Oft wird bei Sicherheitskonzeptionen über die mechanische Ausprägung der Barrieren an der Grundstücksgrenze heiß diskutiert:
- Welche Höhe soll der entsprechende Zaun haben?
- Soll er erweitert werden um Übersteig- oder Untergrabschutz?
- Soll Stacheldraht oder gar Nato-Draht zur Anwendung kommen?
Diese Fragen werden oft sehr emotional und subjektiv erörtert, ohne die wirklichen Schutzziele und Funktionen des Zaunes vor Augen zu haben. Dieser Beitrag soll helfen, das Thema etwas geradezurücken und angemessen, pragmatisch und schutzzielorientiert vorzu-gehen.
Meist werden Zäune an der Grundstücksgrenze errichtet. Ihre primäre Funktion ist dann automatisch das Aufzeigen einer juristischen Grenze, sprich demjenigen, der sich einem Gelände von außen nähert, soll signalisiert werden, dass es hier eine Grenzlinie gibt, deren Überschreiten durch den Grundstückseigentümer nicht gewünscht ist. Zufälliges oder leichtfertiges Betreten wird somit wirksam behindert. Das versteht fast jeder.
Die spezielle Ausprägung eines Zaunes hat natürlich Einfluss auf den Widerstandswert: So besitzt ein Maschendrahtzaun geringer Höhe natürlich einen geringeren Widerstandswert als ein stabiler Stabgitterzaun oder die populäre Doppelstabmatte mit einer Höhe von zwei Metern und mehr. Kommt ein abgewinkelter Übersteigschutz hinzu, erhöht sich der Widerstandswert nochmals.
Es stellt sich nun aber die Frage, wem sich der Grundstückseigentümer, der über den Zaun nachdenkt, gedanklich gegenübersieht, und wen er konkret von seinem Grundstück fernhalten will. Geht es beispielsweise um spielende Kinder oder, wie oben beschrieben, um das zufällige Betreten des Grundstückes, ist sicherlich selbst ein eher symbolisch wirkender Maschendrahtzaun schon hinreichend.
Möchte man sich hingegen allein mit einer Zaunkonstruktion gegen Profitäter oder Terroristen schützen, könnte man zugespitzt formuliert den Zaun auch gleich weglassen. Denn diese Täterschaft wird man mit keiner der oben beschriebenen Zaunkonstruktionen aufhalten. Heutzutage gibt es Möglichkeiten, hinter Zäunen liegende Objekte und Gebäude zu erreichen und zu manipulieren, ohne ernsthaft mit dem Zaun in Berührung zu kommen, ein Beispiel hierfür wären Drohnen. Und selbst wenn jemand einen Zaun gewalt-sam durchdringen möchte, hat eine handelsübliche Zaunkonstruktion dem Einsatz von Profiwerkzeugen wenig entgegenzusetzen.
Insofern kann auch ein stabiler Zaun seine Wirkung nur entfalten, wenn entsprechende Angriffe oder Übergriffe frühzeitig detektiert werden. Nur dann hat man eine Chance, die wie auch immer geartete Widerstandszeit des Zaunes für eine Intervention nutzen zu können. Zur mechanischen Komponente muss sich also bei entsprechender Kritikalität immer eine meldetechnische Komponente hinzugesellen. Hier gibt es verschiedenste Lösungen – keine hat eine hundertprozentige Detektionsgüte und keine ist vollständig falschalarmsicher. Bei kritischen Objekten werden entsprechend mehrere Technologien miteinander kombiniert. Wie auch immer, es geht darum, dass ein Angriff auf eine mechanische Barriere möglichst frühzeitig detektiert wird, um einen angemessenen Zeitraum für eine wirksame Intervention zu haben.
An diesem Beispiel sehen wir, dass Sicherheit immer noch ein Querschnittsthema ist. Auch ein sehr stabiler Zaun ist wenig wert ohne eine Komponente, die Angriffe detektiert. Und der Detektion von Angriffen muss eine Reaktion in Form einer Verifikation bzw. Intervention folgen, damit von der Perimeterabgrenzung eine adäquate Schutzwirkung ausgeht.

