Ergänzend zu dem Artikel „Abwärmenutzung im Rechenzentrum“ (SIB Nr. 7/2019, S.122 f.) weisen wir auf ein neues Projekt zur Abwärmenutzung in Rechenzentren hin, bei dem sich unterschiedliche Unternehmen, Institute und Rechenzentrumsbetreiber zusammengetan haben: Die Kernthemen bei diesem Projekt sind „Hot-Fluid Computing“ „Adsorptionskälteerzeugung“ und „Private Datacenter“. Die Kombination dieser Themen wird unter dem Projektnamen „HotFlAd“ (Hot-Fluid-Adsorption-System) geführt und bezeichnet die Abwärmenutzung von Mini- oder Edge-Rechenzentren mit dem so genannten Hot-Fluid Adsorption-System in Kombination mit der Adsorptionskälteerzeugung.
Entwickelt von der Thomas-Krenn AG (www.thomas-krenn.com), handelt es sich beim Hot-Fluid Computing um ein Konzept zur Flüssigkühlung von Standard-RZ-Komponenten. Dabei werden die Server nicht mehr mit Luft gekühlt, sondern die Wärme über spezielle Kühlkörper, die eine Flüssigkeit direkt zu den Wärmequellen auf der Platine führen, abgeführt. Dadurch steht direkt ein flüssiges Medium mit einer höheren Temperatur zur Verfügung, ähnlich der Warmwasserkühlung. In Kombination mit der Adsorptionskälteerzeugung kann dann mit der Serverabwärme wieder Kälte erzeugt werden, denn bei einer Adsorptionskältemaschine handelt es sich um eine Kältemaschine mit thermischem Antrieb, bei der Wärme als Antrieb zur Kälteerzeugung dient, anstatt eines elektrischen Verdichters wie bei herkömmlichen Kältemaschinen (siehe dazu auch Sicherheits-Berater 6/2016, S. 87 f.: Rechenzentren mit eigener Abwärme kühlen).
Dieses System wird zukünftig im Rahmen des Projekts in einem ersten Schritt unter Laborbedingungen am Hermann-Rietschel-Institut an der TU Berlin (www.hri.tu-berlin.de) getestet, in einem zweiten Schritt wird ein weiteres System zur Untersuchung unter Praxisbedingungen in einem RZ der Noris Networks AG (www.noris.de) installiert.
Ziel des Forschungsprojekts ist es, „eine wirtschaftlich attraktive Nutzung von Abwärme in Rechenzentren zu ermöglichen“. Eine Effizienzsteigerung von mindestens 300 Prozent gegenüber herkömmlichen RZ mit Kompressionskältemaschinen wird in Aussicht gestellt.
Das Projekt läuft von Januar 2019 bis Dezember 2021 und wird gefördert von der Förderinitiative „EnEff.Gebäude.2050 – Innovative Vorhaben für den nahezu klimaneutralen Gebäudebestand 2050“ (Kurzlink https://bit.ly/2PsYMwy ).
Wir sind gespannt, was dabei herauskommen wird, denn nicht nur der Energieverbrauch des RZ ist bei diesem System ein Thema – vielmehr muss bei solchen Systemen die gesamte Klimainfrastruktur des RZ überdacht werden. Doppelböden, Klimaspangen oder Umluftsysteme wird es damit nicht mehr geben.

