Sichere Städte sind lebenswerte Städte. Um auch in den Städten von morgen eine hohe Lebensqualität zu erreichen, braucht es ausreichende Sicherheit. Doch in welchen Bereichen braucht welche Stadt wie viel Sicherheit? Welche Maßnahmen sind die richtigen? Und lässt sich Sicherheit verbessern, ohne die Freiheit der Menschen einzuschränken?
Seit über 15 Jahren befassen wir bei der EBP Schweiz AG (www.ebp.ch) uns mit Urbaner Sicherheit. Im Auftrag von Städten, Verbänden oder privaten Immobilienfirmen leisten wir Beiträge für sichere und damit lebenswerte Städte. Aus der Erfahrung zahlreicher Projekte sehen wir vier Erfolgsfaktoren, um für eine Stadt das richtige Sicherheitsniveau zu finden und dieses auch langfristig zu erhalten.
- Umfassende, ergebnisoffene und pragmatische Analysen
Würde man die Bevölkerung einer Stadt fragen, was aus ihrer Sicht die wichtigsten Sicherheitsfragen sind, wären dies wohl vor allem Themen, die in der letzten Zeit die Öffentlichkeit dominierten. Eine umsichtige und vorausschauende Sicherheitsplanung für eine Stadt befasst sich jedoch nicht nur mit aktuellen Ereignissen, sondern auch mit solchen, die sich selten ereignen, aber zu großen Schäden führen – Katastrophen beispielsweise. Wichtig ist daher ein Vergleich ALLER für eine Stadt relevanten Gefährdungen, um auf Basis objektivierter Grund-lagen die richtigen Prioritäten zu setzen.
Die Stadt Luzern beispielsweise hat erstmals 2007 einen umfassenden, risikobasierten Bericht zur Sicherheitslage in der ganzen Stadt veröffentlicht. Diesen aktualisiert sie seitdem alle drei Jahre. Weit über 100 sicherheitsrelevante Maßnahmen wurden auf Basis der mittlerweile jetzt fünf Berichte schon umgesetzt. Das Themenspektrum reicht in Luzern von Angstorten im öffentlichen Raum über Verkehrsunfälle und Kriminalität bis hin zu Terroranschlag, Erdbeben und Pandemie. Das Ganze beruht auf einer pragmatischen, risikobasierten Methode. An diesem Vorgehen orientieren sich mittlerweile auch andere Schweizer Städte. Auch die Stadt München arbeitet derzeit an einem integralen, risiko-basierten Sicherheitsbericht nach Luzerner Vorbild. - Optimal vernetzt: optimal geschützt
Denkt man an Sicherheit in einer Stadt, ist es naheliegend, die Verantwortung vor allem bei der Polizei oder bei den Ordnungsämtern zu sehen. Aber erfolgreiche Sicherheitsplanung braucht das Zusammenspiel einer Vielzahl von Akteuren. In Abhängigkeit von der konkreten Fragestellung sind beispielsweise auch die Feuerwehr, das Rettungswesen oder private Sicherheitsfirmen, die Bau-, Bildungs- oder die Sozialbehörden wichtige Akteure. Aus unserer Erfahrung gelingt es vor allem dann wirksame Maßnahmen zu entwickeln, wenn die Erfahrungen und Sichtweisen mehrerer Fachpersonen in den Entscheidungsfindungsprozess einfließen. Dieses Vorgehen erhöht schlussendlich auch die Akzeptanz von Maßnahmen. Das Zusammenspiel interdisziplinär zusammengesetzter Projektteams fördert zudem das Verständnis für die Bedürfnisse anderer Sicherheitsakteure und unterstützt das, was wir in der Schweiz «KKKK» nennen: In Krisen Köpfe und deren Kompetenzen kennen.
Die Stadt Biel beispielsweise ging für ihre integrale Sicherheitsplanung noch einen Schritt weiter: Neben einem interdisziplinären Projektteam spielte in Biel auch eine sogenannte «Echogruppe» eine wichtige Rolle. Hier kamen Vertreterinnen und Vertreter ganz unterschiedlicher, städtischer Interessensgruppen zusammen: Unter anderem diskutierten Kinder und Jugendliche, Senioren, Obdachlose sowie Vertreter von Gewerbe und Tourismus gemeinsam sicherheitsrelevante Fragestellungen. Begleitet durch geeignete Methoden der Großgruppenmoderation war es möglich, innerhalb eines Workshops differenzierte Lösungsansätze zu entwickeln, die die Anliegen eines Quer-schnitts der Stadtbevölkerung berücksichtigen. - Planen und gestalten mit Sicherheit
Je früher Sicherheit in städtische Planungs- und Bauprozesse einfließt, desto wirksamer lassen sich Schadensereignisse vermeiden. Denn im Idealfall muss ein sicherheitsrelevantes Ereignis nicht bewältigt werden, es tritt gar nicht erst ein. Die Herausforderung: Das Thema Sicherheit ist bei Stadtplanern und Architekten nicht gerade beliebt. Kommen Sicherheitsthemen auf die Tagesordnung, sind die Vorbehalte häufig groß: Sicherheit zerstöre Ästhetik, Sicherheit sei mit Aufenthaltsqualität nicht vereinbar, Sicherheit schränke die persönliche Freiheit ein. Das muss aber nicht sein – wenn man das Thema Sicherheit zielgruppengerecht vermittelt. Verstehen planende und gestaltende Akteure, dass Sicherheit und Lebensqualität miteinander einhergehen, führt dies zu einem klaren Mehrwert in Planungs- und Bauprozessen.
