrssicherheit.“

Darüber hinaus bietet das Gerät auch den UKW-Empfang. Kürzlich übersetzte der Sicherheits-Berater den Wellenbereich UKW statt mit Ultrakurzwelle mit „Universeller Krisen-Warner“ (Heft 18/2021, S. 331). Es ist zu hoffen, dass der UKW-Empfang uns noch lange erhalten bleibt – die Diskussionen über eine Abschaltung bzw. den Abschaltungstermin werden derzeit noch kontrovers geführt.

Das Gerät erreichte uns ordentlich verpackt im Originalkarton, der zusätzlich ein USB-Ladekabel, eine Handschlaufe, einen LithiumIonen-Akku mit 850 mAh Ladekapazität sowie alle nötigen Unterlagen (Sicherheitshinweise, Konformitätserklärung, deutschsprachige Kurzanleitung) enthielt. Eine ausführliche deutschsprachige Bedienungsanleitung findet sich auf der Herstellerseite.

Das Gerätegehäuse besteht aus Kunststoff mit gummierten Seitenteilen und Bedienknöpfen. Es macht einen robusten und gut verarbeiteten Eindruck. Vor dem ersten Gebrauch ist der Akku in das Batteriefach einzulegen. Die Kapazität von 850 mAh ist allerdings kaum noch zeitgemäß – vor allem vor dem Hintergrund, dass das Radio bzw. der Akku auch als kleine Powerbank nutzbar ist und seine Energie über USB-Kabel z. B. an ein Smartphone liefern soll. Hier ist also der Austausch gegen einen Akku mit höherer Ladekapazität zu empfehlen (und laut Nachfragen bei SANGEAN auch möglich).

Laut Bedienungsanleitung soll der Ladevorgang nach ca. zwei Stunden beendet sein. Die Ladelampe hörte allerdings im Test auch nach zwanzig Stunden nicht auf zu leuchten. Der Ladestatus ließ jedoch durch Einschalten des Radio einfach feststellen: Im Display wird ein Ladesymbol mit drei Balken (wie man es vom Smartphone kennt) angezeigt. Hinweis: Wir haben den Akku mittels beiliegendem USB-Ladekabel an eine handelsübliche Netzsteckerleiste mit integriertem USB-Eingang geladen. Alternativ bietet der Hersteller gegen Aufpreis auch ein Netzteil zum Laden an. Laut Hersteller soll damit ein Radiobetrieb bis zu zehn Stunden Dauer möglich sein. Sechs Stunden können wir bestätigen, danach haben wir abgeschaltet.

Wir sind von dem wahrscheinlichen Fall ausgegangen, dass ein Notfallradio nur im Notfall benutzt wird und niemand dann die Muße findet, die Bedienungsanleitung zu studieren. Nach dem Laden des Akkus hat der Autor das Gerät daher einfach zur Hand genommen, eingeschaltet und die diversen Einstelltasten ausprobiert. Wenn man auf die Programmierung der Senderwahl, des Weckers oder der Abschaltautomatik verzichten kann, dürften das Aufladen, die Lautstärkenregelegung, die manuelle Senderwahl oder die Wahl zwischen FM- oder DAB+-Empfang jedermann intuitiv gelingen.

Die Taste zum Einschalten der LED-Lampenfunktion erklärt sich ebenfalls von selbst und funktioniert selbst bei ausgeschaltetem Radio. Allerdings muss man (dann doch aus der Bedienungsanleitung) wissen, dass die Umschaltung auf die Morsefunktion der Lampe ausschließlich bei eingeschaltetem Radio gelingt. Dass die Miniklinkenbuchse für das Einstecken eines Stereokopfhörers gedacht ist, dürfte ebenfalls bekannt sein.

Das Senderwahldisplay hätte man sich in jedem Fall deutlich größer gewünscht – ohne Lesebrille haben weitsichtige Zeitgenossen kaum eine Chance, mitlaufende DAB+- bzw. UKW-RDS-Infos (z. B. Verkehrsnachrichten) lesen zu können.

Die Aufladung mittels Sonnenkollektor gelang auch mit Oktobersonne – das Gerät muss dazu nicht eingeschaltet sein. Die Aufladung mittels Kurbel bzw. Dynamo funktionierte ebenfalls tadellos. Sie stellte sich jedoch als ziemlich sportliche Herausforderung dar – man muss schon einen spürbaren Widerstand überwinden. Zum Glück liegt das Radio mit seinen kompakten Ausmaßen (152 x 83,6 x 69,8 mm) gut in der Hand. Laut Bedienungsanleitung bringt ein einminütiges Drehen (mit zwei Umdrehungen pro Sekunde) fünf Minuten Betriebsdauer. Unser Test bestätigt dieses Ergebnis.

Der DAB+-Empfang funktioniert auch in geschlossenen Räumen und ohne Ausziehen der für den UKW-Empfang bestimmten Antenne einwandfrei – zumindest im innerstädtischen Bereich. DAB+ ist theoretisch nahezu flächendeckend in ganz Deutschland zu empfangen (in Sachsen z. B. bis zu 99 Prozent, vgl. www.mdr.de, Kurzlink https://bit.ly/3FklHUr ). Wer Zweifel hegt, ob er vielleicht in einem Empfangsloch lebt, kann das auf www.dabplus.de/empfang postleitzahlgenau nachprüfen. Das ist und bleibt aber blanke Theorie, die individuellen Empfangserfolge sind insbesondere in Innenräumen stark von der Bauweise des jeweiligen Gebäudes und der Nachbarschaft abhängig. Die hier auftretenden individuellen Störgrößen, kann das genannte Internetportal nicht abbilden.

Eine Darstellung, welche Programme wo empfangbar sind, sind ist im Rahmen dieses Beitrags nicht zu leisten. Der föderale Flicken- bzw. Senderteppich lässt eine übersichtlich-knappe Darstellung nicht zu. Es gibt aber auf Wikipedia eine „Liste der DAB-Sender in Deutschland“.

Das Kurbelradio SURVIVOR DAB war das einzige Emergency-Modell im Regal des oben erwähnten Elektronikversandhändlers. Wir sind – auch nach dem Schnelltest – geneigt, dies als Qualitätsaussage zu werten. Eine durchaus subjektive Erfahrung eines Redaktionsmitgliedes bescheinigt allerdings, dass ein Gerät des genannten Herstellers seit vielen Jahren zuverlässig in der Küche seinen Dienst tut. Es handelt sich dabei um einen Klon der sehr hochpreisigen Tivoli-Radios. Wir wollen aber auch nicht verschweigen, dass eine Internetrecherche nach dem Stichwort „Kurbelradio“ deutlich preisgünstigere Konkurrenzprodukte, zu deren Qualität wir jedoch keine Aussage treffen können, bringt.

Das orangefarbene Radio SURVIVOR DAB (bitte nicht verwechseln mit dem optisch sehr ähnlichen SURVIVOR M8 mit in Deutschland nicht mehr nutzbarem Mittelwellenempfänger) gibt es auch in (etwas teuererer) Tarnoptik – was für den Adventure-Einsatz Sinn machen mag, nicht aber für den Notfalleinsatz. Das orangefarbeneEs kostet im Webshop von SANGEAN 129,00 Euro (www.sangeanshop.eu/en/survivor-dab-mmr-88dab). Der Vertriebsmanager schickte uns einen Discount code für unsere Leser: „sicherheit2021“ (ohne Anführungszeichen). Dies soll den Preis bei Bestellung im Webshop um 20,- Euro verbilligen. Auch sollen Käufer nach Registrierung eine fünfjährige Garantie erhalten.

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