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R wie Resilience: Was macht ein CRO?

Ausgabe 21/2019
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Ausgabe 21/2019
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Haben Sie schon einmal einen CRO kennengelernt – einen Chief Resilience Officer? Wahrscheinlich gibt’s in Deutschland noch gar keinen. Arnoud Molenaar dagegen kennt mindestens 99, die diesen Titel tragen. Er ist selbst CRO – und zwar der von Rotterdam, der zweitgrößten Stadt in den Niederlanden. Dort arbeitet er im Urban Development Department. Ausgerechnet am 20. September, dem Global Climate Strike For Future, fragten wir ihn, wie man das wird und welche Aufgaben die Position mit sich bringt:

Molenaar war im Prinzip bereits CRO, bevor er es offiziell wurde. Im Jahr 2014 schrieb die Rockefeller Foundation einen weltweiten Wettbewerb 100RC aus (www.100resilientcities.org). Sie suchte 100 resiliente Städte, die bereits sind, einen CRO einzustellen und versprach, deren Salär zu übernehmen.

„Ich war ja bereits seit 2008 der erste Full Time City Climate Adaption Officer in Rotterdam und managte das Rotterdam Climate Proof Program“, sagt Molenaar, „und aus diesem Grund bat mich der Bürgermeister um eine Bewerbung als Mitgliedskandidat beim 100 RC. Im Grunde genommen wechselte ich also automatisch vom Manager Climate Adaption in diese Position als CRO.“ Und sein beruflicher Werdegang war dafür auch prädestiniert: Mit dem Studienabschluss in physikalischer Geographie der Universität Utrecht in der Tasche und einigen Traineestellen wurde er zunächst Senior Advisor Water and Spatial Planning, dann Deputy Head des Rotterdamer Water Management Departments und war verantwortlich für das städtische Wassermanagement und den Waterplan2Rotterdam. 2008, als Manager des Rotterdam Climate Program war er Initiator des International Connecting Delta Cities Network und Koordinator eines Forschungsprogramms „Knowledge for Climate“. Unter seiner Leitung erhielt Rotterdam den Status als European Peer City. Auch hatte er vor seiner offiziellen Ernennung zum CRO bereits das Buch „Resilient Cities and Climate Adaptation Strategies“ herausgegeben und war Mitglied im Lenkungsausschuss der internationalen Konferenz „Deltas in Times of Climate Change 2014“.

Obwohl er also im Prinzip schon sämtliche Qualifikationen eines CRO besessen habe, habe ihn und die Stadt seine Ernennung zum CRO professionell weitergebracht: „Der kurze Weg zu anderen CROs und zu anderen Städten mit vergleichbaren Problemen hat uns sehr viel weiter nach vorn gebracht. Als Mitglied eines solchen Netzwerkes lernt man stets dazu. Das ist ein Musterbeispiel dafür, wie Städte voneinander lernen können. Wir tauschen uns z. B. sehr intensiv mit Surat, einer großen Stadt in Indien, aus. Und 100RC konzentriert sich nicht nur auf die Klimaresilienz, sondern zum Beispiel auch auf die soziale und Cyberresilienz, und hat damit den Anwendungsbereich unserer Bemühungen um Resilienz erweitert!“

Molenaar erläutert, dass mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung im urbanen Umfeld leben. Die moderne Stadt habe heute bisher nie gekannte Probleme zu bewältigen: Bevölkerungsdichte, Klimawandel, ökonomische Instabilität, soziale Ungleichheit, Migration und Recourcenknappheit. Vor diesem Hintergrund müsse jede Stadt eine Resilienzstrategie entwickelen, um Schocks und Stress widerstehen zu können (vgl. auch den Kasten links). Als CRO sei er Top-Berater, der unmittelbar an den Bürgermeister berichte. Zusammen mit der lokalen Community müssten sie den Innovationsgrad maximieren und die Auswirkungen unvorhergesehener Ereignisse minimieren. CROs müssen daher extrem kommunikativ, neugierig und lernfähig sein.

„Im Grunde“, fügt er hinzu, „ist Resilienz ja nichts Neues. Neu ist aber gleichwohl die Art und Weise, diese strukturiert zu entwickeln und zu institutionalisieren. Das betrifft nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch die Bürger selbst. Auch die Bürger selbst müssen resilient werden. Wir arbeiten z. B. daran, unsere Kinder mehr und mehr in Richtung eigenverantwortliches Handeln zu trainieren.“

Im Gespräch fällt uns immer wieder auf, dass Molenaars regelmäßig die Worte „Flexibilität“ und „flexibel“ gebraucht: „Wenn Sie ernsthaft resilient agieren wollen, besteht die Herausforderung darin, stets auf Veränderungen reagieren zu können, ein gewisses Maß an Fähigkeit zur Selbstorganisation mitzubringen oder zu entwickeln. Flexibilität ist die oberste Maxime jeder Planung.“ Zahlreiche, teils weltweit einzigartige Beispiele für konkrete Maßnahmen, Initiativen und Umnutzungskonzepte, finden sich auf www.resilientrotterdam.nl, wie z. B. das Projekt, eine multifunktionale Dachlandschaft zu schaffen.

„Es gibt noch viel zu tun. Wir müssen alle Beteiligten mitnehmen, nicht nur diejenigen in Unternehmen, Parlamenten und Verwaltung. Schließlich kommt eine resilienzorientierte Planung allen Bevölkerungsgruppen zugute. Das müssen wir den Bürgern immer wieder aktiv kommunizieren: Sie alle werden von den vielen gemeinsamen Anstrengungen und Veränderungen – im Ergebnis saubere Luft, Schutz vor Überschwemmung usw. – letztendlich ganz sicher profitieren.“

Unsere Frage, ob Resilienz auch im Bereich der IT-Security für ihn als CRO ein Thema ist, beantwortet er, bevor wir sie stellen können: „Cyber-Resilienz ist ein neues Thema. Heute ist alles automatisiert, Städte werden smart und damit noch angreifbarer. Nehmen Sie nur die Energieversorgung, die jederzeit gehackt zu werden droht. Auch auf diesem Gebiet müssen wir uns resilient aufstellen.“

Warum auf der Liste der 100CR keine deutsche Stadt und somit kein deutscher CRO-Kollege zu finden ist, führt er auf die Auswahlkriterien der Rockefeller Foundation zurück. Er wisse auch nicht, warum er keinen deutschen CRO-Kollegen habe. Ob sich womöglich gar niemand beworben hat? Die Frage muss unbeantwortet bleiben. Vielleicht fühlt sich der eine oder andere Leser des Sicherheits-Berater nun angeregt, die Lücke irgendwann zu füllen. Oder gar einer unserer Autoren … ? Und sollten Sie einen Leser des Sicherheits-Berater, respektive eine Leserin, mit der Berufsbezeichnung CRO kennen, freuen wir uns über einen entsprechenden Hinweis.

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