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Schnittstellen

Proprietärer Schnee von gestern

Ausgabe 23/2021
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Ausgabe 23/2021
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In der Sicherheitstechnik wurden in der Vergangenheit und werden auch noch immer herstellerspezifische Protokolle und Schnittstellen verwendet. So ist zum Beispiel die Integration von Brand-, Einbruch- oder anderen Gefahrenmeldeanlagen in ein übergeordnetes Managementsystem immer wieder eine Herausforderung, da auf der Seite der Subsysteme Daten und deren Struktur nicht veröffentlicht wurden, sodass ein Austausch von Informationen zwischen Subsystem zu übergeordnetem Managementsystem oftmals nur über Reverse Engineering mit erheblichem Aufwand möglich war.

Ähnlich verhält es sich bei Zutrittskontrollanlagen. Auch hier erfolgt der Datenverkehr zwischen Feldebene (Leser) und Steuerungsebene (Tür-Controller) noch immer weitestgehend über herstellerspezifische, nicht veröffentlichte Verfahren. Die von den Herstellern als sichere Übertragungsverfahren deklarierten Protokolle stellen eine Pseudosicherheit dar. Denn Sicherheit durch Unklarheit (Security by Obscurity) bietet nicht das Sicherheitsniveau von offenen Standards, bei denen Schwachstellen im Rahmen von kryptographischen Analysen durch Fachleute erforscht, kommuniziert und beseitigt werden. Bei proprietären Protokollen bleiben Schwachstellen bestehen und sind somit böswillig angreifbar.

Es ist jedoch festzustellen, dass die informationstechnischen Grundsätze inzwischen auch in die Sicherheitstechnik Einzug halten: So werden vermehrt Webservices als offene und dokumentierte Schnittstellen angeboten, um einen Datenaustausch mit Fremdsystemen bereitstellen zu können. Ein Webservice stellt eine Softwarekomponente dar, um Funktionalitäten im öffentlichen Internet oder auch dem geschäftlichen Intranet bereitzustellen mit dem Ziel, eine Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M-Kommunikation) zwecks Austausch von Daten und Funktionalitäten zu realisieren.

Diese Funktionalität wird nun auch für Elektronische Zutrittskontrollanlagen in dem Normentwurf „DIN EN IEC 60839-11-33:2021-03 – Entwurf VDE 0830-81-11-33:2021-03 Alarmanlagen – Teil 11-33: Elektronische Zutrittskontrollanlagen – Konfiguration der Zutrittskontrolle auf Basis von Webservices (IEC 79/630/CDV:2020)“ beschrieben.

Ein Webservice wird in der Regel wie folgt abgebildet:

  1. WSDL (Web Service Description Language) ist „XML-Grammatik“, um eine unabhängige Schnittstelle zum Informationsaustausch beschreiben zu können.
  2. SOAP ist ein Netzwerkprotokoll auf Anwendungsebene zum Austausch von Daten hauptsächlich mittels XML, aber auch CSV. Format, Parameter, Struktur etc. werden hier festgelegt.
  3. XML, extensible Markup Language ist eine sowohl von Menschen als auch von Maschinen lesbare Sprache, mit deren Hilfe die Informationen übertragen werden.

Ebenfalls seit langem bekannt ist in der Zutrittskontrolle OSDP. Das „Open Supervised Device Protocol“ wurde für die Kommunikation zwischen Leser und Controller entwickelt und basiert auf der seriellen RS485-Schnittstelle. Zur Übertragung der Daten genügt ein Adernpaar, ein weiteres Adernpaar wird in der Regel für die Energieversorgung benötigt. Wie bei einem Bus-System üblich, können mehrere Leser über ein Kabel mit dem Controller verbunden werden. Zudem wird eine Zwei-Wege-Kommunikation unterstützt, die sichere Lese- und Schreibvorgänge zwischen Leser und Controller ermöglicht. Dadurch können Leser eindeutig identifiziert und flexibel angebunden werden.

Die Zwei-Wege-Kommunikation zwischen Leser und Controller geschieht verschlüsselt mithilfe von Secure OSDP. Als Verschlüsselungsalgorithmus wird der Advanced Encryption Standard (AES-128) genutzt. Außerdem ermöglicht die Architektur die Nutzung von PKI (Public Key Infrastrukturen) zur sicheren Schlüsselverwaltung, von SmartCard-Technologien und von Mobilgeräten.

OSDP wird im November 2021 als „DIN EN IEC 60839-11-5:2021-11 (VDE 0830-8-11-5:2021-11) Alarmanlagen – Teil 11-5: Elektronische Zutrittskontrollanlagen – Open Supervised Device Protocol (OSDP) (IEC 60839-11-5:2020)“ in die Normenreihe DIN EN IEC 60839-11 für elektronische Zutrittskontrollanlagen eingegliedert.

Ein weiterer offener Standard der Zutrittskontrolle stellt der Open Security Standard (OSS) der OSS-Association dar. An diesem Industrieforum beteiligen sich immer mehr Unternehmen der Zutrittskontrollbranche. Mithilfe von OSS-SO (Open Security Standards – Standard Offline) können nun Network on Card(NoC)- bzw. Access on Card(AoC)-Anwendungen herstellerübergreifend mit nur einer Datenstruktur interoperabel genutzt werden, sofern die Produkte – Offline-Schlösser und Verwaltungssoftware – entsprechenden Standard unterstützen bzw. dahingehend zertifiziert sind. Das Thema Sicherheit wird mit OSS-SID (Open Security Standards – Secure ID) berücksichtigt.

Fazit

Soll einer zukunftsfähigen und interoperablen herstellerunabhängigen Sicherheitsinfrastruktur Rechnung getragen werden, so ist die Einforderung von offenen Schnittstellen ein zwingendes Kriterium in Ausschreibungen. Denn auf diesem Weg können Integrationen zu anderen Systemen mit einer hohen Planungssicherheit wirtschaftlich realisiert werden. Die Interoperabilität zwischen Systemen der Sicherheitstechnik und auch zu anderen IT-Applikationen wird ein zunehmend wichtiger Faktor sein, um Gebäude energieeffizient und wirtschaftlich steuern und betreiben zu können.

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