Von den in Teil I genannten sieben Risiken in Bezug auf den Klimawandel wenden wir uns heute dem vierten Risikokomplex zu:
- Meeresspiegelanstieg, Sturmfluten (Heft 3/2020)
- Hochwasser, Überschwemmung, Starkregen (Heft 5/2020)
- Sturm (Heft 8/2020)
- Gewitter, Blitzeinschlag (Heft 12/2020)
- Extremtemperaturen (Heft 20/2020)
- Anhaltende Trockenperiode
- Schnee
4. Gewitter, Blitzeinschlag
Starke Gewitter mit großem Schadenspotenzial entstehen dann, wenn warme, mit Feuchtigkeit aufgeladene Luft in hohe und kältere Luftschichten aufsteigt. Dann kondensieren Wassertropfen und bilden in hohen Luftschichten Eiskristalle aus, die dann durch Reibung ein Ladungspotenzial erzeugen. Je höher das Ladungspotenzial, desto heftiger fällt das Gewitter aus.
Grundlage für ein Gewitter ist also Feuchtigkeit in der Luft. An sonnigen Tagen wird durch eine hohe Sonneneinstrahlung und eine warme Luftschicht in Bodennähe viel Wasser aufgenommen. Durch einen großen Temperaturunterschied zwischen den tieferen und den höheren Luftschichten kann diese warme feuchte Luft dann sehr schnell aufsteigen und ein Gewitter verursachen. Eine andere Möglichkeit besteht jedoch auch darin, dass die warme feuchte Luft durch Berge und entsprechende Windverhältnisse nach oben gedrückt wird.
Ein weiteres selteneres Ereignis in Europa sind Wintergewitter. Hier ist es deutlich schwieriger, die notwendige feuchte Luft und den benötigten Temperaturunterschied zwischen unteren und oberen Luftschichten für den schnellen Aufstieg zu erhalten. Über wärmeren Wasserflächen (z. B. Nord- und Ostsee) oder wenn warme feuchte Luft unter kalte Luftmassen gedrückt wird, können sich solche Luftzustände aber einstellen.
Begleiterscheinungen von Gewittern sind Tornados, Hagel und lokaler Starkregen, welche insbesondere in großen Gewitterzellen mit extremen Aufwinden entstehen können.
4.1 Vergangenheit in Zahlen
Haben die Anzahl und Heftigkeit von Gewittern in der Vergangenheit zugenommen?
Gewitter lassen sich anhand von Blitzen feststellen und lokalisieren. Solche Daten werden jedoch erst seit 16 Jahren systematisch aufgezeichnet. Laut BLIDS, dem Blitzinformationsdienst von Siemens bzw. dessen BlitzAtlas (press.siemens.com, Kurzlink https://sie.ag/3gpxhBe ), schwankt die Anzahl der Blitze pro Jahr in Deutschland stark. Die Schwankungen reichen von 400.000 bis hin zu über 1.200.000 Einschlägen pro Jahr. Ein Trend ist aus diesen Statistiken jedoch nicht zu entnehmen.
Eine weitere, von S. Mohr und M. Kunz verfasste und auf www.sciencedirekt.com veröffentlichte Untersuchung (Kurzlink https://bit.ly/2yDkwC4 ) hat auf Basis von bestimmten Messparametern die Entwicklung des Gewitter- und Hagelpotenzials in Mitteleuropa ermittelt . Ergebnis war ein stetiger Anstieg des Gewitterpotenzials im Zeitraum von 1978-2009.
4.2 Prognose
Wie könnte sich das Risikopotenzial für Gewitter in den nächsten 50 bis 100 Jahren entwickeln?
Auch mit dieser Frage hat sich eine Studie von Mohr/Kunz/Keuler befasst (veröffentlicht auf agupubs.onlinelibraray.wiley.com, Kurzlink https://bit.ly/2zyiFi9 ). Diese hat mit mehreren Klimamodellsimulationen das Gewitterpotenzial für die Jahre 2021 bis 2050 untersucht. Hier kamen regionale Unterschiede zum Tragen. Das Gewitterpotenzial steigt demnach im Verhältnis zu den Jahren 1971 bis 2000 im Süden und im Nordwesten Deutschlands signifikant an. Bei allen anderen Regionen Deutschlands konnten keine statistisch rele-vanten Änderungen des Gewitterpotenzials berechnet werden.
Fazit
Da das Gewitterpotenzial in der Vergangenheit stetig angestiegen ist und wir davon ausgehen müssen, dass sich dieser Trend in der Zukunft fortsetzt, würden wir (obwohl Modellrechnungen keinen Anstieg prognostizieren) sicherheitshalber für ganz Deutschland einen geringen klimawandelbedingten Risikoaufschlag von fünf Prozent vorsehen.
Für die Regionen im Süden und Nordwestendeutschlands sollte der klimawandelbedingte Risikoaufschlag etwas höher ausfallen. Wir raten hier, 10 bis 15 Prozent vorzusehen.