Die sogenannte «städtebauliche Kriminalprävention» bietet eine gute Möglichkeit, sicherheitsrelevante Fragestellungen frühzeitig anzudenken. Sowohl bei Neu- wie auch bei Umbauten ist es möglich, im Rahmen partizipativer Prozesse zusammen mit öffentlichen wie privaten Auftraggebern, Sicherheitsakteuren sowie Planern und Architekten spezifische Maßnahmen entwickeln. Diese verbessern die Sicher-heitslage, ohne die gestalterische Qualität der Planungen einzuschränken. Positiver Nebeneffekt: Sicherheitsakteure lernen mehr über Planungsprozesse. Akteure aus dem Umfeld Stadtplanung und Architektur wiederum werden sensibilisiert für sicherheitsrelevante Anlie-gen und sind im besten Fall selbst in der Lage, diese Aspekte bei künftigen Planungen zu berücksichtigen. - Verhältnismäßige Prävention UND Repression
Sicherheitsmaßnahmen für eine Stadt – nicht selten wird dies in der heutigen Zeit assoziiert mit (intelligenter) Videoüberwachung oder mehr Präsenz von Sicherheitskräften. Wie oben ausgeführt, sind wir bei EBP von der Wirksamkeit präventiver Maßnahmen in der urbanen Sicherheitsplanung überzeugt. Und dennoch: Schlussendlich ist es ein Maßnahmenmix, der in Städten Sicherheit gewährleistet. Verschärfte
gesetzliche Grundlagen, robuster Zufahrtschutz oder eben auch Videoüberwachung können durchaus auch geeignete Maßnahmen sein – die Zweckmäßigkeit einer jeden Maßnahme ist aber im Einzelfall zu prüfen.
Die Stadt Basel hat kürzlich eine Studie abgeschlossen zur Sicherheit öffentlicher Räume (veröffentlicht auf www.bs.ch, Kurzlink https://bit.ly/33GsCnK ). Die Ergebnisse sind übertragbar auf alle (Schweizer) Städte. Einen großen Teil der Studie nehmen «good practices» ein: Beispiele aus Städten in der Schweiz, in Deutschland wie auch im sonstigen Ausland. Diese zeigen die Vielfalt bewährter Möglichkeiten, mit denen sich Sicherheit in Städten erreichen lässt – präventive wie repressive. Wichtig erscheint uns dabei auch die Verhältnismäßigkeit einer jeden Maßnahme. Nach sicherheitsrelevanten Ereignissen reagieren die Verantwortlichen nicht selten reflexartig mit repressiven und dabei oftmals auch überzogenen Maßnahmen. Ein Beispiel dafür sind die vielen in der letzten Zeit erstellten Zufahrts-schutz-Konzepte und die aus denen abgeleiteten Schutzmaßnahmen.
Aus unserer Sicht sind diese Maßnahmen nicht selten unverhältnismäßig: Die Kosten übersteigen das monetarisierte Risiko, das von einem Fahrzeugangriff ausgeht, zum Teil deutlich. Dabei ist uns wichtig: Dies ist kein Plädoyer gegen repressive Maßnahmen. Dies ist ein Plädoyer für einen bewussten, ausgewogenen und verhältnismäßigen Umgang mit Sicherheitsmaßnahmen insgesamt und damit für einen optimalen Mitteleinsatz.
Fazit
Sicherheit in Städten zu erzielen und ein bestimmtes Sicherheitsniveau zu halten, ist eine herausfordernde Aufgabe. Aber es ist eine Aufgabe, der sich die Verantwortlichen stellen müssen, um die Lebensqualität in einer Stadt aufrechtzuerhalten. Wir sind überzeugt: Im Zusammenspiel verschiedener Akteure und mit der Offenheit, für jedes Gemeinwesen ausgewogene Lösungen zu suchen, ist es möglich, das gewünschte Maß urbaner Sicherheit zu erzielen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur heutigen wie auch zur künftigen Lebensqualität in unseren Städten.

