Die Anzahl der in den Medien veröffentlichten Nachrichten zu begangenen Straftaten in Verbindung mit gesprengten Geldautomaten hat subjektiv zugenommen. Laut Statistik des Bundeskriminalamts beläuft sich die Gesamtfallzahl der Sprengungen von Geldautomaten in Deutschland auf 496. Davon gab es 298 vollendete Diebstähle und 198 Versuche, ohne an das Bargeld herangekommen zu sein. Die meisten Sprengungen spielten sich in Nordrhein-Westfalen ab.
Dabei der Trend vom Gasgemisch zum Explosivstoff. Denn laut Bundeskriminalamt sind die Täter bei der Verwendung von Explosivstoffen erfolgreicher als mit Gasgemischen, die sich bei falscher Anwendung eher als unwirksam herausstellen. Durch diesen Trend entstehen auch immer größere Sachschäden und vor allem wächst die Gefahr für Menschen. Denn noch immer sind viele Geldautomaten in Deutschland in Wohnhäusern aufgestellt.
Noch ein wenig zur Statistik: Laut dem Bundeskriminalamt stammten 2021 mehr als die Hälfte der rund 120 Tatverdächtigen aus den Niederlanden. Demnach sind vor allem die an die Niederlande angrenzenden Bundesländer, wie Nordrhein-Westfalen und Niedersachen, von den Sprengungen betroffen. Der Rückgang der Sprengungen in den Niederlanden und die gleichzeitige Zunahme in Deutschland hat verschiedene Gründe. Bei der Täterbekämpfung bedarf es laut Aussagen des Herrn Huth vom Bund Deutscher Kriminalbeamter mehr Unterstützung durch die niederländischen Beamten, da die Tatvorbereitung häufig dort stattfinde. Aber auch die exklusive Lage solcher Bankautomaten, zum Beispiel an weniger gut einsehbaren Bereichen mit wenig Beleuchtung, macht es den Tätern leicht, ihre Vorbereitungen zur Sprengung in Ruhe durchzuführen. Das betrifft vor allem Geldautomaten, die sich direkt an der Fassade befinden und somit ohne Hindernis begangen und erreicht werden können. Von vielen Geldinstituten in Deutschland wird die „Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit“ praktiziert. Geldautomaten, die sich in der sogenannten Selbstbedienungszone innerhalb eines Gebäudes befinden, sind mittels Geldkarte auch jederzeit erreichbar. Das macht es für den Dieb ebenfalls umso leichter, direkt an den Automaten zu gelangen.
Im Folgenden sind einige Maßnahmen beschrieben, die vor Automatensprengungen schützen und somit die Gefahr für Menschenleben reduzieren können:
- Zugänglichkeit in die SB-Zonen außerhalb der Geschäftszeiten unterbinden, d. h. Sperrung der Kartenleser bzw. der Zugänge von außen durch die jeweilige Bankfiliale
- Gezielte Videoüberwachung zur Dokumentation der Angriffe und zur späteren Täteridentifizierung Verhinderung der Nutzung des Bargeldes nach Sprengung, z. B. durch Einfärbung oder Verklebung der Banknoten bei Sprengung
- Außenwirkung der Bankfiliale anpassen, zum Beispiel durch Beschriftungen wie: „Bargeldlose Filiale“ oder „Kein Geldautomat vorhanden“
- Schließung und Rückbau aller Geldautomaten, die sich in Wohnhäusern befinden
- Entwicklung von Sicherheitskonzepten, die nicht nur den Diebstahl berücksichtigen, sondern auch das Wohl der unmittelbar betroffenen Menschen
- Generelle Reduzierung der Geldautomaten auf ein für die Nutzer erträgliches Mindestmaß
Der Schwerpunkt und somit die Hauptaufgabe im Kampf gegen die Automatensprengungen müssen vor allem auf den entsprechenden Präventivmaßnahmen liegen. Hier sind Schutzkonzepte gefragt, die auf die jeweiligen Risiken der Geldautomatenstandorte zielen und diese in ihren Maßnahmen berücksichtigen.

