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RZ-Planung

KPI – nur Mogelei?

Ausgabe 7/2023
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Ausgabe 7/2023
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Hinweis: Wenn Sie das vorgenannte Akronym in Englisch aussprechen, ergibt die Überschrift einen Reim. Das tut aber nichts zur Sache.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob das so moderne und häufige Arbeiten mit KPIs (Key Performance Indicators oder deutsch: Leistungskennzahlen) nicht auch nach hinten losgehen kann? Das Sprichwort mit der Statistik, die man selbst gefälscht hat, kennen wir schließlich alle. Im Rechenzentrumsbereich ist der bekannteste KPI wahrscheinlich der PUE (Power Usage Effectiveness). An diesem Beispiel soll einmal betrachtet werden, wie sinnvoll generell das Arbeiten mit Kennzahlen sein kann und wo manipuliert, schöngerechnet und frisiert werden kann.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen wissen, wie schnell Sie beim Joggen sind. Wie machen Sie das? Sie messen die Zeit, in der Sie eine bestimmte Strecke zurücklegen, zum Beispiel einen Kilometer. Psychologen sagen, dass allein die Tatsache, dass ein solcher Mess-wert erfasst wird, das Ergebnis beeinflusst. Bewusst oder unbewusst sorgen wir dafür, dass wir in unserem Bemühen um Optimierung schneller laufen, als wir dies ohne Zeitmessung tun würden. Insofern ist es wohl so, dass eine Zahl, sobald sie zur Kennzahl „ernannt“ wird, schon untauglich sein könnte, um objektive Ergebnisse zu erzielen.

So wird es wohl auch beim PUE funktionieren, denn kein Rechenzentrum und keine Infrastruktur ist so schwarz und weiß, wie es die beiden relevanten Faktoren (Gesamtenergieverbrauch und Energieverbrauch IT), die zur PUE-Ermittlung zu dividieren sind, in der Theorie vorgeben.

Was genau ist dem einen oder dem anderen zuzuordnen? Die Umluftkühler sind doch klassische Vertreter der Klimatechnik. Aber sie stehen doch im IT-Raum! Also werden sie gern einmal ungeniert der IT zugeschlagen, genau wie die USV-Technik, die sich doch neben oder gar in den Serverracks befindet. Oder Lüfter im Rack, die wegen schlechter Bedingungen erforderlich sind, um die Klimatisierung zu unterstützen und Luft durch die Racks treiben: Was ist da der Unterschied zwischen den Lüftern, die in den PCs und Servern stecken – sie tun doch beide das Gleiche? Also alles IT! Solch absurde Diskussionen sind beim Thema PUE leider an der Tagesordnung.

Um Rechenzentren energetisch besser aufzustellen, ersetzen die Verantwortlichen gern alte energieintensive IT-Hardware durch neue Geräte mit besseren Wirkungsgraden und entsprechend niedrigen Energieverbräuchen. Tut man gleichzeitig aber nichts an der Klimatechnik, kann ein solches Vorgehen den PUE durchaus verschlechtern. Denn wenn sich der Energiekonsum der modernen IT-Geräte nun um einen bestimmten Faktor reduziert, tut er das bei der Klimatechnik, die fortan nicht mehr in ihren Auslegungsparametern und damit oft mit einem verschlechterten Wirkungsgrad läuft, möglicherweise auch, aber nicht im gleichen Maße.

Insofern steht man nun schlechter da als vorher, obwohl man auf der Serverseite Energie einspart. Zugespitzt führt also alte energie-fressende IT-Hardware in Verbindung mit einem passenden, ebenso energiehungrigen Klimasystem zu einem ausgewogenen und optisch guten PUE.

Man könnte dieses Problem angehen, indem man strenger definiert, was dem Zähler und was dem Nenner in der PUE-Rechnung zuzuordnen ist. Jedoch sind, wie oben schon festgestellt, Infrastrukturen und technische Anlagen oft so komplex, dass man, wenn man jeden Einzelfall darstellen wollte, ein schier endloses Dokument erarbeiten müsste. Auch sind die Verantwortlichen, die diesen PUE bestimmen und letztendlich festzustellen haben, oft in einem Interessenkonflikt gefangen. Jeder Betreiber wird bemüht sein, den PUE möglichst günstig aussehen zu lassen, um im Wettbewerb gut dazustehen. Nun könnte man das wieder hinnehmen und sagen, dass gerade dadurch eine Regulierung stattfindet, da alle in dieselbe Richtung bemüht sind zu arbeiten. Irgendwann hätten wir dann getrieben durch den Wettbewerb einen PUE von beispielsweise 0,8, der bescheinigt, dass das gesamte RZ weniger Energie verbraucht, als es die Server tun (Eigenerzeugung natürlich nicht mitgerechnet). Das käme aber der Freigabe des Dopings im Sport gleich, nach dem Motto „Wenn alle mitmachen, ist es wieder objektiv“. Auch keine Option.

Der PUE soll aber hier auch nicht als hoffnungsloser Versuch dargestellt werden, der an allen Stellen ausgehöhlt und missbraucht wird. Glaubwürdigkeit und Gewicht bekommt er oft erst durch das Hinzuziehen neutraler Beobachter und Auditoren, die ihrem Auftraggeber eine objektive Betrachtung schulden. Hier bahnt sich jedoch bereits der nächste Interessenkonflikt an, aber das ist ein neues Thema …

Schwerpunkte:

Ausgabe 7/2023
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