Aufgrund der hohen Gefährdungslage ist es wichtig, dass in Einrichtungen wie Chemielagern, Produktionsanlagen etc. ein guter Feuer- und Explosionsschutz vorhanden ist. Dieser Schutz kann beispielsweise durch Inertisierung erzielt werden. Dazu muss man wissen, dass ein Feuer nach dem Feuerdreieck mit Hilfe von nur drei Elementen entstehen kann: Brennstoff (Gas, Staub, brennbare Stoffe …), Oxidationsmittel (Sauerstoff) und Zündenergie (Wärme, Elektrizität, mechanische Funken).
Es ist klar, dass durch präventive Maßnahmen, wie etwa Vermeidung von Überhitzung oder Verhinderung eines direkten Kontaktes zwischen Brennstoff und den beiden anderen Komponenten, die Entstehung eines Feuers und folglich einer Explosion verhindert werden kann. Dagegen ist nach der Entstehung eines Feuers das Beseitigen des Oxidationsmittels (Sauerstoff) die einzige Möglichkeit, die eine Löschung des Feuers ermöglichen kann. Das Volumen des Oxidationsmittels kann durch Zugabe von reaktionsträgen Gasen (Inertgase) soweit abgesenkt werden, dass ein Feuer nicht mehr möglich ist. Inertgase sind beispielsweise Argon, Kohlenstoffdioxid und Stickstoff.
Die Inertisierung reduziert den Sauerstoff in der Luft innerhalb eines bestimmten Bereiches so weit, bis einen Entzündung der dort enthaltenen Brandlasten nicht mehr oder nur sehr schwer möglich ist: Es ist bekannt, dass die Luft aus ca. 78 Volumenprozent Stickstoff und ca. 21 Vol.% Sauerstoff besteht. Andere Gase wie Kohlenstoffdioxid oder Argon bilden das verbleibende Volumenprozent.
Durch Zugabe von beispielsweise Stickstoff lässt sich eine Löschwirkung erzielen, wenn der Sauerstoff einen Anteil von weniger als 15 Prozent erreicht hat. Je nach vorhandenen Brennstoffen muss das Volumen von Sauerstoff entsprechend mehr reduziert werden.
Die Inertisierungssysteme werden bereits seit Langem in Öltanks, Silos, Mühlen und Flugindustrie eingesetzt.
Seit etwa 20 Jahren kann die Inertisierung als eine präventive Maßnahme auch in Rechenzentren eingesetzt werden. Der Sauerstoffanteil bzw. Inertgasanteil wird regelmäßig gemessen und für die Betriebszeiten, in denen der Raum für Personen zugänglich sein muss, bleibt der Inertgasanteil unter dem für Menschen schädlichen Niveau. Außerhalb der Betriebszeiten können größere Mengen von Sauerstoff aus dem Raum evakuiert und mit Inertgas ersetzt werden, um eine explosionsfähige Atmosphäre zu verhindern.
Grundsätzlich können zwei Methoden für Inertisierung genannt werden:
- Totale Inertisierung, bei der der absolute Sauerstoffanteil im Verhältnis zum Inertgasanteil so niedrig gehalten wird, dass eine explosionsfähige Atmosphäre selbst nach Zugabe einer großen Mengen Sauerstoff nicht mehr entstehen kann.
- Partielle Inertisierung, bei der die Sauerstoffmenge solange reduziert wird, bis keine
Explosionsgefahr mehr besteht. Wird ausreichend Luft oder Sauerstoff wieder zugemischt, entsteht wieder eine explosionsfähige Atmosphäre.
Unterschiedliche Stufen von Sauerstoffkonzentration können unterschiedliche Gefährdungen der sich im Bereich befindenden Personen verursachen. Entsprechend der Gefährdung teilt die DGUV-I 205-006 die sauerstoffreduzierten Bereiche in vier Risikoklassen ein:
Je nach Risikoklasse müssen bestimmte Maßnahmen für das Arbeiten in sauerstoffreduzierte Räume durchgeführt werden:
Eine optimale bauliche Lösung ist die Errichtung eines dichten Raumes als grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche und effiziente Inertisierung. Dazu müssen organisatorische Maßnahmen zur Begrenzung der Anzahl von Raumbegehungen getroffen werden, damit die erwünschte Sauerstoffkonzentration stabil bleibt.
Für die Ausrüstung eines Rechenzentrums mit Inertisierungssystem sollte mit einer baulich und organisatorisch anspruchsvollen und kosten- und zeitaufwendigen Maßnahme gerechnet werden. Ein Inertierungssystem mit durchgehendem Einsatz hat einen hohen Ressourcenbedarf: Stromverbrauch, Wartung, Verschleiß, was weitere Kosten mit sich bringt.
Inertisierung hat sich in vielen andere Bereichen als eine nützliche langfristige Methode erwiesen und wird seit Jahren eingesetzt. Daher lohnt es sich, diese Methode auch bei der Erstellung von Brandschutzkonzepten als eine akzeptable Lösung zu berücksichtigen.

